Das Weltentor
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Autor Thema: Kristos Leben - Erzählungen  (Gelesen 12294 mal)
Surtur
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It's Buddy Kristos


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« am: 01. März 2007, 13:28:54 »

Kristos - Eine Geschichtensammlung

"Chellas meine Freundchen. Bin ich. Die lustige Kristos Mios, Sohn von die Papa Kristos und die Mama Kristos. Komme aus die seltsame Land namens die Chessenta. Is irgendwo, interessiert eh keine Menschchen, chellas? Sind lustige Volkchen, saufen gerne und jede Fruhjahr, wir machen lustige Krieg. Erschlagen Leute aus Nachbarstadt und die erschlagen uns bis alle sind tot. Im Cherbst wir sammeln die Leichen ein und gechen Ernten. Und bauen auf, was wird vernichtet. Macht doch große Spass, nix? Ja, so sind wir, wir tollen Chessenter. Besteste Leutchen wo gibt. Jede eine kleine Cheld. Und die besten Chelden verwesen und vermodern alle im Dunkeln unter die Erde mit tausende Orden die ihnen um die Chals gelegt wurden und die vor sich chingammeln. Wären ihre Eltern nix eh schon auch tot, die wären sicher stolz auf sie. Chunderte von die Prozent, wetten? Waren eh vermutlich auch sicher große Chelden. Ja.. ist wirklich wunderbare Land, nix?

Aber ich bin nix so wie die anderen. Ich bin anders. Bin keine große Cheld, keine Krieger. Ich bin Philosophos. Liebender der Weischeit. Besteste wo gibt. Kenn mich aus voll. Erforsche die großen Rätsel. Und bin großte Schlingel wo gibt. Frag nur die anderen. Großteste Schlingel wo überhaupt gibt! Glaubst du nix? Besser fur dich. Außerdem ich kann sechen in die Zukunft. Weißt du, was mir sagt deine Zukunft? Dass du kommst cher und saufst mit mir Schluck Ouzo, lade ein dich! Na, los komm. Die Mond ist voll und ich chabe auch schon Durst."


Ja.. so würde er sich vorstellen, der Chessente in seiner pinken Toga mit dem Lorbeerkranz am Kopf und den roten Backen, den Bart fein säuberlich getrimmt. In der einen Hand eine Flasche Wein, singt und lacht der dickliche Mann, dessen Alter man nur schwer zwischen 30 und 50 festmachen kann. Ja, er lacht und singt. Und betrügt und lügt. Niemand, nicht einmal er selbst, kennt die ganzen Abgründe seiner Seele, die Dinge, die er erlebt hat, oder hätte erleben können. Wer weiß schon, was sich hinter seiner lustigen Maske alles versteckt....

Wie weit würdest du gehen?
Eine Geschichte von Leid, Liebe, Unglück und den Fängen des Schicksals. Unausweichlich und Endgültig. Denn es gibt Mächte, welche man nicht anrufen sollte - geschrieben von Surtur

Von Hochmut und Selbstbetrug
Eine Geschichte voller Hoffnung, voller Zweifel und dem Willen, sich nicht zu fügen - geschrieben von Surtur

Eine Frage der Entscheidungen
Was wäre geschehen, wenn er sich einmal anders entschieden hätte? - geschrieben von Surtur

Kristos 40k - Futurepunk
Eine etwas andere Geschichte rund um unseren kleinen pinken Kerl. In einer Galaxie, weit weit entfernt. Oder auch nicht. - geschrieben von Surtur

Der Wandel
Alles ist im Fluss, alles verändert sich. Und am Ende bleibt nichts, wie es war.  - geschrieben von Surtur

Ein Tag im Leben des Kristos
Nicht immer sind es Abenteuer, die man so erlebt. Manchmal ist es ein normaler Tag. Und doch, was für die einen normal, ist für andere vielleicht doch ... anders - geschrieben von Surtur
« Letzte Änderung: 17. Juli 2009, 17:40:06 von Surtur » Gespeichert

Surtur
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It's Buddy Kristos


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« Antworten #1 am: 01. März 2007, 16:22:14 »

Wie weit würdest du gehen?

Der Beginn

Er schloss seine Augen, versuchte sich zu beruhigen. Doch wie beruhigt man sich, wenn sein Puls rast, rast wie ein Sechsspänner, angetrieben von den wilden Peitschenschlägen eines erbarmungslosen Kutschers. Der Schweiss auf seiner Stirn begann sich in dicken Tropfen zu sammeln, er spürte, wie jene Tropfen sich ober seinen Augenbrauen sammelten, wie sie immer großer wurden um dann herabzufallen. Mit einer kurzen Handbewegung wischte er sie fort. Kalt war der Schweiß, genauso kalt wie ihm. Es fröstelte, sämtliche Haare in seinem Nacken stellten sich auf bei dem Gedanken.

"Beruhige dich, beruhige dich", dachte er immer wieder, doch er wollte und konnte sich nicht beruhigen. Wie sollte man sich beruhigen, wenn man wusste, was vor einem lag. Ja, da lag es, jenes verheißungsvolle Buch, mit dem roten Einband. Auf dem Deckel das Pentagramm. Das Zeichen, welchem er gefolgt war. Das Zeichen, welches Versuchung und Verheißung, aber auch Bestrafung und Vergänglichkeit bedeutete. Er wollte es nicht, er wagte es nicht. 3 Schritte vor dem Buch blieb er stehen. Er konnte dem Ruf nicht folgen. Wie süß es nach ihm rief. Wie soll man jenes namenlose Entsetzen beschreiben, welches man in so einem Moment fühlen mag? Jenes entsetzen und zugleich die Verlockung, in anbetracht des Abgrundes? Kurz vor dem Sprung an der Klippe, kurz bevor man ihn wagt, den entscheideneden Schritt. Bevor man sich in die Ungewissheit stürzt, bevor man sch dazu entscheidet sein Schicksal zu meistern. Der Nervenkitzel, wenn man die sicheren Bahnen verlässt, und sein Leben Mächten anvertraut, welche man nicht kontrollieren kann. Wenn man springt, unwissend, ob man an den Felsen zerschellt, vom Wasser zerdrückt wird, einem die Arme und Beine vom Leib gerissen werden und man Qualvoll zugrunde geht, oder ob man es nicht doch überleben mag, um eine Erfahrung reicher. Ein Fehler, eine Unachtsamkeit, und es war alles verloren.

Doch im Gegensatz zum Klippenspringer, gab es für ihn mehr zu gewinnen, als nur eine Erfahrung. Und es stand mehr auf dem Spiel, als sein Leben zu verlieren. Mehr als sein Leben? Was könnte wichtiger sein, als das Leben, an welches sich ein jeder klammert, welches alles ist, was wir kennen. Nun, das Leben seiner Frau zum Beispiel. Und das Leben seiner Tochter. Gefangen gehalten vom Feind. Luthcheq. Was würde aus den beiden werden? In diesem Moment bereits würden sie gefoltert werden. Ihr Leben hing an einem Seidenen Faden. Der Feind war dafür bekannt, dass er nicht gerade zimperlich mit seinen Gefangenen umging. Vor allem nicht mit jenen, die der Spionage verdächtigt wurden. Dabei stammten sie selber aus jener Stadt. Doch sie hatte einen Fehler gemacht. Sich in jemanden verliebt. Sich in den Feind verliebt, einen jungen aus Cimbar. Und ihn geheiratet, ja sogar ein Kind empfangen.

Sie waren keine Spione gewesen. Sie wollten nur Frieden. Ein glückliches Leben, fern von der immer währenden Gewalt zwischen den Städten. Ihr kleines Reich, ein Häuschen, eine kleine Herde Schafe. Doch es war anders gekommen. Ihr eigener Vater hatte sie verkauft. Kristos wollte gar nicht wissen, wieviel es dem Vater gebracht hatte. Eine Ziege vielleicht? Hoffentlich war es das wenigstens wert gewesen. Der eigene Vater verriet seine Tochter und sein Enkelkind. Und nun waren sie gefangen, wurden gefoltert und würden getötet werden.

Kristos verdrängte die Gedanken. Er musste die Gräuel, welche ihnen nun zu Teil werden würden, aus seinem Kopf verbannen. Schieb es beiseite. Doch er konnte nicht. Bilder drangen in seinen Kopf. Sie würden die arme Frau schänden, seine Frau, seine geliebte Ehefrau. Mit ihr hatte er sich in aller Heimlichkeit getraut. Sie würden ihr Schmerzen zufügen. Ihr die Haut von den Knochen schneiden, langsam die Zehennägel aus den Zehen ziehen, ihr die Knochen brechen. Die samtene, alabasterfarbene Haut würde sich langsam rot Färben, rot vom Blut, dass ihre Schenkel hinablaufen würde, in dicken Tropfen auf den Boden rinnend. Oder würden sie ihr die Zähne ziehen, einen nach dem anderen, bis das warme Blut dick ihre Kehle hinunterläuft? Sie würde es ertragen, sie würde nicht zucken, sie war stark und stolz. Stark und Stolz. ei den Göttern wie er sie dafür liebte. Keinen Laut würde sie von sich geben, bis es sie würgen würde von dem vielen Blut und sie husten würde. Husten und ihren Peinigern die Mischung aus Schleim und Blut ins Gesicht spucken würde. Sie würden sie nicht brechen, niemals. Wie er sie vermisste, wie es ihn schmerzte, wie er sie liebte. Diese Qualen zerfetzten sein Herz.

Oder würden sie sie verschohnen? Sich erst um die dreijährige Tochter kümmern. Das kleine Kind, mit den wunderbaren schwarzen Löckchen, sein kleiner Sonnenschein? Sein ein und alles. Das Kind ihrer Liebe? Welche Gräuel waren die Männer aus Luthcheq imstande jener anzutun? Der Unschuld in Person? Bei den Göttern, sie war doch noch ein Kind!

Nein, er wollte und konnte nicht mehr weiterdenken. NEIN!

Langsam streckte er seine Hand nach dem Buch aus und versuchte das rebellieren seines Magens zu ignorieren. Alles in ihm schrie auf, wie eine Woge, ein letztes Aufbäumen durchschoss ihn ein eiskalter Strahl. Sein Herz pochte, ebenso sein Gehirn. "Tu es nicht", schrie alles in ihm. "Tu es nicht, es wird dein Untergang sein. Tu es nicht. Tu was du willst, aber nicht das. tu es nicht!". Doch es war die einzige und letzte Möglichkeit, die ihm geblieben war.

Tränen rannen seine Wangen hinab, er schrie aus voller Kehle. Zitternd und wimmernd brach er zusammen, brach hinunter auf seine Knie. Er reckte seinen Kopf gen Decke, versuchte nach Hilfe zu schreien, nach Hilfe von seinen Göttern, doch es kam nur ein von Tränen ersticktes Schluchzen. Die Antwort blieb aus, so wie sie es immer getan hatte.

Was sollte er denn sonst tun? Es blieb ihm keine Möglichkeit. Es war die einzige Rettung für die beiden. Er war die einzige Rettung für die beiden. Wenn er sich opfern würde, dann würden sie leben. Was würdest du tun, um jene zu retten, die du liebst? Würdest du morden? Würdest du dich selber opfern? Würdest du deine Seele verkaufen?

Mit letzter Kraft kroch er zu dem Buch. Er griff nach seinem Dolch, welchen er am Gürtel befestigt hatte. Die Angst und die Verzweiflung ließen seine Hände zittern, seine Augen waren getrübt von den Tränen und dem Schweiß. Er wischte sich kurz darüber, um klarer sehen zu können. Dann nahm er den Dolch. Sein Atem ging noch schneller. Das Adrenalin schoss durch seine Venen. Es gab ihm die Kraft, die Angst und die Furcht zu vergessen. Sich zu konzentrieren. Langsam erhob er sich, starrte auf den Dolch in seiner Hand.

Der Blick fiel zur Seite. Im halbdunkel des Raumes saß jener. Er war an einen Sessel gefesselt, den Mund geknebelt. Seine Augen waren geweitet vor lauter Entsetzen und Schreck. Da saß das gefangene Monster, in seinem eigenen Urin. Jener wusste, was ihn erwarten würde, als er die Entschlossenheit in Kristos Augen sah. Kristos musste es tun und er würde es tun. Es war die einzige Rettung für seine Familie. Die einzige Rettung für die Frau, die er liebte, und das Geschenk ihrer Liebe, seine Tochter.

Kristos zitterte, als er näher an den Vater trat. Der Vater, welcher seine Tochter verkauft hatte. Er war Schuld an allem, und er würde bezahlen. Das Schwein. Kurz fiel der Blick wieder zu dem Buch. Langsam wurde er wieder Herr über sich selber, er öffnete es, die Stelle war bereits markiert. Dort lag er, der Vers, welchen er sprechen musste, welcher alles zum besseren wenden würde. Ein kleines Opfer, den Mann, den er mehr hasste als alles andere, für die, die er liebte.

Trotz allem fiel es ihm schwer. Kristos hatte noch nie gemordet. Er konnte ihm nicht in die Augen sehen. So trat er hinter ihn. Es einfach nur hinter sich bringen. Zumindest würde er so ein Scheusal vom Anlitz der Welt tilgen. Der Dolch hob sich in die Luft, fest umklammert mit beiden Händen. So fest, dass die Knöchel weiß hervortraten. Kristos Atmung wurde schnell und tief, er spürte, wie der Sauerstoff seine Lungen füllte, spürte, wie sich sein Bewustsein veränderte. Er sprach die Formel, welche er bereits auswendig kannte. Immer wieder waren es dieselben Silben, der Name dessen, welcher ihm die Erretung bringen würde. Er wiederholte und wiederholte den Namen des dunklen Herrn.

Der Vater sah den Schatten von Kristos an der Wand vor sich. Er hörte die Beschwörung, sah, wie Kristos ausholte. Angst und Schrecken durchzuckten seinen Leib. Wieder entleerte sich vor Angst die Blase. Ein letztes Mal! Beißendend erhob sich ein übler Geruch, vor Entsetzen weiteten sich die Augen des Mannes, sein Magen rebelierte, und er erbrach in den Knebel. Kaum bekam er noch Luft, versuchte zu husten und die Brocken des Erbrochenen aus seinem Hals zu bekommen, um nicht daran zu ersticken. Doch der Knebel verhinderte es. Er zerrte an den Fesseln, versuchte sich panisch zu befreien. Kristos schrie laut auf! Der Vater verstummte! Mit Aufgerissenen Augen blickte er auf den Schatten und sah, wie der Dolch sich seinem Kopf näherte. Für den Bruchteil einer Sekunde ward es still in dem Raum. Dann traf der Dolch das Fleisch und der Kopf des Mannes kippte nach vorne.

Ruhe kehrte ein.

Kristos Atmung verlangsamte sich. Der erste Teil ward getan. Er merkte nicht, wie sich hinter ihm das Buch von seinem Platz erhob, zu schweben begann und in einem unnatürlichen roten Licht leuchtete. Nun war es nicht mehr aufzuhalten. Es hatte begonnen.

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Er keuchte einige Male, versuchte wieder Herr über sich zu werden. Mit dem Handrücken wischte er sich den Schweiß von der Stirn, nahm dann ein Tuch, welches er sich bereitgelegt hatte und begann sich das Blut von seinem Gesicht zu wischen. Dann erst drehte er sich um. Und blickte erstarrt zu dem Buch.

Kristos war sich nie sicher gewesen, ob das Buch, welches er von seinem Cousin Haros bekommen hatte, wirklich echt war, oder nicht. Haros hatte ihm viel erzählt, und war bisher immer Vertrauenswürdig gewesen. Aber vielleicht hatte er ja diesmal die Unwahrheit erzählt? Vielleicht wollte er ihn nur um die 500 Goldmünzen betrügen, die Kristos für das Buch gezahlt hatte. 500 Goldmünzen, die er aus dem Verkauf der fettesten Kuh seines Vaters hatte. Sein Vater wusste noch nichts von dem Verkauf. Er würde Kristos sicher wieder prügeln, so wie er es immer getan hatte, wenn der Junge nicht folgte. Dann nahm er meist seinen alten Ledergürtel. Rosi hatte die Kuh einst geheißen, der er das Leder abgezogen hatte. "Rosi wird dich lehren, was gehorsam ist" Diese Worte kannte er nur zu gut.

"Seltsam, welche Gedanken einen durch den Kopf gehen, in den seltsamsten Situationen", dachte sich Kristos. Noch immer stand er nur mit einem Tuch um die Lenden bekleidet, welche mit dem Blut des Schwiegervaters befleckt waren, dem Dolch in der einen, dem Tuch in der anderen Hand, und blickte zu dem Schwebenden Buch. Kurz begann er zu lächeln. Es funktionierte also. Bald würde er seinem Ziel näher sein. Guter Haros.

Langsam wurde das Leuchten des Buches stärker. Es schien alle Zeit der Welt zu haben, als es langsam höher schwebte. Dann, als es etwas über dem Tisch war, auf welchen Kristos es drapiert hatte, inmitten eines großen Pentagramms, welches er mit Ziegenblut auf den Tisch gemalt hatte, und an dessen Ecken 5 Kerzen aufgestellt waren, blieb es stehen.

Kristos stand wie versteinert da, dachte, was etwa jetzt zu tun sei. Die Unnatürlichkeit der ganzen Erscheinung war ihm wohl bewusst, jedoch gewann dieses mal die Neugierde über die Angst. Gebannt wartete er, was nun passieren würde. Hatte er etwas falsch gemacht? War etwas nicht richtig? Hatte er etwas übersehen?

Langsam trat er näher zu dem Buch, streckte die Hand zu jenem aus, als sich plötzlich, ohne sein zutun, wie von Geisterhand, begannen eine Seite umzublättern. Fasziniert trat Kristos näher um diese Entwicklung genauer zu beobachten, da blätterte das Buch wieder eine Seite um. Und wieder, und wieder. Und immer schneller blätterte das Buch. Vor und zurück, zurück und vor, vor und zurück. Immer wieder blätterte das Buch. Panik ergriff Kristos, er verstand nicht, was nun geschah. Instinktiv trat er einige Schritte zurück, stolperte fast über den Sessel, in welchem Penelopes Vater lag.

Nun kam die Angst zurück. Sein Herz pochte wieder schneller, Schweiß stand ihm wieder auf der Stirne. Er umklammerte den Dolch in seiner Hand mit festen Griff und suchte nach einem festen Stand. Kristos wusste, wie sinnlos dies war. Er musste über seine eigene Dummheit lachen. Was wollte er mit dem Messer in der Hand schon gegen die Macht der Neun Höllen ausrichten? War dies nun sein Ende? Hatte er versagt? Er schluckte. Das kann es nicht gewesen sein. In den Büchern und Heldengeschichten gab es doch meist ein gutes Ende? Hier, im Keller dieses Verlassenen Hauses sollte er also sein Ende finden? Unfähig seine Familie zu beschützen? Zorn und Hass gewannen die Oberhand. Was auch immer passieren würde, Kristos würde zumindest nicht Kampflos sterben!

Doch dann plötzlich klappte das Buch zu und lag wieder ruhig in der Luft. Kristos Herz raste. Was würde nun passieren? Wieder versuchte er zu Schlucken, doch sein Mund war viel zu trocken. Schweiß rann ihm von der Augebraue hinab ins Auge. Das Salz brannte auf der Hornhaut, doch er konnte jetzt seinen Blick nicht abwenden. Was auch immer er in Gang gesetzt hatte, es gab nun kein zurück.

Dann begann sich das geschlossene Buch zu drehen. Es richtete sich senkrecht auf. Nun erkannte Kristos auch, woher das leuchten kam. Es war das Pentagramm, welches zu pulsieren schien. „Fast wie ein Herz“, dachte er bei sich. Das Leuchten wurde immer Heller, immer intensiver und immer schneller. Wie Kristos Herzschlag beschleunigte sich das pulsieren. Die Atmung ging schneller, der griff um den Dolch wurde immer fester. Das weiß der Knöchel trat zu Tage, sein Blick war starr auf das Buch gerichtet. Ein seltsamer Geruch begann den Raum zu erfüllen, es roch nach faulen Eiern. „Schwefel“, dachte sich Kristos. Er kannte den Geruch, von einem Magier, dem er einmal einen Beutel gestohlen hatte. 5 Münzen hatte er dafür bekommen. Damals kam es ihm viel vor. Doch heute wusste er, dass er mindestens 50 dafür bekommen hätte können.

Der Geruch wurde immer intensiver, er überdeckte auch den beißenden Geruch des Erbrochenen und der Exkremente des Schwiegervaters. Doch war er um nichts besser. Er spürte, wie der Geruch seien Nase hochzog, wie er in die Lungen eindrang und wie sein Magen reagierte. Kristos war schon die ganzen letzten Tage viel zu niedergeschlagen und aufgeregt gewesen um richtig zu essen. Doch er wusste, er würde all seine Kraft brauchen. Er hatte sich gezwungen, heute wenigstens ein paar Eier und ein wenig Brot zu nehmen. Und der Gedanke an die Eier war es, der seinem Magen wohl nicht gefiel.

Er spürte, wie sich der Magen verkrampfte, sich unwillkürlich zusammenzog, Kristos versuchte ihn durch mehrmaliges Schlucken zu beruhigen, doch war sein Mund zu trocken. Nach wenigen Minuten verlor er den Kampf und übergab sich auf den Boden. Nie wieder Eier, dachte er sich, als er sein halbverdautes Frühstück vor sich am Boden sah.

Dann kamen die Schatten. Erst dachte Kristos, seine Augen würden ihm einen Streich spielen. Kein Wunder nach all der Anstrengung, dem wenigen Essen, welches nun noch dazu auf dem Boden vor ihm lag. Er versuchte die Täuschungen wegzublinzeln, aber, es verschwand nicht. Die Schatten, sie schienen dunkler zu werden, sie schienen sich zu bewegen. Das pulsierende Licht hatte mittlerweile seinen Zenit erreicht, strahlte in gleich bleibendem Rhythmus und gleich bleibender Intensität durch den Raum. Da sah er, wie sich einer der Schatten bewegte. Wie er von einem zu einem anderen Schatten lief. Dann auf der anderen Seite. Die Schatten begannen zu wandern, schlüpften zwischen den Säulen des Raumes hin und her. Und sie schienen immer dunkler zu werden. Als würden sie das Licht richtiggehend aufsaugen.

Plötzlich wusste Kristos: Er war nicht mehr alleine. Er spürte, wie er beobachtet wurde, von allen Seiten. Er erinnerte sich an seinen Dolch und hielt in schützend vor sich. Doch wo waren sie? Aus welcher Richtung würden sie kommen? Er hörte sie, hörte seltsame Stimmen. Er verstand sie nicht, aber es war eine Art Gesang. Dann ein Schrei. Hektisch begann sich Kristos zu drehen, blickte sich um, versuchte auszumachen wo die Geräusche herkamen, wo sie waren. Wieder ein Schrei, da noch einer. Dann wieder seltsamer Gesang.

Wieder und wieder drehte er sich im Kreise. Panik. Angst. Wo waren sie, wer war hier? Welche Zauberei? Was? Der Kopf schoss von einer Seite auf die andere, immer schneller drehte er sich, wie ein Kreisel. Da hatte sich wieder etwas bewegt, dort war wieder ein Schatten. Verzweiflung! Tod! „Gleich war es aus. Dies wird mein Ende. Oh ihr Götter, oh Penelope, oh Helena. Ich liebe euch!“
« Letzte Änderung: 07. Januar 2009, 17:14:28 von Surtur » Gespeichert

Surtur
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« Antworten #2 am: 02. März 2007, 13:30:40 »

Doch es war nicht sein Ende. Noch nicht. Ein gellender Schrei erklang aus Richtung des Buches. Fast sichtbar und in Zeitlupe breitete sich der Schall des Schreis vom Buche weg aus. Und als er die Wände des Kellers traf, zerbröckelten sie wie Glas.  Erstarrt blicikte Kristos auf das, was sich ihm eröffnete. Das In kleinen Splittern Bröckelte die Wand zu Boden und zerprang, während sichd ahitner dunkles Lavagestein zeigte. Brennend Hitze erfüllte den Raum, raubte Kristos fast den Atem. Als er auf die Scherben blickte, welche einst Mauerwerk und schutz bedeutet hatten, erkannte er, dass er nicht mehr in Chessenta war, ja nicht einmal mehr in seienr Welt. War es der Wahnsinn, der sich seiner bemächtigte? Zersprang nun sein Hirn? Gab es schlimmeres als den Tod? Das konnte nicht real sein, niemals! Verzweifelt blickte er sich um, nach etwas bekannten, nach etwas, was ihn glauben liese, nicht verrückt zu werden, nach etwas, dass ihn an die Wirklichkeit erinnerte, die Wirklichkeit, wie er sie kannte.

Doch er war in der Wirklichkeit. Doch es war nun nicht mehr seine, nicht mehr die Wirklichkeit der Menschen. Er hatte sie weit hinter sich gelassen, war eingetaucht in eine andere Ebene, eine Ebene des Wahnsinns, des Schmerzes, des Leidens. Die Schreie, sie gellten weiterhin in seinem Kopf, ja er spürte sie in seinem Leib!

Hier war er nun. In _dessen_ Reich. Hier war _er_ der Herr. _Er_. Dessen Namen er gerufen hatte. Hier, in dieser seltsamen Kammer, ohne Fenster ohne Türen. Die Säulen waren zersplittert, und mit ihr der letzte Rest der Welt, die er kannte. Obgleich der Boden des Raumes eben war, und ebenso die Decke, konnte Kristos keine Ecken erkennen und keine Kanten. Und dennoch wirkte der Raum nirgends rund. Nur erhellt durch den Schein des Buches. Und im Schein ebendieses, konnte er nun auch die Wesen erkennen, welche sich im Schatten versteckt hatten. Unförmigen Würmer gleich, große wie ein Mensch, ohne Gliedmaßen aber mit seltsamen Tentakeln und großen Augen, schleimig und widerwärtig zeigten sich im Schein des Buches. In der ferne hörte er die Schreie tausender Sellen, gequält bis ans Ende der Tage, gefoltert zu unzähligen Qualen bis in alle Ewigkeit, und noch länger.

Und dann erklang die Stimme. Sie schien lockend, lieblich, doch auf eine Art und weise, die einem die Gänsehaut aufsteigen lässt und das Blut in den Adern gefrieren. Unnatürlich und metallisch, doch voller Wollust, lockend, rufend, verlangend. Und doch widerwärtig, vernichtend, hassend, brechend und zermalmend zugleich. Wie tausend Nadelstiche, direkt ins Herz. Wie der Hauch des Todes, der Hauch der Vernichtung, nicht laut, nein, nur geflüstert. Sie schmerzte Kristos in seinen Gliedern, ins einem Körper und seinen Ohren. Er wollte sie fernhalten, hielt sich die Ohren zu, doch es half nichts, denn die Stimme war einzig und allein in seinem Kopf.

„Was willst du sterblicher“, sprach die die tiefe Stimme. Kristos war am Ende. Alles hätte er gegeben, alles, nur damit es endlich aufhört. Sein Kopf drohte zu zerspringen unter der Macht der Stimme. Würde jene nur etwas lauter werden, würde sein Kopf explodieren, sich sein Hirn an den Wänden des Raumes verteilen. Er wollte weinen, wollte sterben, sein Schicksal beenden, doch er war weder zu dem einen noch dem anderen in der Lage. Nicht einmal das Weinen blieb ihm noch. Die Hitze, die Verzweiflung, es hatte ihm die letzten Tropfen Flüssigkeit aus dem Körper gesaugt, der Schweiß rann ihm aus allen Poren, der Mund war trocken. So kauerte er sich zusammengekrümmt auf den Boden, und brachte nur ein Schluchzen hervor:

„Ich will doch nur meine Frau und mein Kind aus den Händen Luthcheqs befreien“

„Was ist es, was du dafür Opfern würdest? Wie weit würdest du gehen, um sie zu retten? Wie weit, kleiner Kristos, erbärmlicher Kristos, der du nicht in der Lage warst, deine Familie zu schützen. Sag, wie weit würdest du gehen? Würdest du mir deine Seele anbieten? Sprich, sterblicher! Würdest du das tun?“

Und wie er es tun würde. Nicht nur, um das alles hier zu beenden, sondern auch um der Verlockung nachzugeben. Sein Körper schien richtig gehend danach zu verlangen, nach jenem Wort. Es schien Kristos, als würde sich langsam sein Geist von seinem Körper trennen, als würde der letzte Rest seine Verstandes aus ihm fahren, sich ganz hingeben um an jenem Orte zu verweilen auf ewig. Plötzlich war alle Furcht, alle Zweifel vergessen. Vielleicht war das seine Bestimmung, sein Schicksal. Hier heute, an diesem Ort. Es war ihm vermutlich gar nicht mehr bestimmt, jemals wieder zurückzukehren.

Hier war nun sein Ende, ein für allemal.

Doch noch war ganz hinten in seinem Kopf eine kleine stimme. Fast nicht zu hören, doch sie war da. Es war der letzte Rest seiner Vernunft, das letzte bisschen, dass noch nicht vernichtet worden war von jenen Ereignissen. Doch sie war schwach, Kristos wollte auf sie hören, doch war er nicht mehr in der Lage. Er versuchte alle Kraft aufzubringen, Er spannte seine Muskeln an und schrie mit der letzten Kraft, die ihm noch innewohnte:

„Ja, ich gebe dir meine Seele, aber erst nach meinem Tode! Dann soll sie dir gehören!“

Dann brach er zusammen. Er spürte, wie die Stimme langsam leiser wurde, wie sie in der Entfernung verschwand.

„So sei es. Denn ich habe Zeit. Endlose Zeit“
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« Antworten #3 am: 02. März 2007, 14:29:56 »

Erfüllung des Paktes

Es war still geworden. Kristos lag wimmernd am Boden. Dies hatte ihm die letzte Kraft gekostet. Er wusste nicht, was nun geschehen würde, war am Boden zusammengekauert, hatte das Gesicht in den Händen vergraben und die Augen geschlossen. Er nahm gar nicht wahr, als sich seine Umgebung ein weiteres mal änderte.

Erst als er eine bekannte Stimme hörte, blickte er auf. Er blickt zu der Stimme und sah seine kleine Tochter. Sie lief an ihm vorbei, schnurstracks geradeaus, wo das Buch gewesen war. Dort sah er seine Frau sitzen. Sie wurde gerade losgebunden von ihren Fesseln. Kristos konnte nicht glauben, was er sah. Seine Frau, seine Tochter, beide befreit. Der Mann aus Luthcheq, er sprach zu Penelope, Kristos konnte seinen Ohren nicht trauen.

„Es tut mir leid, es war unser Fehler, wir mussten auf Nummer sicher gehen“

Konnte das sein? Hatte er es am Ende wirklich geschafft? Hatte der Teufel sein Versprechen eingelöst? Und nun war sie frei? Kristos erhob sich, er konnte es nicht glauben, es nicht fassen, geschweige denn in Worte fassen. Was er sah, es war einfach… unfassbar.

Niemals in seinem Leben war er so glücklich gewesen wie in diesem Moment. Wie sehr hatte er sich das gewünscht. Seine Frau und seine Tochter, beide am Leben, beide wohlauf. Wie er hier in den Stützpunkt gekommen war, war ihm schleierhaft, auch wunderte ihn nicht, dass keiner ihn bisher bemerkt hatte. Das Glück war einfach zu groß. Wie soll man so ein Glück nach solchen Erlebnissen beschreiben? Gibt es denn dafür Worte? Es vollkommen zu nennen, mag der einzige Ausdruck sein, welcher diese Situation beschreibt. Gäbe es einen noch besseren Begriff, einen Begriff, welcher einen noch seligeren Zustand beschreiben würde, hier an jener Stelle wäre dieser wohl angebracht.

Doch dann bemerkte er einen Schatten hinter sich. Er spürte, wie sich seine Nackenhaare aufstellten.. Er wollte etwas sagen, wollte schreien, doch noch bevor die Worte seinen Mund verließen war es geschehen: Wie auf Kommando fielen die Hände der Soldaten von ihren Armen. Wie durch feine Klingen von ihren Gliedern getrennt, Blut spritzte durch den Raum in hohen Fontänen. Entsetzen und Schmerz in den Augen jener, doch auch in den Augen seiner Frau und der Tochter.

Ihr Blick traf den seinen, sie sahen sich für Sekundenbruchteile in die Augen, als seine Frau plötzlich zusammensank. Ihr weißes Kleid, färbte sich an ihrer Brust blutrot. Kristos versuchte aufzuspringen, zu ihr zu laufen, die Augen aus Entsetzen geweitet, hastete zu seiner Tochter, versuchte sie an sich zu nehmen, sie mit seinem Körper zu beschützen. Doch es war zu spät.

Als er sie erreichte, sie in Händen hielt, ihr in die Augenblickte, war sie schon geschwächt. Eine tiefe Wunde in ihrer Brust war die Ursache. Ihre Augen wurden zusehends leerer, mit jeder Sekunde in welcher das Blut aus ihrem Körper floss.

Kann man die Verzweiflung nachempfinden, welche sich nun in Kristos breit machte? Wie konnte da sein? Seine Tochter, seine große Liebe. Nein! NEIN! Er wollte sie nicht aufgeben. Presste sie an sich:

„Du wirst es überleben, du wirst sehen, alles wird wieder gut, alles wird wieder gut. Du wirst es sehen.“

Mit schwacher Stimme, mit ihrer letzten Kraft sprach sie zu ihm: „Papa, ich liebe dich“

Kristos schrie laut auf. Alles war verloren. Er robbte mit dem Kind im Arm zu seiner Frau, versuchte sie an sich zu drücken, die Hände und sein Leib über und über überströmt mit dem Blut der beiden. Als wollte er ihre Seelen festhalten, als wollte er sie zwingen, wieder zum Leben zurückzukehren, drückte er die beiden an sich.

„Nein… nein… nein…“, wimmerte er immer wieder, wippte mit dem kopf vor und zurück, versuchte die beiden zu küssen, ihnen so wieder leben einzuhauchen. Doch es war sinnlos. Er spürte, wie ihre Leiber langsam kalt wurden.

Er schrie laut auf: „Warum! WARUM NUR! Ich habe doch alles getan um sie zu retten? WARUM tut ihr mir das an? WARUM?“

Da hörte er hinter sich eine metallene Stimme, doch diesmal nicht in seinem Kopf. Sie war anders, weiblich, und nicht so mächtig, wie jene andere. Lieblich und abstoßend zugleich, verführend, wollüstig, verlockend, aber ebenso kalt und niederträchtig sprach sie zu ihm, flüsterte sie in sein Ohr, hauchte sie ihm zu:

„Sie sind aus den Händen des Feindes befreit. Doch sie waren selber der Feind. Kinder Luthcheqs Ja, Kristos, sie hatten Cimbar verraten um sich zu retten. Dafür wollte man sie freilassen. Aber wir haben sie befreit. Wir haben sie so sehr befreit, das Luthcheq ihrer niemals mehr habhaft werden kann. Wir haben ihre Seelen aus ihrer Hülle aus Fleisch, Gedärmen und Kot befreit, nun sind sie wahrlich frei. So wie du es wolltest! So wie du es dir gewünscht hast“
« Letzte Änderung: 04. August 2008, 12:36:47 von Surtur » Gespeichert

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« Antworten #4 am: 04. März 2007, 23:45:56 »

Ein Bund

Er riß die Augen auf, schnappte nach Luft. Er versuchte sich umzublicken, seine eigene Schreie noch in den Ohren, Tränen in den Augen. Langsam stieg ihm der Geruch von Urin in die Nase. Wo war er? Was war wirklich? War es bloß ein Traum?

Er wischte sich über das Gesicht, seine Kleider klebten an seinem Körper. Er blickte hoch zum Mond über ihm. Er war da. Hier, hier in der Realität. Er war Kristos, er war 18 Jahre und der Sohn eines Rinderbauerns, hier nahe an Cimbar, der Hauptsstadt von Chessenta.

Und er war der Ehemann einer toten Frau und eines toten Kindes. Beide starben durch ihn. Nicht durch seine Hand, aber es fühlte sich genauso an. Hätte er das Ritual nicht durchgeführt, hätte er sie nicht retten wollen, alles wäre anders gekommen.

Dies war vor wenigen Wochen passiert. Wie er aus den Gewölben Luthcheqs entkommen war, wusste er nicht mehr. Auch nicht mehr viel davon, was danach passierte. Sein Vater hatte ihn wohl bestraft, er spürte die Striemen, wie sie langsam auf seinem Rücken verheilten. Doch er konnte sich nicht erinnern geschrieen zu haben. Dann war er wohl auf die Weide geschickt worden. Wie lange er hier alleine auf die Kühe aufpassen musste, wusste er nicht mehr. Aber es war gut so. Hier war er alleine, niemand, der fragen stellte, Zeit, nachzudenken. Und vor allem keine Mauern, keine Wände und kein Buch. Nur die Wiese, der Baum an den er sich lehnte und der Mond über ihm.

Langsam beruhigte sich seine Atmung wieder. Langsam bekam er das Gefühl von Geborgenheit, Sicherheit und Wirklichkeit. Es war nur ein Traum gewesen, wie jede Nacht. Nur ein Traum. Und bald würde ein neuer Tag kommen. Und mit dem neuen Tag die quälenden Fragen. Wie sollte er weitermachen? Oft dachte er daran, das Brotmesser zu nehmen und es sich durch den Leib zu jagen. Aber, er konnte es nicht. Er wusste, der Tod bedeutete für ihn keine Erlösung, nur noch schlimmere Qualen.

Aber Kristos war auch schon immer jemand, der sich gegen sein Schicksal stellte. Er wollte nicht akzeptieren, dass er keine Luthcheqerin heiraten durfte, er wollte nicht akzeptieren, dass er arm geboren war und arm sterben würde, er wollte nicht akzeptieren, dass er ewig Kühe hüten würde. Nein, nicht er. Er war anders, er würde nicht scheitern, wie sein Vater. Was blieb ihm denn auch anderes übrig? Jetzt, wo nicht einmal der Tod mehr Erlösung versprach, jetzt, wo nur noch ewige Pein und Folter auf ihn warten würde. Er musste handeln, er musste suchen, er musste endlich Taten folgen lassen. Denn die Hoffnung blieb ihm noch. Er hatte ein ganzes Menschenleben Zeit, einen Ausweg zu finden. Und dieses würde er nicht ungenutzt verschwenden, nicht wegwerfen, wie es so viele andere Taten, wie es sein Vater getan hatte, als man ihn aus der Armee geworfen hatte. Nein, nicht Kristos, er würde es nutzen, würde lernen, lernen so viel er konnte, Dinge erfahren, die kein anderer wusste, um dann am Ende eine Lösung zu finden.

Und wo, wenn nicht in Cimbar, der Hochburg der Künste und des Wissens, der Stadt der Philosophen, würde er finden, wonach er suchte? Doch er war arm, hatte kein Gold, sein Vater war nutzlos, und alles kostete Gold im Leben. Vor allem Wissen.

Vermutlich wäre alles vergebens gewesen, alle Hoffnung nur ein Funken Licht in der endlosen Qual und Düsternis des Seins. Doch, ab und an geschehen Dinge, welche unerklärlich scheinen. Angezogen wie die Motte vom Licht des Hasses und der Verzweiflung, von den finsteren Gedanken des jungen Kristos, kam ein neuer Mitspieler auf das Feld. Es war ein kleines Wesen, nicht das klügste, nicht das beeindruckendste, aber doch jenes Wesen, welches Kristos dabei helfen würde, zu erreichen, wonach er sich sehnte.

Versteckt unter der Gruppe Rinder, welche Kristos hüten musste, lauerte es ihm auf, näherte sich jenem und beobachtete ihn. Es spürte, wie es brannte, spürte die Verzweiflung, den Neid, den Hass, dunkle Gefühle und ergötzte sich daran. Wie wunderbar war jener doch, wie geschaffen für die Pläne des Imps.

Kristos überlegte gerade, wie er an ein wenig Gold gelangen konnte, Gold um sich davon Magierbücher zu kaufen, oder zumindest einen Zauber um einen Vertrauten zu ergattern. Da hörte er die Stimme des Wesens in seinem Kopf. Sie ähnelte jenen, welche er bereits gehört hatte. Auch sie schien übernatürlich, unwirklich, nicht von dieser Welt. Und doch war sie anders, sie war schwach.

Dennoch reagierte Kristos sofort. Er sprang hoch. Er wusste, dies hatte nichts gutes zu bedeuten. Dies war ein Wesen wie jene. Und sie hatten ihm damals alles genommen. Waren sie wiedergekommen um ihr Werk zu vollenden? Um ihn zu töten, damit seine Seele jetzt schon in die Höllen gelänge?

Er spürte, wie sein Herz schneller schlug, das Blut durch die Adern pumpte, wie sich Schweiß auf seiner Stirn bildete. Ohne zu zögern griff er zu dem Brotmesser, dass er an seinem Gürtel befestigt hatte. Was für eine lächerliche Waffe gegen die Teufel der neun Höllen.

„Wer bist du, was willst du?“, rief Kristos, mit dem Mut der Verzweiflung. Er würde nicht wieder zusammenbrechen wie damals. Das hatte er sich geschworen. Dennoch spürte er, wie ihm die Knie weich wurden, wie seine Hände begannen zu zittern. Doch noch war er der Herr über seinen Körper. Noch.

„Ich habe Vorschlag, jaja, Vorschlag… jaja, für dich! für dich. Ich werde dir helfen, helfen ganz viel und ganz gut, bei allem. Ja, bei allem. Allem, was du willst, was du dir wünschst. Helfen bei Macht, helfen bei Reichtum, helfen bei Wissen. Habe viel Wissen. Werde dir dienen, jaja, sein Diener vom jungen Chessenten. Reichtum, Macht, Wissen, all das wird das deine Sein. Klingt gut, oder nicht? Ja, tut es, klingt gut. Genau das, was du suchst!“

Kristos war verwirrt. Die Stimme war so anders. So kindlich, so naiv. Dies war keines der beiden Wesen, die damals zu ihm gesprochen hatten. Dieses Wesen schien dumm. Es konnte nicht einmal richtig reden! Kristos hätte fast losgelacht, so unwirklich schien ihm dieser Moment. Er stand da, bewaffnet mit einem Brotmesser, und vor ihm die Kuh aus der Hölle, nicht einmal fähig ganze Sätze zu sprechen. Doch Kristos besonn sich. Er hatte sie schon einmal falsch eingeschätzt, hatte einen Fehler gemacht, den größten seines Lebens. Den größten, welchen man überhaupt begehen konnte.

„Was willst du? Woher stammst du?“, fragt er, die Unsicherheit in seiner Stimme war nicht zu leugnen

„Stamme von überall her, wandere seit ewig hier oben herum. Hier ist so kalt, so furchtbar kalt. Und ich will zurück zur Hö… testen, du willst mich testen? Fast hätte ich mich verraten, aber das werde ich nicht, nein nein, ich bin klug, ich bin die Elite. Werde nicht verraten, werde nichts sagen. Biete dir an einen Pakt. Biete dir Reichtum, Macht, Einfluss und Wissen.  Und als Gegenleistung verlange ich nichts. Nicht wirklich etwas. Nein. Nichts, was du brauchen würdest. Nur deine Seele.“

Verwirrt blickte Kristos zu dem Wesen. Langsam senkte er da Messer. Was wurde hier gespielt? Seine Seele? Aber die gehörte ihm doch nicht mehr? War es möglich, dass er sie doch noch hatte? Oder war der Imp einfach nur zu dumm?

Jener schien zu bemerken, wie Kristos überlegte und nachdachte. Ein Erfolg, bisher war er immer verjagt worden. Doch er wollte doch so gerne zurück, zurück in die Hölle. Hier oben war es eisig kalt und es fröstelte ihn. Doch unten, in der Hölle, da war es anders, besser, das wohlige Gefühl der wärme und des Hasses. Der Furcht und des Entsetzens. Und Kristos Seele war seine Eintrittskarte.

„Du willst also meine Seele nach meinem Tod? Dafür willst du mir dienen?“, fragte Kristos, die Teuflische Kuh nickte mit dem Haupt. Kristos dachte eine Weile nach, ehe er sprach. Er dachte an ein letztes Erlebnis. Konnte er denn etwas verkaufen, was ihm gar nicht mehr gehörte? Was würde passieren, wenn der Imp den Betrug entdecken würde? Er musste sich die richtigen Worte überlegen.

„Gut, dann nehme ich es an: Du wirst mir dienen, wirst meinen Befehlen gehorchen, bis zum Tage meines Todes. An diesem werde ich dir meine Seele nicht verweigern.“

Der Imp willigte ein. Kristos schnitt sich mit dem Messer in den Finger und gemeinsam besiegelten sie den Packt mit Blut. Nun besaß Kristos nicht nur einen Diener, nein, er besaß nun zum ersten Mal richtige Hoffnung. Dieser Diener wusste mehr als er selber über die Höllen und die Dinge, welche er nicht verstand. Er würde Kristos helfen, so gut jener konnte. Und er schien dumm genug, Kristos nicht in den Rücken fallen zu können.
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« Antworten #5 am: 05. März 2007, 16:23:22 »

Der Imp

Das Leben mit dem Imp war anders, als Kristos es sich vorgestellt hatte. Das kleine rothäutige Wesen mit den 2 Ledernen Flügeln, die entfernt an die Flügel einer Feldermaus erinnerten und Geräusche von sich gaben, als würde jemand mit schweren Sohlen auf sandigem Wege laufen, war von seltsamer Intelligenz. Geboren in den 9 Höllen, und dort einem harten drill ausgesetzt, war es vielleicht dumm, aber gleichzeitig auch raffiniert. Und immer daran interessiert, Kristos befehle zu sabotieren. Anstatt die Befehle ordnungsgemäß umzusetzen versuchte der kleine Teufel bei jeder Gelegenheit, die sich ihm bot, seinen Herrn zu betrügen. Sagte Kristos, der rote Wicht solle jemanden beobachten, konnte Kristos sicher sein, dass dieser das Tat. Aber so, dass jener es ohne Probleme merkte. Sogar bei kleinen Befehlen, wie dem holen eines Gegenstandes, rebellierte das Teufelchen: Er holte zwar den Ball, übergab ihn aber nicht seinem Meister.

Er schien immer nach einer Lücke zu suchen, nach etwas, was man ausnutzen konnte, nach einem Fehler im Befehl. Er gehorchte stets nur den Wortlauten der Befehle, selten aber dem Sinn. Außer es war auch in seinem ureigensten Interesse.

So also arbeiteten die 9 Höllen. Deshalb war geschehen, was passiert war. Langsam begann Kristos zu verstehen. Sie würden ihm seine Wünsche stets erfüllen, doch nie ganz. Immer auf den genauen Wortlaut bedacht, fast wie Rechtsgelehrte und Sophisten. Wie sagten sie? Die objektive Wahrheit gab es nicht, nur den, der Recht zugesprochen bekam.

Aber nicht nur das. So klug der Imp auch war, Schlupflöcher zu finden, so stolz schien er auch auf seine Heimat zu sein. Nach anfänglichem Misstrauen und einigen Fehlschlägen, brachte er den Imp doch dazu, langsam mehr über jenen Ort und die Teufel dort preiszugeben. Unwillkürlich liefen jenem dabei Schauder über den Rücken, aber diese würde ertragen, so wie er auch die Träume ertrug.

Vor allem aber merkte Kristos eines: Wenn der Teufel so gerne in der Hölle wäre, dann war es Zeit, dass er selber härter durchgriff. Die Wunden eines Imps schlossen sich in Sekunden, sagt man. Und Kristos stoppte diesen Vorgang nur allzu gerne. Immer wieder befahl er dem Imp stillzuhalten und Folterte ihn, so gut er konnte. Jedes Mal, wenn der Imp nicht so gehorcht hatte, wie Kristos sich das gewünscht hatte, gab es eine Bestrafung.

Zu anfangs wusste Kristos nicht genau, wie er dies anstellen sollte, doch er trat vor das zappelnde Wesen, bewaffnet mit einem Messer und als er das höhnische Grinsen im Gesicht des Wesens erkannte, brach all der Wut, all der Hass, all die Frustration in ihm hervor. Als würden jene Wesen von damals vor ihm stehen, stach Kristos auf das wehrlose Wesen ein. Immer und immer wieder rammte er das spitze Messer in den Leib des Imps, bis das schwarze Blut in dicken Tropfen zu Boden lief. Der Imp schrie, Kristos spürte dessen Schmerzen in seinem Kopf. Es war wie ein Rausch, das Gefühl echter Rache, einem Wesen aus jener Welt so viel Leid zuzufügen, so viel Leid wie er ertragen musste. Welche Genugtuung, hier und heute an diesem Ort.

Doch nicht nur jene Wesen, auch sein Vater und all die anderen, welche sich ihm bisher in den Weg gestellt hatten, projizierte er in den Imp. Mit der Zeit freute er sich schon richtig auf jeden Fehler des Wesens, um der gequälten Seele mit sadistischem Grinsen Schmerzen zufügen zu können. Zum ersten Mal in seinem Leben hatte er etwas gefunden, was er wirklich kontrollieren konnte. Zum ersten Mal hatte er ein Opfer gefunden, bei welchem er nicht einmal ein schlechtes Gewissen haben musste. Der Imp diente als Zielscheibe all seines Hasses, all seiner Verzweiflung, all seiner Wünsche und Sehnsüchte.

Mit der Zeit lernte das Flattervieh langsam aber sicher, dass es sinnlos war, Kristos zu betrügen. Geifernd und wütend fluchte er dann vor sich hin, und beschimpfte Kristos, vor allem aber drohte er jenem, was der Imp alles nach Kristos Tod mit dessen Seele anstellen würde. Denn dann hätte er alle Ewigkeit dafür. Qualen, die weit über das hinausgehen, welche Kristos auch nur im Entferntesten imstande war zu vollbringen, würde er ihm zufügen. Die Haut beim lebenden Leib abziehen.

Doch noch war Kristos am Leben, noch war er bereit, sich seinem Schicksal entgegen zu stellen. Er war auf der Suche nach Wissen. Und schon bald eröffnete sich ihm die Gelegenheit, auf welche er so lange gewartet hatte.
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« Antworten #6 am: 07. März 2007, 13:12:14 »

Lehrjahre

Nun, werter Leser, wäre es mir ein leichtes, in genauen Details zu beschreiben, wie Kristos den Hof seines Vaters verließ, wie er nach Cimbar ging und dort in den heruntergekommensten Vierteln um sein Leben kämpfte. Wie er sich das Essen in den Mund stahl und versuchte, genug Gold zuverdienen, um endlich an die Akademie zu kommen.

Ich könnte erzählen, wie er Thetos fand, jenen älteren ausgemergelten Magier, welcher ihn nach vielen Strapazen und etlichen Fehlschlägen schließlich unter seine Fittiche nahm. Welcher an ihn glaubte und ihm ein zweiter Vater wurde. Ich könnte in den genauesten Details und schillerndsten Farben schildern, wie er eine Art der Liebe erfuhr, die er vorher nie gekannt hatte, wie sich Thetos immer mehr zu jenem Knaben Kristos hingezogen fühlte, wie sie sich zärtlich in den Armen lagen und intimste Momente teilten.

Ich könnte genau beschreiben, wie Kristos nach einer Weile jene geheimnisvolle Medea kennen lernte, welche ihn in seinen Bann zog, welche ihn nicht mehr vergessen ließ. Wie sie ihn mit sich in den Abgrund stürzte, ihm die ersten Drogen verkaufte und zusah, wie er fiel und fiel.

Von der Liebe Thetos, welche Kristos nicht im Stande war auf dieselbe Weise zu erwidern, sondern sich immer mehr der Versuchung der Medea hinzugeben und ihren Versprechungen von Heil und Vergebung. Immer mehr entfernte er sich von der Person, die ihn liebte, wie einen Freund, einen Bruder, einen Gefährten, einen Sohn. Und wie er sich immer mehr auf Medea einließ, jene, die ihn in Versuchung führte, die ihm Sünde um Sünde zeigte, welche ihn in einen Strudel aus Leidenschaft, Orgien, Schmerzen, Folterungen und verbotene Lehren führte, welche ihm die Augen öffnete für ein Leben abseits jeglicher Moral, abseits jeglichen Regeln.

Im Rausche der Drogen und der Leidenschaften, hemmungsloser Orgien, welche nicht enden wollten, die Schmerzenschreie und die Lustschreie der anderen im Ohr, betrunken vom Blut der Sklavinnen, verlor Kristos langsam jeden Bezug zu jeglichen Realitäten. Es rief nach ihm und er konnte den Verlockungen nicht widerstehen. Sie quälten und opferten, dienten dem Schmerz und den Sinnesfreuden, ja, nicht einmal die Seelen ihrer Opfer ließen sie in Ruhe. Nach deren Tod ergötzten sie sich noch an deren Qualen.

Dabei hatte all dies nur Unschuldig begonnen. Denn beginnt es nicht immer so? Jede Verführung? Mit einem Kuss, einem Blick, einem Getränk, einem Wort oder einem Lächeln? Und ehe man es richtig versteht, ehe man es begreift, suhlt man sich im Blute anderer, trinkt auf deren Verdammnis, feiert auf den Tag und auf die Süden.

Im Rausche unvorstellbarer Gräuel, unvorstellbarer Taten, zwischen Wirklichkeit und Unwirklichkeit, Magie und dem Leben danach, im Bannkreis von Tod und Leben und jenem kurzen Moment dazwischen, dem Erforschen der eigenen Lust und der Schmerzen, der Pein ihrer Opfer und dem Moment des Todes, vergaß und verlor er sich immer mehr.

Oh, lieber Leser, wie ich euch jene schreckenhafte Faszination beschreiben könnte, wie ich euch versuchen könnte, begreiflich zu machen, in welchem Sumpf er sich befand, wie er drohte den Verstand zu verlieren. Und wie Thetos spürte, was geschehen würde, wie er sich sorgen bereitete, wie Kristos seinen fragenden Blicken auswich, immer länger von zu Hause fernblieb, seine Studien vernachlässigte und Thetos alleine zu Hause zweifelte. Wie er sich Gedanken machte, was Kristos wohl machen würde, sich die schlimmsten Dinge vorstellte, und doch nicht den Hauch einer Ahnung von jenen Entsetzen hatte, welche Kristos gemeinsam unter der Führung seiner Muse, seiner Inspiration Medea imstande war zu tun?

Sie vergewaltigten, masturbierten auf die Exkremente ihrer Opfer, schmierten ihnen Körperflüssigkeiten ins Gesicht, tranken deren Blut. Sie zerschnitten Gliedmaßen, bohrten Nägel in deren Leiber, ergötzten sich an deren Wehrlosigkeit. Immer neue Plagen, immer neue Methoden das Fleisch zu bestrafen, bis es wimmernd zusammenbrach, ersonnen sie. Berauscht von Alchemistischen Mitteln, verloren sie nach und nach ihren verstand, ergötzten sich an den schrecklichen Schreien der Seelen, welche sie aus den Leibern ihrer Opfer zogen, welche sie aufbewahrten und zu ihrer Unterhaltung quälten. Stück für Stück und immer mehr wurde er Teil jener finsteren Sekte, jenes uralten Bundes, welcher sich vor ihm auftat und welcher ihn verschluckte.

Kristos verstand nichts von den Formeln, die sie in jener fremden Sprache wiederholten, von den Namen, die sie riefen, zu wem sie beteten. Seine Augen waren nur auf das Heil und wohl Medeas gerichtet, sein Verstand nur noch auf sie projiziert. Sein Heil aber noch viel mehr sein Untergang. Er wollte sie besitzen, wollte sie für sich haben, sie begreifen. Oh, was hätte er getan für eine Zärtlichkeit, einen Kuss, eine gemeinsame Zukunft. Doch das war ihm versagt. Sie behandelte ihn wie das Stück Fleisch der er war, wie das Opfer, welches langsam zu der Schlachtbank geführt wurde.

Doch all dies, Liebe Leser, will und kann ich nicht vor euch ausbreiten. Zwischen den sieben Himmeln und den neun Höllen gibt es Dinge, welche ungenannt bleiben müssen. Dinge, welche das Herz ersticken können, welche nicht gemacht wurden, um sie schriftlich niederzuschreiben. Vielleicht mag der Tag kommen, an welchem all jene Geschichten ausgebreitet werden mögen und die wahren Gräuel gezeigt werden müssen. Doch hier und heute mag nicht jener Tag sein. Hier und heute mag nur eines wichtig sein:

Kristos war gefangen in einer Welt aus Blut und Fleisch, aus Sünde, sein noch junges Herz brannte in hellen Flammen nach jener unerreichbaren Medea, welche für ihn Erlösung und Untergang zu gleich zu sein schien. Seine eigene Schuld, seine Zweifel und die Suche nach jenem verbotenen Wissen, welches die einzige Hoffnung für ihn war, trieben ihn immer weiter vorwärts. Er konnte nicht umkehren, nicht wegen seiner Seele, nicht wegen seinen Taten, nicht wegen Medea. Denn nur dort, nur bei jenen Menschen, nur im Angesicht jener Taten konnte er vergessen. Nur in den Armen Medeas fand er den Frieden, welchen er suchte.

Und zu Hause sorgte sich sein liebender Thetos um den armen Jungen, welcher dessen Herz in Liebe entflammt und für den er alles getan hätte, nur um ihn von ebenjener fernzuhalten.
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« Antworten #7 am: 08. März 2007, 10:50:07 »

Das Buch

Nun befinden wir uns an jenem Punkt. Kurz vor jenem Ereignis, welches aufs neue alles verändern wird, alles in Frage stellen wird, was wir wussten. Oder besser gesagt: Wovon wir glaubten, dass wir es wissen.

Hier sitzt er nun, der Held unserer Geschichte, eingehüllt in eine Wolke aus Rauch. Süßlich und doch scharf brennt es ihm in den Innenwänden der Nasenflügel. Die Lieder halb gesenkt hängt er da, auf dem Faulteil und beobachtet die Farben, welche vor seinen Augen zu flimmern beginnen. Bleierne und schwere Müdigkeit umfängt ihn, wie durch einen Schleier hört er das Klagen und das Schreien der Frau hindurch.

Medea war bei ihr im Zimmer. Kristos wusste, was dies bedeutete. Er spürte, wie ihn dieser Gedanke lustvoll ergriff. Er lächelte bei dem Gedanken an die Sündigen Genüsse, welche jene bereit war, mit der Frau zu teilen.

Die Peitsche auf der nackten Haut, wieder ein Schrei. Wie lange würde es noch dauern, bis sie ihr das Fleisch vom lebenden Leib schneiden würde? Leben? Was war das überhaupt? Jene Illusion, der er so lange nachgehangen hatte. Wie lange war das her? Jahre, Jahrhunderte? Jahrtausende? Hier, an jenem Ort, in jenen Gemächern schien Raum und Zeit keine Rolle zu spielen. Warum war er überhaupt hier? Wie hatte dies alles begonnen? Er wusste es nicht mehr zu sagen.

Er nahm noch einen tiefen Zug von der Pfeife, spürte, wie die Substanzen in sein Hirn wanderten und wie jede einzelne seiner Zellen brannte.

Er schloss die Augen, genoss das dahin gleiten in diese andere Welt, in der er so oft zu Besuch gewesen war, spürte das Gift in seinen Adern. Tief atmete er aus, öffnete weder die Leider, und sah, wie der Rauch sich langsam von ihm fortbewegte. Fast wie ein eigenes Lebewesen. Wieder dieses Wort. Leben.

Leben und Tod, ja sogar der Untod. Hier hatte er alles kennen gelernt. Hatte gesehen, wie Totes Fleisch wieder zum Leben erwachte, ja, er hatte selber Seelen unter gezwungen wieder in das alte Faulige Fleisch zu fahren, nur zur Freude und zum Gaudium der Anwesenden. Die höchste Bestrafung, der größte Genuss. Qualen der Seele zur Belustigen, zum Amüsement und der Geilheit der Lebenden. Sodomie, Nekrophilie, Pädophilie. Hier in jenen Gemächern, tief unter Cimbar, hier war alles erlaubt.

Doch dann sah er es. Es war anders. Wie war es hier hergekommen? Es war schwarz und schien uralt. Vor ihm auf den Tisch. War es Einbildung? Es fiel ihm oft schwer, Wirklichkeit und Täuschung zu durchschauen. Ein Buch, gebunden in schwarzes Leder. Es schien, sich zu bewegen. Es musste das Kraut sein, welches er rauchte. Ja bestimmt. Die seltsamsten Dinge meint man zu sehen, wenn man sich jenem hingibt.

Aber es war da. Er beugte sich nach vorne, berührte es. Es war kalt. Woher kam es? Kristos blickte sich um. Es war sicher der Imp gewesen. Er hatte es hierher getan. Wo war er hin? Kristos hatte ihn schon lange nicht mehr gesehen. Wann war er das letzte Mal da gewesen? Er wusste es nicht mehr, er hatte ihn nie mehr gebraucht. Hier, an jenem Ort, an dem alle Wünsche in Erfüllung gehen.

Langsam kamen Gedankenfetzen, an die Zeit davor, wie der Imp ihn mit Medea zusammengebracht hatte. „Sie wird uns helfen, Meister, jaja, das wird sie, wird dir Dinge zeigen, jaja, das wird sie machen, und du wirst sie retten können, ja, retten, wen immer du retten willst.“

Ja, retten. Seien eigene Seele wollte er retten. Retten vor den Qualen. Bleiben an jenem Ort hier, bleiben für immer. Hier an der grenze zum Wahnsinn. Hier, wo das vergessen hinter jeder Tür wartete, namenlos und geduldig.

Seine Hand schlug die Seiten des Buches auf. Es fühlte sich seltsam an, als würde die Kälte durch seine Finger in seinen Körper kriechen. War dies jetzt das Ende? Getötet von der Magie des Buches? Dachte sich der benebelte Kristos und schmunzelte, ehe er noch einen Zug der Pfeife nahm.

Er spürte, wie er schläfriger wurde, die Lieder senkten sich wieder. Doch gewann die Neugierde. Er nahm das Buch zu sich, lehnte sich zurück und blätterte zwischen den Seiten. Es war ein Werk, geschrieben von Nekromanten, für Nekromanten. Es war uralt, die Seiten vergilbt und schienen zerbrechlich. Doch das waren sie nicht. Mächtige Magie konservierte sie über die Jahre hinweg. Wie lange mochte dieses Buch wohl schon existieren?

Er blätterte durch die Seiten, ohne wirklich etwas wahrzunehmen. Das Kraut zeigte seine Wirkung. Dann fand er etwas, was ihn seine Müdigkeit vergessen ließ. Konnte dies sein? War dies der Ausweg?

Ein Mittel, seine Seele zu vernichten? War es nicht das, was der Teufel von ihm wollte? Seine Seele? Und hier konnte er ihm das nehmen, wonach es jenem verlangte? War dies wirklich möglich?

Eine innere Energie, ein Verlangen durchströmte seinen Körper, wie er es schon lange nicht mehr gekannt hatte, wie er es nicht mehr gekannt hatte, seit er diese Welt betreten hatte, diese Welt, in welcher jedes verlangen schon gestillt wurde, noch ehe es entstanden war.

Hoffnung, sie war es, die er spürte. Hoffnung am Ende doch zu obsiegen. Kristos blickte sich um. Er konnte niemanden sehen. Schnell versteckte er das Buch unter seiner Toga. Er musste es lesen, wenn er wieder klar bei Verstand war. Morgen. Wenn dass Kraut eine Wirkung verloren hatte. Nicht jetzt. Die bleierne Schwere umfing ihn. Die Lieder fielen ihm zu. Jetzt war es erst Zeit zu vergessen. Ja. Jetzt war es Zeit zu vergessen
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« Antworten #8 am: 10. März 2007, 17:00:51 »

Die Flucht

Er riss seine Augen auf, seine Kleidung klebte am Körper. Schweißperlen auf der Stirn verrieten die unruhigen Träume. Träume von schreienden Seelen, der Geruch von verbranntem Fleisch stieg ihm in die Nase. Er hatte geschlafen, doch es war kein Erholsamer Schlaf gewesen. Er war getrieben worden, von unbekannten Mächten, hatte Dinge gesehen, welche er wieder vergessen hatte, namenlose Teufel und Dämonen verfolgten ihn in seinem Inneren. Der erholsame Traumlose Schlaf ward ihm versagt.

Instinktiv griff er nach seiner Brust. Und dort spürte er den dicken Ledereinband. Es war noch da. Noch hier bei ihm. Jetzt hieß es verschwinden. Weg aus diesen Räumen, den Weg hinauf über die Kanäle, durch den Gestank an die Oberfläche. Und dort nach Hause. Nach Hause zu Thetos.

Thetos. Würde jener nach ihm gesucht haben? Wie lange hatte er sich nicht mehr blicken lassen, sich hier unten verkrochen um zu Vergessen? Doch die Zeit des Vergessens war nun vorbei. Er musste auf, sein altes Leben ablegen, die Drogen und die Genüsse hinter sich lassen. Dieses Buch war Hoffnung, dieses Buch bedeutete vielleicht sein Seelenheil?

Langsam erhob er sich, zog die Schuhe aus, um nicht gehört zu werden. Er huschte aus dem Raum, vorbei an den halbgeöffneten Zimmer der Sklaven. Er hörte, wie sie gepeitscht wurden und gefoltert, er sah im schein einer flackernden Kerze, wie sie sich aufschnitten und das Blut mit jener weißen Substanz vermischten, welche sie alle abtauchen ließ und vergessen.

Er öffnete die Tür, hinein in den kalten unwirklichen Korridor. Es war, als beträte er eine andere Welt, eine Welt ohne Ornamente, ohne Teppiche am Boden und den Wänden, eine Welt ohne Freuden, Gemälde und Kunst, aber auch eine Welt ohne Schmerzen und Pein. Eine Welt ohne den Rausch und Ekstase. Als er auf den gemauerten schmucklosen Korridor blickte, in welchem sich zwischen den Steinen des Mauerwerks in den Jahren das Moos festgesetzt hatte, und durch welchem kalte Luft durch ihn hindurch drang, spürte er ein für allemal, dass er wieder auf dem Weg war. Auf dem Weg in die Wirkliche Welt, auf dem Weg in die Vernunft und Realität.

Er huschte die Stiege hinauf, öffnete die alte Türe, warf sie knarrend zurück und roch den beißenden Geruch der Kloaken. Er spürte, wie sein Magen rebellierte, doch musste er weiter. Immer wieder blickte er zurück, zuckte kurz zusammen, als die Alte Metalltüre ins Schloss fiel. Er band sich ein Tuch über Nase und Mund und begann nach dem nächsten Ausgang zu suchen.

Immer wieder blickte er sich um, als würde ihm jemand folgen, als wäre jemand hinter ihm. Doch so oft er sich umdrehte, er sah niemanden. Und doch fühlte er sich beobachtet. Waren es die Schatten, die ihm folgten? Oder war es nur das weiße Pulver, welches ihm noch immer den Verstand vernebelte.

Er war außer Atem, als er die letzten hundert Meter zu Thetos Haus hinunterlief. Tiefschwarz hing die Nacht über den Häusern und der Wind blies ihm kalt durch die Knochen. Es war gerade Winter geworden. War er so lange dort unten gewesen? Welchen Tag schrieben sie heute? Welches Jahr?

Als er angekommen war, und die Türe öffnete, war niemand zu sehen. Was hatte er erwartet. Es war tiefste Nacht. Leise schlich er sich in sein altes Zimmer. Er zog die Decke über den Kopf. Zum ersten Mal seit langem fühlte er sich sicher. Langsam streichelte er den ledernen Einband unter seiner Kleidung, als er erschöpft die Augen zumachte, um in einen traumlosen Schlaf zu flüchten und zum ersten Mal seit Wochen wieder richtige Erholung zu finden.
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« Antworten #9 am: 11. März 2007, 12:04:53 »

Vorbereitungen

Er entzündete die erste Kerze.

Noch 4 weitere Kerzen würde er entzünden müssen, ehe er beginnen konnte. Er blickte in den Bannkreis aus Tierblut am Boden des Raumes und zu dem kleinen Topf in der Mitte desselben. Es war alles so, wie es im Buch beschrieben worden war.

Wie lange hatte er auf jenen Moment hingearbeitet. Und gleich würde er endlich frei sein. Frei von allen Sorgen, frei von allen Nöten und Gedanken. Endlich vergessen. Kurz wanderten seine Gedanken an Thetos. Dieser war der einzige, welcher ihn vermissen würde. Aber was machte dies schon. Kristos würde sich nicht mehr daran erinnern.

Der gute alte Thetos. Nicht einmal hatte er nachgefragt in dem vergangenen halben Jahr, seit er wieder hier war. Kristos hatte die Freude in seinen Augen gesehen, als sie sich nach der langen Zeit der Trennung beim Mahl nebeneinander lagen. Doch er hatte nicht einmal gefragt, was geschehen war.

Alt war er geworden. Die letzten Reste des dunklen Haares waren einem grau gewichen. Und magerer war er geworden, der arme. Ob ihn der Kummer aufgefressen hatte? Zumindest sprach er nie darüber. Vermutlich hielt ihn die unbändige Freude davon ab, vermutlich wollte er sie nicht trüben, seine Laune nicht zerstören, durch düstere Worte und Beschuldigungen. Guter Thetos. Womit hatte Kristos so einen Freund verdient.

Gleich am nächsten Tag nach seiner Ankunft hatte Kristos begonnen, sich vorzubereiten. Er las die alten Bücher, welche zu Hauf in seinem Zimmer herumstanden. Er hatte schon einiges gelernt gehabt, damals, vor Medea. Doch das meiste war in einem Nebel verschwunden, einem süßlich Duftenden. Und erst das weiße Pulver, welches ihn abtauchen ließ.

Er schüttelte den Kopf, versuchte die Gedanken zu verbannen. Eine weitere Kerze zündete er an. Dies war nun der Lohn für seien arbeit. Lange hatte er gelernt, geforscht, gelesen. Und der Imp war ihm eine gute Hilfe gewesen. Er hatte ihm die Zutaten gebracht, die Bücher, die er brauchte, das Wissen, um die Formeln in dem ledernen Buch zu verstehen.

2 Wochen hatte er gebraucht, nur um den Namen lesen zu können. Necronomicos. Kristos schauderte. Seine Nackenhaare stellten sich auf. Er musste an die Texte denken, welche davon handelten. Die Gesänge aus uralter Zeit, aus Zeiten, da die Menschheit nichts weiter war als ein Gedanke im Kopf eines anderen. Uralte Völker hatten diese Welt bewohnt, mit Mächten, ungleich gewaltiger als es heute vorstellbar war. Sie hatten die Magie erschaffen. Und jenes Buch.

Eine dunkle und ungeheure Faszination ging davon aus. Untergang und Hoffnung in einem. Zerstörung und Schöpfung. Tod und Leben. Untod. Aber er war zu allem bereit. Und hier und heute waren der Zeitpunkt und der Ort.

Er zündete die restlichen Kerzen an und kniete sich in den Bannkreis. Das Buch lag offen vor ihm. Heute war es so weit. Heute würde er dem allen ein Ende setzen. Seinem Leben und dem Leben nach dem Tod. Er würde seien Seele vernichten und sich selber.

Sein Blick wanderte zu dem Juwelenbesetzten Dolch vor sich. Kurz lief ihm ein Schauer über seinen Rücken. Er blickte zu dem Topf. Langsam öffnete er den Deckel. Alles in seinem Körper schrie, wollte ihn davon abhalten, sein Wille zum Leben rebellierte, seien Haare stellten sich auf, kalter Schweiß bildete sich auf seiner Stirn und seine Hände begannen zu zittern.

Doch Kristos war bereit. Bereit, wie man nur sein konnte. Immer weiter näherte sich seine Hand dem Topf, immer lauter schrie das Leben in ihm.

Dann plötzlich brannte es in seinem Kopf. Wie tausende von Nadelstichen, direkt in die Schläfen. Und er hörte sie. Die Stimme.

„Was denkst du, tust du hier, erbärmlicher Kristos?“

Kristos Kopf fuhr herum.

Sie war da. Stand vor ihm. Die Verführung in Person. Doch sie war verändert, anders. Ihre Haut war bleicher, ihre Lippen von tiefstem Rot. Lederne Flügel prangten auf ihrem Rücken, bekleidet mit einem Hauch aus nichts. Die Konturen ihrer Brüste und ihres Körper zeichneten sich durch den dünnen Stoff.

Blutrote Augen musterten Kristos, als sie ansetzte zu einem schrillen Lachen. Hämisch blitzten die spitzen, elfenbeinweißen Zähne aus ihrem Blutroten Mund. Doch kein Laut verließ ihre Lippen. Stattdessen traf Kristos ein Donnern in seinem Kopf, ein Kreischen, welches brannte wie Säure in den Windungen seines Gehirns.

Sie war unwirklich, wie ein Leibhaftig gewordener Traum der Sünde. Das Böse in der gestalt eines Engels. Verlockend und Zerstörend gleichermaßen.

Und er erkannte sie. Sie war es, ohne Zweifel. Sie. Und doch war sie es nicht.

Medea.
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« Antworten #10 am: 11. März 2007, 16:31:44 »

Der Anfang vom Ende

Er rieb sich die Augen, konnte keinen klaren Gedanken fassen. War dies echt? Oder war er wieder einmal kurz davor, seinen Verstand zu verlieren?

„Wie, wie kann das sein? Medea? Bist du das?“

Wieder schallte ihr Lachen in seinem Kopf. Doch dann wurde die Stimme zuckersüß. So süß, wie eine Stimme nur sein konnte. Voller Lockung, voller Schmeichelei. Wie Balsam auf Kristos geschundenen Geist. Und doch hatte sie etwas bizarres, etwas unwirkliches, wie etwas Drohendes im Hintergrund, wie ein Haifisch, welcher unter dem Wasser lauert, unsichtbar, wartend, lauernd, jederzeit bereit nach oben schießen und zu töten, zu zerreißen, zu Fressen.

„Du stellst wieder die falschen Fragen Kristos. Wie seit jeher. Du fragst immer nur nach dem wie, aber nie nach dem Warum. Wann wirst du einsehen, dass das warum wichtiger ist als alles wie? Warum Kristos. Warum bin ich hier?
Ich will es dir sagen. Ich bin hier, weil ich dich hindern will bei deinem Vorhaben. Ich will verhindern, dass du tust, was du vorhast.“

Wieder erschallte ihr Lachen in seinem Kopf. Oh, Thetos, wo warst du nur? Wo warst du nur? Wie konnte das alles sein? Er wollte doch nur endlich sein Leben und seien Existenz auslöschen? Gab es denn gar keine Hoffnung? Gar keine Möglichkeit, seinem Gefängnis zu entkommen? Keine Erlösung für ihn?

Wimmernd brach er zusammen. Er wollte ihr nicht glauben, er konnte, nein, er durfte ihr nicht glauben. Doch wie sollte er ihrem lockenden ruf widerstehen? Er spürte, wie es ihn verzerrte, sah, wie ihre Hände über ihren Körper glitten, wie sie Lustvoll ihre Lippen leckte und stöhnen ihre Augen verdrehte. Er spürte seinen Puls schneller werden, verspürte das verlangen, ihre Lippen zu kosten, ihre süßen roten Sinnlichen Lippen, spürte, wie das verlangen überhand zu nehmen drohte.

Doch er konnte nicht, durfte nicht. Nein, er hatte es sich versprochen, sich geschworen. Er würde nicht aufgeben. Nicht jetzt.

„Du hast gleich keine Macht mehr über mich. Gleich wird es vorbei sein!“, schrie er ihr mit der Kraft des Trotzes und dem Hass in seinem Herzen entgegen. Wilde Entschlossenheit keimte in ihm. Er würde tun, wozu er hier war, würde es vollziehen, ein für allemal.

Wieder schallte ihm jenes schmerzhafte Lachen entgegen, wieder drohte sein Kopf zu platzen, schmerzten seine Hirnwindungen.

„Du vergisst das warum, Kristos. Warum habe ich dir das Buch gegeben? Und warum willst du nicht, dass du tust, was du vorhast? Warum sind all deine Bemühungen zum Scheitern verurteilt?

Ich bin hier um dir das zu sagen, sterblicher, armer, erbärmlicher Kristos.

Wusstest du, dass deine Tochter und deine Frau ganz einsam waren? Einsam im Leben nach ihrem Tod. Einsam und verwirrt. Oh, wie sie dich geliebt haben. Sie hätten alles gegeben. Für dich. Ihre Liebe war unerschöpflich. Und so gaben sie das kostbarste, das sie hatten. Im Austausch gegen deine Seele, Kristos. Wusstest du das? Ja, es ist wahr. Deine Seele gehörte immer schon dir. Dafür opferten sie sich, dafür leiden sie. Dafür, dass du nicht ihr Schicksal teilen musst.“

Sie deutet mit der Hand neben sich. Die Luft begann zu flimmern und ein Kreis aus Feuer erschien. Und in dem Kreis erschienen Bilder. Gestank von Schwefel erfüllte den Raum. Und eine unheimliche Präsenz, eine Präsenz, zehnmal intensiver und schrecklicher als das Wesen, welches sich Medea nannte, erfüllte Kristos. Er wollte aufstehen, wollte laufen, richtete sich auf, bevor er endgültig den Verstand verlor. Doch als er die Bilder erkannte, versagten ihm die Füße.

Einfach so knickten sie unter ihm weg, und Kristos landete am Boden. Tränen schossen ihm in die Augen, tiefste Verzweiflung zerriss sein Herz.

Da waren sie, die Tochter und die Mutter, nackt gefesselt mit Stacheldraht an Kreuze, blut rann ihn ihnen aus den zahlreichen Wunden, schreie von Schmerz erklangen an sein Ohr. Geifernde ekelhafte Gestalten, schleimige Tentakel reckten sich nach ihnen aus, Teufel tanzten und johlten um sie herum, Geifer rann ihnen grün aus den Mäulern, bewaffnet mit rostigen Scheren und anderen Folterinstrumenten. Sie machten sich daran ihnen die Glieder vom Leib zu schneiden, Stücke Fleisch vom Körper zu lösen und sie Stück für Stück aufzutrennen. Unsagbare Qualen und Schmerzen mussten die beiden erleiden. In alle Ewigkeit. Unfähig zu fliehen oder zu sterben. Immer wieder von vorne. Ohne Hoffnung, ohne Rettung

„Und weißt du, was das schönste ist: Kaum hattest du deine Seele wieder, hast du sie schon dem nächstbesten Imp verkauft. Dachtest du, dass es Zufall war, dass er dich fand? Dachtest du, es wäre Zufall, dass du mich getroffen hast? Dachtest du, es war Zufall, dass du das Buch fandest? Nein, das war es nicht.

Der Imp fand dich, weil er dich finden sollte. Er fand mich, weil du mich finden musstest. Und ich gab dir das Buch, weil ich neugierig war, welchen Weg du einschlagen würdest. Und wie viel dir deine Seele wert wäre. Ja, Kristos. Wie weit würdest du gehen?

Würdest du so weit gehen, Thetos zu töten, den einzigen, der jemals gut zu dir war, außer deiner Frau und Tochter, um ebenjene zu retten?“

Damit hielt sie ihm den Dolch hin.
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« Antworten #11 am: 12. März 2007, 19:42:27 »

Endspiel

Kristos war verwirrt, Kristos war gebrochen.

Wie ein Zombie, ohne auch nur einen klaren Gedanken fassen zu können, stapfte er durch das Haus. Thetos Zimmer lag auf der anderen Seite der Villa. Er wollte nicht und doch konnte er nicht anders. Es musste sein. Er hatte doch keine Wahl. Tränen liefen ihm über die Wange. Egal was er getan hatte, egal was er tun würde, es wäre Zwecklos. Alles umsonst, alle vernichtet, die er Liebte, verflucht in alle Ewigkeit.

Leise öffnete er die Türe, trat an das Bett des geliebten Menschen. Er erhob den Dolch, seien Hände zitterten, ein Schluchzen entkam seiner Kehle.

„Ich habe auf dich gewartet, du kommst spät“

Kristos fuhr herum. Er blickte zu dem Stuhl neben der Türe. Langsam zündete Thetos die Kerze neben sich an.

„Ich wusste du würdest kommen. Ich wusste, sie würde dich schicken. Vom ersten Tage an wusste ich es. Wo ist sie?“

Kristos verstand die Welt nicht mehr. Es schien, als würde er sein Innerstes verlassen, als würden seine Augen nur kleine Löcher sein in einer großen Schwarzen Wand, und er nur ein weit entfernter Zuschauer. Es hatte etwas Unwirkliches. Und er spürte, wie sein Magen zu rebellieren begann.

„Hier bin ich, alter Mann“, sprach Medea, als sie plötzlich aus dem nichts auftauchte.
„Du hast dich gut vorbereitet, wie es scheint. Sind wir am Ende so leicht zu durchschauen?“, ihr teuflisches Lachen, metallisch klirrend, schallte an den Wänden wieder.

„Sagen wir berechenbar, ja. Und ich wette, du willst meine Seele, Teufelsbrut?“
„Natürlich will ich sie. Und Kristos wird sie mir holen“
„Meine Seele gehört mir, und das weißt du. Er kann sie nicht holen. Ich kann sie ihm nur freiwillig geben.“

Kristos Mund stand weit offen. Er wusste nicht was er denken sollte. Wer waren diese beiden? Das war nicht die Medea, die er kannte. Und auch nicht der Thetos. Er war anders. Eine unglaubliche Macht schien von ihm auszugehen. Fast greifbar und überwältigend. Was war hier los? Träumte er?

Thetos blickte zu Kristos. Seine Stimme war gebrechlich und mitfühlend. Er war von einer Verklärtheit durchdrungen, wie sie Kristos noch nie gesehen hatte. Ganz klar war sein altes faltiges Gesicht im Schein der Kerze. Und ebenso klar und voller Liebe seine Worte: „und das werde ich tun. Kristos. Ich bin alt und habe viel gesehen. Ich werde ihr meine Seele geben. Ich wusste, auf was ich mich einließ, schon ab dem Moment, da ich dich das erste Mal sah. Ich spürte es, ich fühlte es. So wie ich es jetzt spüre und fühle.“

Kristos wollte etwas sagen, wollte ihn unterbrechen, doch er konnte nicht. Dass der alte Mann alles gewusst hatte, dass jener es kommen gesehen hatte. All die Zeit hatte er sich bemüht sich nichts anmerken zu lassen. Und nun dies? Wie konnte dies alles sein?

„Ich nahm dich auf, um dich davor zu bewahren. Doch ich war nicht in der Lage dazu. Zumindest bis heute nicht. Aber durch jenes Opfer werde ich dich befreien. Ich werde den Zauber brechen, welcher meine Seele nach meinem Tod vernichtet hätte, mich so vor ihnen geschützt hat, mein ganzes Leben, im Gegenzug für dein Wohlergehen“

Thetos wandte sich an Medea: „Was hast du ihm versprochen?“

„Nichts. Noch nichts. Er soll mir nur deine Seele bringen und dann werden wir seine Frau und seine Tochter verschonen.“

Wie unwirklich Medeas Stimme klang, wie unecht das geheuchelte Gefühl ihrer Worte. Langsam kam er wieder zu sich, langsam setzte sein Verstand wieder ein. Was war hier los. Langsam bildeten sich Laute in Kristos Hals. Er stammelte:

„Ich… ich … das schwarze Buch….ich wollte meine Seele vernichten, damit sie nicht …. Und dann… ich sah meine Tochter. Ich sah, wie sie ihr Nägel in den Leib schlugen, wie sie schrie, wie sie lachten und ihr das Fleisch vom Körper zogen. Thetos… ich… wie soll ich nur… wie…“

Kristos brach auf den Boden zusammen. Laut brüllte er, Tränen rannen in Sturzbächen seine Wangen hinunter. Alles verloren. Alles weg. Für immer. Sein Herz, es schien, als würde es zerrissen werden.  Oh, wie er nur vergessen wollte, alles vergessen.

Thetos erhob sich von seinem Platz. Die Luft um ihn schien zu knistern. Ein unheimliches grünes Glühen erhellte den Raum. Seine Stimme klang Eisern, voller Selbstvertrauen. Nicht laut, aber so voller Kraft, dass Kristos unweigerlich zuckte. Thetos fixierte die Erynnie mit einem Blick, den Kristos nie für möglich gehalten hätte.

„Ich werde dir meine Seele geben, Medea. Dafür werden du und die deinen, ihr alle werdet ihn ziehen lassen. Ihr werdet ihn nicht mehr verführen, ihr werdet ihn nicht töten oder angreifen. Ihr werdet ihn sein Leben leben lassen bis zu dem Zeitpunkt seines Todes. Und jenen werdet ihr nicht beschleunigen. Und bis zu dem Tage, an dem er die Hölle selbst betritt, werdet ihr sie verschonen, seine Tochter und seien Frau… und mich!

Kannst du damit Leben, Ausgeburt der Höllen?“

Medea verengte ihre Augen, sie leckte sich über die Lippe. Ihre Stirn wirkte nachdenklich:

„Gut. Wir werden ihn zeichnen, im Namen des dunklen Fürsten von Baator, dem Herrn des Nessus, Asmodeus, dem Großen. Wir werden ihn nicht weiter verführen oder verderben. Und ihr drei werdet in Baator auf ihn warten, ihr werdet bleiben, aber wir werden euch drei nicht weiter foltern und quälen. Bis zum Tage der Ankunft Kristos’ Seele.

Aber: Dafür wird er vergessen. Das Necronomicos wird ihm genommen werden. Er wird unfähig sein, Zauber der Nekromantie zu sprechen oder zu benutzen. Auf immerdar.“

Thetos wusste was das bedeutete: Kristos würde seine Seele nicht vernichten können. Er würde keinen anderen Menschen Seelen entreißen können. Und vor allem würde er sich niemals unsterblich machen können. Seine Seele würde ins Jenseits gelangen. In die Hände der Teufel. Nicht heute, nicht morgen. Aber irgendwann. Eiskalt lief es ihm den Nacken hinunter.

Thetos wandte sich zu Kristos: „Du hast ein Leben lang Zeit, eine Lösung zu finden. Gehe zu Efreios, einen Schüler des Epikuros. Lerne von ihm. Finde einen Weg uns und dich zu retten. Vielleicht findest du einen Weg. Ansonsten: sei dir wenigstens gewiss, dass wir in alle Ewigkeit zusammen sein werden. Besser in der Hölle als nirgends.“

Kristos nickte, Medea lachte: „Solange die Götter existieren, von welchen wir unsere Macht erlangen, solange sie uns die Seelen schicken, um sie zu bestrafen, solange die Menschen dem freien Willen unterworfen sind, solange werden wir existieren, Kristos. Und auf dich warten.“

Kristos Miene wurde ernst. Er versuchte die Verzweiflung zu vertreiben und blickte in Thetos Gesicht. Er spürte die Liebe, welche der alte Mann für ihn empfand. Es gab noch gutes. Und es gab Hoffnung. Ein Menschenleben hatte er Zeit. Ein ganzes Menschenleben.

Thetos nahm den Dolch. Noch einmal umarmte er Kristos, küsste ihn zärtlich auf den Mund. Dann öffnete er sich die Venen. Es dauerte nicht lange, bis der Odem des Lebens aus ihm wich. Medea lachte schallend. Sie schloss die Augen, als würde sie sich konzentrieren. Plötzlich begann sich etwas zu regen, in der Leblosen Hülle von Thetos. Kristos schauderte, als er sah, wie sich die Seele des Mannes von seinem Körper löste. Durchsichtig und weißlich, doch noch immer die liebenden Gesichtzüge im Antlitz. Die Augen waren leer und wirkten leblos. Tot. Es fröstelte Kristos.

Dann wandte sich Medeas blick Kristos zu. Ihre Hand zog einen Kreis, die Luft begann zu flimmern. Es erklang ein seltsames knistern. Er blickte an sich herab. Er sah, wie seine Hände begannen sich zu verändern. Sie schienen dicker zu werden und dünner, schienen zu verschwimmen. Als würde er durch Wasser blicken, welches immer trüber wurde. Und dann kamen die Schmerzen.

„AAAAHHHH“, Kristos schrie laut auf. Sein ganzer Körper brannte, Unglaubliche Pein, das Leid tausender Seelen auf einmal. Sein Kopf drohte zu zerspringen, seine Glieder brannten wie Feuer. Er sah Bilder von Leid, vom Sterben. Er sah Wesen, welche ihr Abscheuliches Gesicht für immer im Schatten verbergen mussten, sah Tentakel nach ihm greifen. Lachen, ein Chor von unendlichen Stimmen, unwirklich und fern, doch in seinem Innersten, in seinem Fleisch und seinen Gedärmen. Er wollte sich wehren, wollte es von sich lösen. Seine Finger gruben sich in seine Haut, er schrie vor Pein! Unendliche Agonie, er fühlte, wie sich sein Körper auflöste. Angst vor dem Ende, Furcht und unbeschreibliche Schmerzen durchflossen ihn wie ein wilder Reissender Bach. Er wurde von der Strömung mitgerissen auf den Wasserfall. Und dann fiel er und fiel. Entfernt hörte er Medeas Lachen.

Er riss die Augen auf, blickte in Medeas lüsternes Gesicht. Er sah ihren Blick, wie sie es genoss, wie sie sich bei dem Gedanken streichelte. Oh, armer Kristos. Er spürte, wie seien Sinne schwanden, wie sich die Seele von Thetos und Medea in rotem Rauch auflösten und verschwanden.

Dann war er am Ende seiner Kraft. Erschöpft fiel er vor sich auf den Boden und in einen traumlosen Schlaf.

Er hatte seinen einzigen Freund verloren. Geliebter Thetos. Er hatte seine Frau verloren und seine Tochter. Und er war von nun an gezeichnet im Namen des Königs der Schmerzen und der Lügen, dem Herrn der Strafe, dem Dunklen Fürsten, Gebieter über die 9 Höllen. Doch er hatte Hoffnung gefunden. Und die Illusion von Freiheit.

Ein Menschenleben hatte er Zeit. Er würde es nützen.
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« Antworten #12 am: 12. März 2007, 20:12:16 »

Epilog

Kristos ging zu Efreios. Er lernte die Lehren Epikuros von ihm. Er lernte über das Wesen der Götter, über das Wesen von Seelen und die Erkenntnis. Er lernte über das Warum und wie die Teufel Macht bekamen von den Göttern. Kristos war ein eifriger Schüler geworden und saugte die Lehren in sich auf. Immer mehr verstand er, dass die Teufel ihre Macht von den Göttern erhielten. Und dass die Teufel vergehen würden, wenn die Götter vernichtet waren. Wie sich die Götter von Seelen ernährten und ihre Macht erhielten. Vom göttlichen in jedem Wesen. Vom himmlischen Geschenk des freien Willens. Aber auch von der Art der teufel, von irhem Wirken und ihren Wegen. Wie sie die Gesellschaft unterwanderten, wie sie nach Macht strebten und sich im Hintergrund hielten.

Er wollte sie vertreiben aus der Politik und aus Chessenta. Er wollte sie vernichten. Dazu musste er sich ihrer Mittel bedienen, musste aufsteigen und Macht sammeln. Im Hintergrund bleiben und Leute an sich binden. Ihnen Versprechungen machen. Und dabei durfte er nicht zimperlich sein, in der Wahl seiner Mittel. Denn sie waren es auch nicht. Und er musste schnell sein. Ihm war nur ein Menschenleben gegeben. Er spürte jeden tag, wie ihm die Zeit verging. Unfähig zur Nekromantie suchte er nach anderen Wegen, lernte über die Kräfte der Natur und wie das Sterben und Altern hinauszögern konnten. Jeder Tag, den er gewann war ein Schlag in das Gesicht seiner Feinde.

Später traf er sogar noch einmal seine zweite große Liebe. Zärtlich kümmerte er sich um sie. Vereint durch ihren Hass auf das Böse in der Welt, heirateten sie sogar und bekamen einen Sohn. Sie war zwar nicht so angetan von Kristos gotteslästerlichen reden, aber er war ihr dennoch ein guter Mann und sie bemühte sich, ihm eine gute Frau zu sein. Sie mied das Thema Götter in seiner Gegenwart und erzählte Kristos sogar, dass sie von ihrem Glauben Ablassen würde. Um seinetwillen. Es war eine glückliche Zeit.

Es kam die Zeit der Sorgen. Sie konnte nicht anders. Sie hoffte, das Goldene Zeitalter würde anbrechen, alles Böse würde von der Welt gefegt werden! Sie stellte sich auf die Seite Torms und nahm das Kind mit sich. Später erfuhr Kristos, wie Torm die Macht aller seiner Anhänger in sich aufgesaugt hatte, in sich vereint, um damit Tyrannus zu vernichten. Und wie sie alle starben bei dem Versuch. Er wusste, dass Torm die Existenz seiner Familie ausgelöscht hatte. Ihre Seelen waren vernichtet, verloren in der Geschichte der Zeit.

Wenn er den Göttern vorher die Schuld an den Teufeln gegeben hatte, so gab er ihnen jetzt die Schuld am Tod seiner Frau und seiner Familie. Was ursprünglich Abneigung war, wurde jetzt zu brennendem tiefsten Hass. Sie waren nicht besser als die Teufel. Und so schwor er ihnen bitterste Rache. Beim Grab seiner Frau schwor er, nicht eher zu Ruhen, bis er sie vom Antlitz der Welt gefegt hätte.

Es war heiß an jenem Ort. Doch sie spürte die Hitze nicht. Es war angenehm. Im Hintergrund hörte sie die Seelen schreien. Langsam ging sie die Treppen hinunter. Hinunter zu den Zellen. Hier warteten Helena, Penelope und Thetos auf die Ankunft von Kristos.

Wie wunderbar sich alles entwickelt hatte. Die Götter waren alles, was Asmodeus noch im Weg stand. Die einzigen, die seiner Allmacht im Wege standen. Jede gottlose Seele war ein Gewinn für die Höllen. Sie nährten Amsodeus selber, schlossen seine Wunden aus dem Fall vom Himmel in die Höllen Baators vor vielen Äonen. Bald war er mächtig genug, sich zu befreien und dem Multiversum seinen Willen aufzuzwingen. Und jener naive Thetos hatte die ganze Zeit in seinem Dienste gearbeitet. Ebenso Efreios. Und jetzt Kristos. Sie alle sorgten für den Verfall des Glaubens. Und mehrten seine Macht. Die Gottlosigkeit schmeckte so wunderbar süß. So unglaublich wundervoll! Und das schönste an allem: Sie dienten ihm ohne es zu wissen! Ihm, den sie zu vernichten geschworen hatten.

Was gab es schöneres im Multiversum als den freien Willen?

The Ende
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« Antworten #13 am: 22. Juni 2007, 18:34:02 »

Von Hochmut und Selbstbetrug


"Menschen behaupten oft gerne, sie wären sehr klug,
vielfach sie waren, doch meist war es auch selbstbetrug"

--- Übersetzung eines Verses von Othanos Thretos, aus dem Drama "De Deos Tchazzar" ---

Neue Welt - Verkehrte Welt

Seit alterher gibt es unter den Sängern und Barden Chessentas ein Sprichwort: Eine Geschichte ist nie zu Ende, nur unterbrochen. Und so wollen wir auch diese Unterbrechung beenden. Lasst usn jene geschichte weitererzählen, die vor so langer Zeit begann. War die Geschichte wirklich? Ist sie nur eine Erfindung? Spielte sie in einer anderen Existenz? ODer war es die Geschichte, die ihn dorthin rbachte, wo er heute war? Wer weiß dies schon. Am ende sind diese Zeilen nur Worte, welche sich aneinanderreihen. Ob es die Wahrheit ist, über jenen Mann? Wer weiß, vielleicht ist es nur eine Illusion in den Köpfen des Lesers. Und vielleicht ist die Wahrheit ja die größte aller Illusionen. Aber es sit eine geschichte. Und wie jede geschichte, so muss auch jene erzählt werden. Jene Geschichte eines liebevollen vaters und Ehemanns, der nur das gute wollte, doch dem das Schicksal so übel mitgespielt hatte.

Jenem Sohn, welcher von seinem Vater härteste Strafen aufgetragen wurden, dem Liebenden, der sein Kind und seien Frau vor dem Tod bewahren wollte, welcher es in Kauf genommen hatte, sich mit Kräften einzulassen,w elche er nicht verstand. Damals war es gewesen, in dem Keller, als er den Grudnstein legte für diese Geschichte. Als er jene beschwörung durchführte und das Wesenb eschwor, welches ihn seitdem nie wieder aus dem Blick gelassen hatte.

Es hatte ihn manipuliert, ihn betrogen, ihn verraten, ihn korrumpiert. Er hatte ihm geholfen, sich ihm gefügt ohne es zu wissen. Unwissend war er, und hochmütig. Dies waren seine fehler. Und diese fehler liesen ihn bezahlen.

Er hatte bezahlt dafür, dass er nach den Mächten des Nessus gerufen hatte, er hatte mit dem Leben und der Seelen seiner Frau und seiner Tochter bezahlt. Doch auch seien eigene hatte er vermpfändet. Ja, Unwissenheit, sie war die größte Schuld gewesen, die er auf sich geladen hatte. Sie führte ihn auch zu der neuen Liebe, zu jener, die ihn korrumpierte, ohne dass er es ahnte. Sie verführte ihn, betäubte seine Sinne, verlockend, rufend, fordernd. So, wie sie alle waren, die Diener der neun Höllen.

Sie Versprechen dir alle deine Wünsche zu erfüllen, sie verprechen dir Hilfe, Unterstützung, Macht. Doch sie wollen nur deinen Untergang. So hatte Kristos es erfahren, und so war es immer gewesen.

Er hatte halt gesucht, Geborgenheit, doch genau dies hatte er nicht bekommen. Dafür hatte er jenen von sichg estossen,w elcher ihm als einziges in seinem Leben helfen wollte. Auchd afür hatte er bezahlt. Statt einen Weg zu finden, seine Seele zu retten, verspielte er die Seele seines Mentors und ward auf immer gezeichnet.

Es brannte tief in ihm, ohne dass er es abschütteln konnte, jenes Zeichen des Herrn der neun, es brannte, ohne zu schmerzen. Es war eine Pein, die er nicht loswurde, die nur der Alkohol zum verschwinden bringen konnte.

Oh Kristos, was war aus dir geworden. Wo hatten dich deine Wege hingeführt, in deinem Leben? Welch unsägliches Schicksal musstest du erdulden? Weshalb konntest du ihnen nicht ausweichen? Weshalb wusstest du nicht um die Gefahren? Oder wusstest du es? Hast es eifnachv erdrängt? Unterschätzt? ODer war es das Unterbewustsein, welches dannachs trebte, welches sich sehnte dannach. Welches in seinem innersten Schrie, nachzugeben, sich hinzugeben, den Verlockungen zu erliegen, einfach aufzugeben?

Und doch hatte er nicht aufgegeben, er hatte sich entschlossen zu kämpfen, weiterzumachen, ihre wege zu erkennen, und für sich zu nutzen. Für sich zu nutzen? Mit ihren Mitteln?

Er saß da, ganz alleine, die anderen waren gegangen. Parat, die Drow, Sarah, alle waren sie weg. Nur er, war alleine im Keller geblieben. Er blickte zu dem Kristall, der vor ihm falckerte und ein unwirkliches Licht in den Raum warf. Seit er zurückdenken konnte, seit der Zeit bei Efreios hatte er versucht, gegen sie zu kämpfen, Macht zu erlangen, um deren Einfluss zu schmälern. Vor gar nicht allzulanger Zeit, hatte er versucht, zweid er Adepten zu töten. Zwei unschuldige Menschen. Jeden Tag,d er verstrich, wurde er mehr wie sie. War er zu jenem Bösen geworden, dass er zu bekämpfen suchte? Wo war die trennlinie zwischen seinen Sünden und den ihren? Gab es jene?

Kristos versuchte zu Lächeln. Waren es nicht genau diese Gedanken,w elche ihn utnerschieden? Dass er sich fragte, ob sein weg richtig war? Und doch. Er hatte dieser springerin geholfen, ahtte eines dieser wesen hierhergeholt. Niemand wusste besser,w as für eine gEfahr dieses Wesen bedeutete. Und doch war es die einzige Möglichkeit gewesen, den Kristall zu bekommen udn damit die Adepten gegeneinander aufzuhetzen. Wie sonst wollte er selber Adept werden? Doch hatte er über das Gold, das Ansehen, die Macht, den dieser Stand mit sich rbachte, nicht auf seine Mission vergessen?

Kristos blickte auf den Dolch. Der Edelstein in seiner Mitte loderte. Sil hatte ihn angepasst. Und nun war darin die Seele Graubarts gefangen. Hoffentlich würde der Teufel auf den Handel eingehen. Die Seele eines Unschuldigen dafür, dass der Teufelv erschwand und alles so beließ, wie es war. KRistos wusste icht, ob er darauf eingehen würde. Er wusste nicht einmal, ob Graubart Kinder hatte. Vielleicht hatte er eine Frau,w elche irgendwo bittere Tränen weinte. Wenn sie wüsste, welches SChicksal Graubart bevorstand, wenn der Teufel auf den Handel einging?

Äonen voller Schmerz und Leid würden ihn erwarten. KRistos wusste zu gut, dass es so war. Und er war schuld. Er würde damit Leben müssen. ein unschuldiger.

"Nix. An die Ende es war sicher doch eine Nekromant, wie es alle bechaupten".

Kristos nickte. Solche Fragen konnte er sich nicht leisten. Graubart bekam,w as er verdiente. Und Seldaria blieb ein Land des Friedens.

Er atmete tief durch und hoffte.



"Und doch war es Selbstbetrug so oft,
Der ihnen den Dolch ins Fleische trieb, ganz unverhofft."

--- Übersetzung eines Verses von Othanos Thretos, aus dem Drama "De Deos Tchazzar" ---
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« Antworten #14 am: 06. Juli 2007, 13:43:57 »

Träume der Wahrheit

"Warum wehrst du dich, Kristos.... das musst du doch nicht. Sieh es ein, füge dich der Wahrheit"

Kristos schreckte hoch. Schweißnass. Das Bettlaken klebte an seinem Körper. Alles war nass. Leichter Uringeruch machte sich breit. Nicht schon wieder. Nicht wieder das. Lange Jahre war es nun ruhig gewesen. Seit ein paar Wochen jede Nacht. Ausgerechnet jetzt. Er hasste es. Nicht schon wieder... Doch diese Gedanken vertrieben wenigstens das Entsetzen. So konnte er sie loswerden, die Bilder, welche ihn seit Tagen verfolgten. Jede Nacht. Seit... seit damals. Seit der Beschwörung.

Laken wechseln. Waschen, raushängen zum Trocknen. Die Konzentration auf diese Arbeit vertrieb die düsteren Gedanken. Kristos war müde, elendsmüde. Seit Tagen hatte er nicht richtig geschlafen. Immer wieder dasselbe. Schon wieder begannen seine Gedanken abzudriften, wieder sah er jene riesenhafte rothäutige Gestalt vor sich.

Das Laken raushängen. Ja, das war jetzt seine Aufgabe. Das Laken. Und keine seltsamen Wesen aus irgendwelchen Hirngespinsten. Lächerlich. Kristos war Magier, ein Mann der Logik. Schauergeschichten gehörten nicht zu seinen Aufgaben. Und doch meldete sich jene Gänsehaut wieder. Jene Gänsehaut, die ihn deutlich spüren ließ, dass es nicht nur Abgerglaube war, nicht Humbug.

Es war echt, es war real. Es war die Fratze jenes Teufels gewesen. Nie könnte er sie vergessen. Jener Teufel, den er beschworen hatte.

Nein, das war nicht der Teufel gewesen. Das war sein Unterbewusstsein, das war seine Einbildung. Kristos Art mit diesen Dingen klarzukommen. Wer war er denn, dass er sich einbildete, so ein mächtiges Wesen hätte nichts besseres zu tun, als ihn im Schlaf heimzusuchen.

So, das Laken war gewechselt, Kristos wusch sich den Rest des Schweißes vom Körper. Es war anständig gewesen von den Hochmagiern, jedem seinen eigenen Waschzuber zu erlauben im Zimmer.

Frisch gewaschen ging er wieder zu Bett. Alles war bereinigt. Kristos fühlte sich wieder wie neu. Schlafen, endlich schlafen. Und vertreib die Teufel aus deinem Kopf, Kristos. Träum wieder normale Sachen. Von Liebe und Freude. Von klugen, schönen Männern und nackten Frauen.

Langsam schlief er ein.....

"Wehre dich nicht... du kennst die Wahrheit! Erkenne dich selber! Erkenne dich! und lerne, mein Freund! Lerne die Wahrheit! Lerne und befreie dich!"

THE ENDE
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« Antworten #15 am: 03. September 2007, 15:37:07 »

An dieser Stelle wollen wir unseren Freund verlassen. Kristos Mios, er hat eine Menge durchgemacht, er hat versucht, sich gegen das Schicksal zu stemmen und ist gewaltige Risiken eingegangen. Doch die Wahrheit ist: Er konnte dem Fluch, der auf seinem Leben lastete nicht entkommen. Seit dem verhängnisvollen Tag, an welchem er das Ritual durchführte, um die Fürsten der Hölle zu beschwören, nahm sein Leben einen eigenartigen Lauf. Sein Schicksal ward festgelegt und es gab für den armen Kristos kein entkommen.

Arroganz, Selbstüberschätzung und Dummheit führten ihn nur noch weiter in einen Sumpf, aus dem es kein Entkommen gab, keine Hoffnung oder Errettung.

Doch musste es so sein? Gab es keine Möglichkeit? Was, ja was, lieber Leser, wäre geschehen, wenn er es nicht getan hätte? Wäre sein Schicksal anders verlaufen, hätte er das Buch nicht erhalten?

Wer vermag das schon zu sagen.

Aber vielleicht mag ja ein anderer Kristos diese Antworten liefern. Ein Kristos aus einer anderen Geschichte. Einer Geschichte, in welcher er das Ritual nicht durchführte, sich nicht mit den Mächten der 9 Höllen anlegte.

So lasst uns denn einen Blick auf das Schicksal von jenem anderen Kristos werfen:
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« Antworten #16 am: 03. September 2007, 15:54:29 »

Eine Frage der Entscheidungen

Er liebte sie. Daran gab es keinen Zweifel. Wie wunderbar ihre dunklen Haare über ihre Schultern fielen, ihr wunderbarer Geruch. Ihr Lächeln.

Sie lag so friedlich auf ihrem Bettchen, der Kopf niedergelegt auf dem Polster. Kristos stirch ihr zärtlich eine Strähne aus dem Gesicht. Die Sonne stand schon hoch am Himmel, es war schon spät, aber er wollte keinen Laut von sich geben. Er wollte sie nicht stören in ihrer Ruhe.

Ihr Gesicht war so friedlich, so zufrieden. So hatte er sie schon lange nicht mehr gesehen. Es kam ihm vor wie Ewigkeiten.

Dabei war es zu Anfang ganz anders. Die Gedanken wanderten zu ihrem ersten Treffen. Kristos war so afgeregt gewesen. Er war so nervös, dass er ununterbrochen redete. Wie ein Wasserfall erzählte er ihr innerhalb weniger Stunden sein ganzes Leben. Er redete ohne Pause und ohne Unterbrechung. Und vor lauter nervosität warf er auch gleich alle Gläser am Tisch um. Doch sie saß ihm lächelnd gegenüber. Irgendetwas schein auch sie an diesem überschwenglichen Menschen zu faszinieren. Kristos hatte nie verstanden, was es war, was diese Schönheit von einem Mann wie ihm wollte.

Doch sie wollte ihn. Noch am selben Abend landeten sie in ihrem Schlafgemach. Es war eine Nacht voller Liebe und Leidenschaft, wie Kristos sie noch gar nicht erlebt hatte. Wie ein unbändiger Sturm fielen sie übereinander her.

Erst hatte alles so lange gedauert, vom ersten Blickkontakt bis zum ersten Gespräch, der ersten Einladung zum Essen... und nun war es doch so schnell gegangen. Als Kristos das Haus am nächsten Abend verließ, wusste er nicht, wie ihm geschehen war. Es war ihm, als würde die ganze Welt sich drehen, und er wäre der Mittelpunkt. Er hatte jegliches gefühl für Zeit und Raum verloren, ja wusste nicht einmal mehr, in welchem Teil der Stadt er war!

Doch das war ihm egal. Er schlenderte stundenlang pfeiffend durch die Parks und Gärten der Stadt. DIe Melodie des iedes vom Vorabend ging ihm nicht mehr aus dem Kopf. Er hätte nie gedacht, jemals wieder so ein Fühlen zu können. Nicht nach dem Tod Helenas, seiner ersten Frau, und ihrer gemeinsamen Tochter Penelope.

Es war im Krieg gewesen, der Krieg gegen Lutcheq. Es waren furchtbare Zeiten, doch für die Menschen in Chessenta waren sie Alltag. Nichts besonderes. Helden brauchte das Land, Helden in einem Krieg, der niemals enden würde. Beide Städte behaupteten, die wahre Hauptstadt Chessentas zu sein. Und so bekriegten sie sich, Jahrhundert um Jahrhundert.

Es war seltsam, wie sich Menschen an Leid und Tod gewöhnten, wie die Brutalität des Krieges Alltag wird. Und wie Helden noch immer Todesmutig in die Schlacht eilen, ihrem sicheren Tod entgegen, nur um ihren hinterbliebenen Familien ein besseres Leben zu gewähren und selber den Heldentot zu sterben.

Helden, ja. Sie alle eiferten dem Schicksal Tchazzars nach, alle wollten sie der neue unbesiegbare Held werden. Aufsteigen zu den Göttern für ihre Taten und ihren Mut. Doch die meisten starben, das Gesicht im Dreck, anstatt mit Reichtümern und Titeln überhäuft zu werden.Aber man konnte ihnen ja nichteinmal böse sein. So war die Chessentische Kultur nunmal. So und nicht anders sangen es die Barden, wurden die Dramen in den Theatern aufgeführt. Und so erzählten es die Priester.

"Priesterinnen wie Atiena", dachte Kristos, als er sie anlächelte und ihr leicht über die Wange streichelte.

Oft hatten sie darüber gesprochen. Sie war voller Leidenschaft, wenn es um dieses Thema ging, voller Überzeugung und Leben. Ihre Augen leuchteten, wenn sie davon sprach, dass Tchazzar wiederkommen werde und Frieden über Chessenta bringen. Kristos war anders gebaut. Er zweifelte daran,d ass der Glaube alleine schon zum Frieden verhelfen würde. Die Götter, schlön und gut, sie zu Ehren, warum nicht? Aber sich auf sie verlassen? Was kümmerte die Götter schon das Leben der Sterblichen? Dennoch lauschte Kristos ihr oft, wenn sie von ihren Göttern erzählte, von Tiamat, Seth und Tchazzar. Was Seth für Mulhorland, Tiamat für Unther, war Tchazzar für Chessenta. Niemand schien so gut erzählen zu können wie sie. Und doch war es irgendwie nicht sein Glaube, war er viel zu sehr Philosophos, als einer jener, die blind auf die Götter vertrauten.

Doch die Meinungsverscheidenheiten und verschiedenen Ansichten in Bezug auf die Götter waren nichts im Gegensatz zu einem anderen großen Streit, der ihre Beziehung überschattete. Am Anfang war alles wudnerbar gewesen. Sie liebten sich, verbrachten jeden Tag miteinaner, sprachen und lachten.Redeten über ihre Arbeit udn Tätigkeiten. Doch von Anfang an war Kristos nicht ganz ehrlich gewesen. Er hatte es nicht gewagt, ihr vons einen Experimenten zu erzählen. Atiena war reinen Herzens, sie war eine Heilige, sie würde es nicht verstehen, wie man Seelen und tote Kröper benutzen konnte, um das Leben zu belügen. Sie fand, der Tod war natürlich und man sollte ihn nicht betrügen.

Doch Kristos wusste es besser. Er hatte schon einmal seine Familie verloren. Und er hatte sich bei deren Tod geschworen, nie wieder seine Liebsten zu verlieren. Lieber würde er die Regeln des Daseins brechen. Zu diesem Zwecke hatte er sich ein Labor eignerichtet. Dort experimentierte er heimlich an der Grenze zwischen Leben und Tod. Doch Atiena ahnte wohl etwas davon und schlich im heimlich nach. Als sie mit eigenen Augen die Gräuel sah, das verbrechen an den Toten, die PErversion der Existenz, schrie sie laut auf und lief davon. Kristos lief ihr nach, woltle sie einhohlen, wollte ihr erklären, doch sie war verschwunden.

Kristos versuchte sie wiederzufinden, ihr zu erklären, was er getan hatte und warum, wollte ihre Liebe wiedergewinnen, ja, er war sogar bereit der Nekromantie abzuschwören, wenn sie nur wiederkommen würde.

Am Boden zerstört, in einem dunklen Raum, saß er schluchzend. Schrieb ihr Briefe und sandte ihr Botschaften. Und eines Tages kam sie herein. Sie vergab ihm. Nahm ihm das Versprechen ab, dass er nie wieder Nekromantie betreiben würde, und er gab es ihr bereitwillig.

So hatte nichts mehr zu ihrem Glück gefehlt. Sogar ein Kind war auf dem Weg. Konnte ein Mann mehr vom Leben verlangen?

Doch was eigentlich ihr Glück vervollständigen sollte, wurde zur größten Belastung ihrer jungen Liebe. Erste Dunkle Wolken kündigten sich an, als sie gegen Ende der Schwangerschaft schwarzes Blut erbrach. Sie gignen zu eienr Heilerin, doch jene konnte nicht helfen. Sie sprach von einem Fluch,d er auf ihnen lastete. Traurig zog sich Atiena zurück, verließ kaum nochd as Haus, ergab sich in ihren Gebeten.

Es war eine schwierige Zeit, doch nichts gegenüber dem, was noch kommen sollte. "Oh, Atiena. Was haben wir zusammen durchgemacht. So viele Dinge haben wir erlebt, so viele Dinge.", er versuchte nicht zu weinen, streichelte noch einmal die rosigen Backen, ganz sachte, um sie nicht zu wecken.

Das Kind wurde geboren, und das Unglück traf ein: Anstatt eines gesunden Jungens, wurde etwas anderes geboren. Eine schreckliche Gestalt, mit Hörnern, und Füßen wie ein Rind. Eine Laune der Natur? Eher die Rache der Götter oder schändliche Magie? Oder war es eine spätfolge von seinen Versuchen? Hatten die reagenzien und Mittelchen, die üble Nekromantie, ihren Tribut gefordert? War es am Ende seine Schuld und die seiner Versuche? Was hatte er übersehen, was hatte er falsch gemacht?

Auch wenn er misstaltet war, so war er doch ihr Kind. Und sie versuchten ihn auch so zu lieben, egal, wie er aussah.Doch es ward nicht einfach, es war ein schweres Schicksal. Und seine Schuldgefühle taten ihr übriges. Unfähig seine Zweifel seiner Frau zug estehen, unfähig darüber zu sprechen, zog sich Kristos zurück. Immer weiter entfernte er sich von ihr, obgleich sein Herz nach ihr verlangte und schrie.

Er konnte nicht mehr ohne die Nähe seiner Frau sein, ohne ihr Lächeln und ihre Berührungen. Und doch konnte er ihr nicht mehr in die Augen blicken, war verloren in den Tiefen seiner Schuld.

Kristos wusste keinen Ausweg, ergab sich Drogen und dem Alkohol. Doch er woltle sie nicht verlieren. Im Rausch kam ihm der einzig Mögliche Ausweg: Er musste seine Fähigkeiten benutzen, er musste sich wieder auf sein Wissen berufen und den Fehler den er begangen hatte wieder gut machen. Auch wenn das bedeutete, seinen Schwur zu brechen.
 
"Oh, Atiena, liebste mein.", hauchte er leise. Es war eine schwere Zeit, doch nun ist sie vorbei. So friedlich und so Nahe waren sie sich seit Ewigkeiten nicht gewesen. Dann ging die Türe auf, und die Träger kamen herein. Es war so weit. Der PReister ging zu Kristos, er blickte ihmt ief in die Augen. Noch ein letzter Blick zum Sarg seiner Frau, ehe sie ihn schlossen.

Dicke Tränen liefen ihm an den Wagen herab, rannen über seine Lippen und tropften zu Boden. Langsam blickte er dem Sarg nach, als er zum Grab geführt wurde. Der Schmerz war heftig, doch er war nicht mehr sos tark wie an dem Tag, als er die Leiche fand. Es war ein SChmerz,d er drohte ihm den Atem zu nehmen, ihn innerlch zu zerreissen.

Es war alles seine Schuld. Desto mehr er versucht hatte, den Sohn zu retten, desto schlechter ging es diesem. Bis er den Heilmitteln von Kristos gestorben war. Den Tod des Kindes hatte sie nie verkraftet, und Kristos war nicht in der Lage gewesen, sie zu stützen, viel zu sehr vergraben in seiner Schuld.

Sie hatte sich das Leben genommen. Hatte gehofft, im Tod all den Schmerz zu vergessen und an jenen friedlichen Ort zu gelangen, den ihnen ihre Götter versprochen hatten.

Kristos blickte zu dem Papier ins einer Hand. Ihr Abschiedsbrief. Er war noch versiegelt, er hatte noch nicht die Kraft gehabt, ihn zu lesen. Leise schluchzend streichelte er den Umschlag. Bald würde er die Kraft finden, ihre letzten Worte zu vernehmen...
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« Antworten #17 am: 04. September 2007, 17:17:51 »

Es dauerte einige Wochen, die er stumm und alleine ins einem Zimmer verbrachte. Die Gedanken an seine Frau und seinen Sohn marterten ihn weiterhin. Auch die Schuld an alledem. Er gan sich die Schuld an allem. Sich und seiner Nerkomantischen Künste. Hätte er sich ihrer nicht bedient, wäre das Kind nicht verunstaltet geworden und hätte nicht sein elendigliches Leben in seinen Armen ausgehaucht.

Schon zuvor hatte er begonnen, mit alchemistischen Substanzen seinen Schmerz zu lindern. Nun, in der Einsamkeit, wurde das verlangen dannach nur noch mehr geweckt.

Halb in Trance, halb abwesend, sah er diese Zeit wie durch einen dunklen Schleier. Schwerelos, gepeinigt, halb wach, halb schalfend und träumend, halb sterbend, und immer wieder neu geboren.

Irgendwann war er dann auch bereit, irgendwann in seinem Rausch, dem Dilirium nahe, überwand er sich, zerriß den Mantel aus Wehklagen und griff zu dem Umschlag, den er nie wieder losgelassen hatte.

Es waren ihre letzten Worte, ihre Nachricht aus dem Jenseits. Kristos fürchtete sich mehr als vor allem anderen, was wohl in diesem Brief stehen mochte. Doch niemals, nicht in seinen schlimmsten Träumen, hätte er geahnt, was wirklich darin stand:

"Liebster Kristos, mein Kristos!

Wenn du diesen Brief in Händen hälst und ihn liest, bin ich schon Tot. Ich habe beschlossen dir diesen Brief zu schreiben, weil ich nicht fähig war, es dir ins Gesicht zu sagen. Ich konnte es einfach nicht, dir in die Augen zu blicken, und meine Schuld einzugestehen.

Kristos, liebster Kristos, verzeihe mir. Verzeihe mir bitte meine Taten. Die Schuld, welche ich mit mir herumtrage, die mich nicht schlafen, nicht denken lässt und mich weg treibt, weg von dir, diese Schuld lastet zu schwer auf meinem Herzen.

Ich weiß nicht, ob du mir jemals verzeihen kannst, aber ich will es zumindest versuchen zu erklären. Oh liebster Kristos, ich war dumm, ich war töricht. Vor allem aber war ich nicht ehrlich und ungläubig. Ich habe dir deine Worte nicht geglaubt, habe mich nicht getraut mit dir zu reden.

Die Nekromantie, die du betrieben hast, du weißt, wie ich davon dachte. Es war wiederlich zu erfahren, was du in deinem Keller getan hattest, es war gegen die Natur. Als ich davon erfuhr, war es wie ein tödlicher Pfeil in meiner Brust, raubte mir den Schlaf, den Atem, den Verstand.

Geliebter Kristos, ich konnte dir nicht glauben, ich liebte dich, doch musste ich sichergehen, dass du dein Versrpechen einhälst. Ich hätte dich snst nicht zurücknehmen können. Niemals hätte ich einen Mann ehelichen können,w elcher die gesetze der Natur pervertiert. Deine Worte waren nichts als Worte. Woher sollte ich wissen, ob du das Versprechen hälst?

Ich weiß, es klingt wie eine Ausrede. Aber ich will gar keine Bemühen. Es war falsch, dass ich zu der Hohepriesterinn ging und sie um ein Mittel bat. Es war ein frevel, ein Verbrechen an dir. Glaube mir, teuerer Gemahl, ich habe es seitdem jede Sekunde bereut. Ich hab bereut und für meinen Frevel bezahlt. Wir beide haben den Frevel bezahlt.

Ich abt sie um ein Mittel, und sie gab es mir. Es würde all deine Nekromantische Magie verzerren, vernichten, oder ins Gegenteil verkehren. Damit es dir nie wieder möglich sein sollte, die Natur zu betrügen. Doch anstatt mir nur dieses Mittel zu geben, verfluchte dieser Trank auch unsere Nachkommen. Ja, du liest richtig. Deshalb war unser Sohn verunstaltet. Anfangs ahnte ich nur etwas, doch wusste ich noch nichts. Erst als ich Medea zur Rede stellte, und bemerkte, dass sie eine Dienerin des ältesten Drachen war, des Vater aller Wyrmer, Der großen Schlange, dem Fleischgewordenen, dem, dessen Namen wir nicht auszusprechen wagen, dem, vor dem sich selbst die Götter in Angst verstecken, erst da ward mir klar, was geschehen war.

Doch ich war unfähig dir die Wahrheit zu sagen, unfähig dir ins Auge zu blicken. Du hättest mich verlassen, hättest keine Liebe mehr empfunden, nur den Hass, und mich verstossen. Und das zu Recht.

Doch ich wollte dich nicht verlieren, wollte dich an mir halten, dich nicht hergeben, meine Liebe, mein Verlangen nach dir, meine Sehnsucht, war zu groß.

Lange habe ich versucht, mit dieser Lüge zu leben, zu existieren, ohne dir ins Gesicht blicken zu können.Aber als usner Sohns starb, als er nicht mehr war, da konnte ich nicht mehr. Die Schuld, die unausgesprochene, unverzeihliche Schuld, sie wurde mir zu schwer. Ich konnte es nicht mehr, ich wollte es nicht mehr. Unfähig zu sprechen, schrieb ich diesen Brief.

Doch nun, da ich die Zeilen schrieb, wage ich es nicht, dich noch einmal anzusehen. Auch wenn es mein Herz zerreißt, ich bin zu schwach. Alle Kraft ist aus mir gewichen. Und dich habe ich wohl auch verloren. Das Einzige, das mir bleibt ist, mein Glaube. Ehre die drei, Kristos, ehre sie und denk an mich. Denk an mich in Liebe. Denk an mich, wie es einst war, als wir uns liebten. Damals, zu Anbeginn. Denk an unser erstes Treffen und das Glück, das wir hatten. Auch wenn es nicht von Dauer war.

Denk auf diese Art an mich. Dies ist meine einzige und letzte Bitte. Denk nicht schlecht von mir, denk nicht im Zorn oder im Hass an mich. Denk an mich in Liebe, wie sie uns einst verband.

Eines Tages, wenn du mir verziehen hast, werden wir uns, so es die Götter wollen, im Leben dannach wiedersehen. Vielleicht mag unsja dann das Glück beschieden sein, dass uns im Leben verwehrt geblieben ist. Ich werde bei unserem Sohn Taros auf dich warten.

In größter Liebe,
Deine Ehefrau und Gemahlin, dein Weib, Atiena."


Heulend brach Kristos zusammen.

THE ENDE
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« Antworten #18 am: 28. April 2008, 18:15:48 »

Was, wenn Kristos nicht damals gelebt hätte. Sondern in der Zukunft. An anderen Orten, zu einer anderen Zeit?

Kristos 40k - Futurepunk

"ihr werdet alle sterben, vertraut ihm nicht!", schrie er aus vollem Hals. so laut er konnte. Sie sollten es hören, sie mussten es hören! Doch sie würden nicht hören. Er wusste, sie würden kein Wort glauben. Wie schon so oft zuvor. Nie hatte ihm jemand geglaubt.

"Halts Maul", schlug ihm der Wärter mit der Faust ins Gesicht. Knochen knackten, Mirgon sank in sich zusammen. Nicht schon wieder eine geborchene Nase. Die wievielte war das jetzt? Die fünfte? zehnte? Irgendwann hatte er aufgehört zu zählen. Er sah schon mehr aus wie ein Preisboxer und nicht wie ein Elitesoldat. Wobei.. genaugenommen... Wo war schon der Unterschied? Der Unterschied war wohl, dass Mirgon bedeutend mehr Zeit im Gefängnis verbracht hatte, als die meisten Boxer. Wobei... nicht einmal das war wahr. Wenn man die Geschichten so hörte...

.. seltsam, was man so denkt. Eigentlich sollte er sich mit etwas anderem beschäftigen. Wie zum Beispiel mit seinem bevorstehenden Todesurteil? Ja. Sie hatten ihn zum Tode verurteilt. Und dieses Arschloch war schuld daran. Dieses vermaledeite Schwein. Seit unendlich scheinender Zeit verfolgte er ihn nun. Ihn. Dieses Mysterium, dieser ständig andere. Der Verführer. Der Mythos.

Mirgon's Gedanken schweiften ab. Sie wandten sich den Anfängen zu. Damals, ja.. da hatte er gelacht, als ihm sein Meister davon erzählte. Von dieser Bedrohung, welche seit Urzeiten das Multiversum bereiste. Weitab vom Kern der Galaxis, am Rande der bekannten Welten. Ein geheimer Orden. Nur geschaffen, den Feind aufzuhalten. Was für Schwachsinn. Geheime Orden. Als gäbs nicht schon genug Geheimnisse. Die Altaner, die glaubten alles Wissen schützen zu müssen und ihre Zungen herausschnitten, damit sie nichts weiterverraten konnten. Der Orden des Klastrin, der im Geheimen hinter den Schemen agierte und das Schicksal der Galaxis bereiten wollte. Und die Geschichten von den Geheimen Äußeren, die sowieso nur alles vernichten wollten.

Alles Ammenmärchen. Schwachsinn. Humbug. Die Welt war nicht so. Die Welt war einfach: Da war der Feind, hier die Waffe. Und wenn man das richtige Ende der Waffe auf den Feind richtete, dann gabs Gulasch. So einfach war die Welt. Einfach wie das G-375 Schnellfeuergewehr. Dein Freund und Helfer in jeder Gefahr.

Ja, damals bei den Söldnern war es einfach. Man wurde bezahlt und man tötete. Schlicht, ergreiffend, gewissenlos und einfach. Eifnach war das Wort der Stunde. Man konnte es nicht oft genug sagen. Einfach. Wen kümmerte schon wer das Opfer war. Solange es auf Rausmtation 27 Frauen mit 4 Brüsten gab.

K'lat-zkyl. Ja.. so hieß sie. Und sie wusste, wie man Männer glücklich machte. Auch wenn ihr Name unaussprechlich war. Aber er war ja nie zum Reden gekommen. Mirgon musste grinsen.

Alles war vorbei, als dieser selbsternannte Meister kam. Der Auftrag war einfach: Suchen und töten. Wie immer. Nur.. dieses mal waren sie selber die gejagten. Einer nachd em anderen wurde abgeschlachtet. Schneller als man sehen konnte. Nur Mirgon nicht. Wieso wusste er bis heute nicht. Aber.. der Meister.. er nahm ihn auf. Bildete ihn aus. In seinen Lehren. Alles Blödsinn. Aber welche Wahl hatte Mirgon schon? Er musste gehorchen.. oder der Meister wurde sauer. Und scheisse... Mirgon hatte viel erlebt.. aber... dieser Meister wusste, wie man richtig bestrafte.

Es gab wohl keinen Knochen in seinem Körper, den der Meister nicht gebrochen hatte. Für jeden Fehler hatte er ihm einen Zahn ausgerissen. Und am Abend... da waren sie wieder nachgewachsen. Magie nannte der MEister dies. Magie. Schwachsinn. Es gibt keine Magie. Keine Geheimbünde, keine Interstellaren Verschwörungen. Und kein mystischer Feind allen Lebens.

Aber nach zehn Jahren glaubte man sogar, das Scheisse sprechen kann. Es musste einem nur richtig erklärt werden. Und eingehämmert. Und dann macht man sich sogar auf die aussichtlose Suche nach einem uralten Feind allen Lebens. Fein allen Lebens. Scheisse. Das war wieder so ein Wort. Man konnte es nicht oft genug sagen. Wie das Wort einfach.

Von dem keiner wusste, wer dieser Feind war, wo er war, was er tat und.. überhaupt..

Verdammt. Hätte er gewusst, was auf ihn zukommen würde, er hätte sich vom Meister lieber seine Niere herausreissen lassen als diesen Auftrag anzunehmen.

Langsam rappelte er sich auf und ging zum Fenster. Mit den Händen zerrte er an den Gitterstäben. Sie waren aus Damantitstahl. Sie rührten sich keinen Zentimeter. Er seufzte und Blickte auf die andere Strassenseite. Dort hatten sie einen dieser Bildschirme. Es gab sie überall auf diesem Planten. Und jeder von ihnen zeigte dasselbe Bild. Mirgon schrie zum Bildschirm hoch:

"JA! Lach nur.. lach nur! Freu dich über deinen heutigen Sieg! Ja. Du hast mich zum Tode verurteilen lassen, du dreckiges Scheusal. Aber die Leute werden noch erkennen, was du wirklich bist! Und ich werde dich vernichten! Im Namen des Lebens! Im Namen der freiehit! Im Namen von allem, das gut und gerecht ist! Ich werde dir das Gesicht zertreten und dir die Eingeweide aus dem Leib reissen! Im Namen all der Milliarden Opfer!"

Und vom Bildschrim grinste er hinab: Der kleine fette Mann, eingeölt und nach Rosmarin stinkend, gekleidet in eine pinke Toga.
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« Antworten #19 am: 09. Juni 2008, 18:46:55 »

"Ich chabe gewartet auf dich. Du wirst mich noch cheute Abend töten"

Kristos lächelte milde auf den Gefangenen hinab. Er hatte ihn kommen lassen. Hierher, in sein heiligstes, seine Hallen. Er saß auf dem Thron. Ein viel zu großer Thron, ein einsamer Thron, der einsamste Platz im Universum. Hier saß er. All die Jahre war er bereits hier gesessen. Der goldene Käfig. Voller Prunk, geschmückt mit den Bildern und Titel der Vergangenheit. Aus Gold und Marmor. Ein Abglanz größerer Zeiten. Vergangener Zeiten. Ein Sinnbild des Gestrigen. Der Putz bröckelte von den Wänden und das Gold blätterte ab von den fetten und hässlichen Engelsskulpturen, die ihn schmückten.

"Du freust dich gar nix?"

Mirgon antwortete nicht. Was sollte er antworten? Gefesselt kniete er am Boden, nicht einmal lachen wollte er über diese Unverschämtheit, diesen Spott und Hohn. Oder war es am Ende sein Ernst? Nein, war es nicht. Dieser Jemand, der sich selbst Kristos nannte, er war das Böse. Und ihn begleitete ein Gespinst aus Lügen. Alles war Lüge. Alles.

"Wenn alles ist Lüge, wie kannst du dann an etwas glauben?"

Hatte er seine Gedanken gelesen? Woher wusste er .... ?

"Ja, du bist eine offene Buch, meine Freund. Ich beobachte dich, ich kenne dich. Du bist ein Teil von mir. Ich chabe gewartet auf dich. All die Jahrtausende, all die Zeit chabe ich gewartet auf deine Ankunft. Du wirst mich töten. Du wirst es alles beenden. Und du wirst dem Universum den Untergang schenken"

"LÜGE! NICHTS ALS LÜGE! ... wieso sollte ich auch nur ein Wort glauben", zischte er hervor.

"Du kennst meine Arbeit besser als alle anderen. Und doch.. du kennst sie nix. Du denkst sie zu kennen.
Denn siehe, ich bin das Licht in der Dunkelheit! Ich bin die Anfang, ich bin die Ende"


Langsam trat er vons einem Thron herab. Es war eine große Anlage, mittem im Herzen des Fürstenpalastes. Einst hatten große Namen diesen Planeten regiert. Sie alle waren an den Wänden verewigt. Sie alle hatten ihr Volk geliebt. Ihre Untertanen. Ebenso wie Kristos.

Ja, er liebte sie, die Menschen. Er liebte sie so sehr, dass es in seinem Herzen schmerzte. Es schmerzte ihn, wie sie zueinander waren, wie sie sich bekriegten, wie sie miteinander umgingen. All der Hass, all die Wut. Langsam, über all die Jahre hinweg, hatten sie sein Herz zerfressen. Immer tiefer, immer mehr.

"Erchebe dich.. sieh chinaus, mein Freund.. guck aus die Fenster und sag mir, was du siehst."

Mirgon erhob sich knurrend und folgte Kristos. Wenngleich nur widerwillig. Aber desto näher er diesem .. Wesen war, desto größer war die Chance ihn zu töten. Er malte sich in seinem Kopf aus, wie er die Ketten um den Hals wandt und zudrückte. Ganz langsam... ganz langsam. Und wie er es geniesen würde, dieser Kreatur den Lebensatem aus dem Leib zu pressen.

Dann erzitterte der Boden. Putz bröckelte von der reich verzierten Decke. Kaum hatten sie sich gefangen, donnerte es abermals, noch heftiger als Zuvor. Die dicken alten Träger knarzten unter dem Gewicht. Aber sie hielten. Und noch einmal zitterte alles.

"WAhhhhh...!", Mirgon schwankte zum Fenster, klammerte sich an die Fensterbank. "Beim Universum", starrte er mit weit aufgerissenen Augen hinaus. Nein, nein... nicht sie... bei allem guten... NEIN!

Wie Engel der Apokalypse donnerten ihre Raumschiffe auf den Planeten zu und gruben sich tief in das Herz der Welt. Fast wie ein Balett des Grauens. Rücksichtslos. Keine Gnade, kein Zurück. Es war kein feind wie viele andere. Keien Armeen, wie man sie kannte. Es waren ausgeburten der Höllen. Und jetzt waren sie hier.

Der Krieg hatte begonnen.

Er blickte zu Mirgon, als die Schreckensschreie zum Fenster drangen.

"Töte mich. Und alle werden sterben. Lass mich am Leben und wir werden versuchen diese Menschen zu retten."

Er blickte zu Mirgon.

"Du weißt wer sie sind. Keine Gefangenen. Zumindest keine Lebenden."

Er öffnete seine Toga und entblöste seinen Oberkörper. In Mirgons Kopf hallten Kristos Gedanken wieder. "Töte mich. Töte mich. Beende es, ich bin müde... viel zu müde...."
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« Antworten #20 am: 14. Juni 2008, 13:03:57 »

"VERDAMMT.. WAS HAST DU MIT IHNEN ZU SCHAFFEN!"

Die Wut und Verzweiflung brach aus Mirgon hervor. Ehe es sich Krsitos versehen konnte, hatte er die Ketten um seinen Hals. Langsam zog Mirgon die Ketten zusammen. Kristos konnte kaum noch atmen.

"Ja... Tu... s...", Kristos konnte kaum noch reden, es war nicht mehr als ein krächzen. Dann lies Mirgon los. Nein, er würde ihm den Gefallen nicht tun. Nein noch nicht. Er woltle Antworten.

Keuchend und hustend brach Kristos auf den Boden. Er rieb sich den Hals.

"Du willst sterben? Können wir einrichten.. aber erst wirst du mir antworten, du Scheusal."

Mirgon wusste, es konnte nur ein Trick sein. Aber sie waren alleine in diesen Uralten Hallen. Niemand außer ihnen beiden. Während von den Strassen utner ihnen die SChreie der Leute nach oben drangen.

Die Raumschiffe waren tief in die Erde geschlagen. Nur der hitnere Teil ragte empor. Vermutlich nicht einmal ein drittel der gesamten Länge. Und doch war dies alleien schon beeindruckend.

Häuser waren unter den Erschütterungen zusammengebrochen, die Leute schrien, suchten utner den Trümmern nach ihren Angehörigen. Oder versuchten zu flüchten, so weit als möglich. Nur einige wenige gingen, nun, da sich der Staub gelegt hatte, zu diesen Schiffen. Die Neugierde siegte über die Angst. Narren.

Und sie alle wussten, auch Mirgon... ja, sie alle wussten, wer diese Fremden waren. Sie hatten sie nie gesehen, diese Wesen, nur von ihnen gehört. Es waren die Geschichten aus alter Zeit, Geschichten, die man vorm Einschlafen erzählte. Die man kleinen Kindern erzählte, damit sie gehorchten.

Sie hatten viele Namen. Einige nannten sie die ewigen Schatten, andere nannten sie Yawgmoths Rache, ander einfach nur den großen Feind. Viele nannten sie die Geheimen Äußeren. Hier auf Fürstenplane man kannte sie unter dem Namen Darkbrunnen. Niemand wusste, woher sie kamen. Aus dem Chaos geboren, aus eienr anderen Galaxis, aus der Abyss, aus der Hölle selbst. Niemand wusste es, niemand hatte je einen gesehen, es waren immer nur Geschichten gewesen. Geschichten...

Doch nun war es keine Geschichte mehr. Sie waren da. Fremd, anders... Nichts war mit ihnen zu vergleichen. Die Konstruktion der Schiffe, sie war Fremd, Unnatürlich, auf seltsame Art und Weise. Die Schiffe waren geformt wie Kegel und sie wirkten wie die perfekte Version derselben: Keine Unebenheiten, die Oberfläche, sie schien glatt poliert. Keine Öffnungen, kein Eingang, keine sChleusen. Nur eine absolut Glatte, dunkle, polierte Oberfläche.

Doch desto näher man an sie herantrat, desto mehr sah man, dass man sich getäuscht hatte. Die Oberfläche war nicht glatt, sie war absolut uneben. Weit entfernt von perfektion. Sie war gekrümmt, verdreht, verzerrt, ohne erkennbares Muster. Mehr noch, das Metall schien sich zu bewegen, sich zu drehen, sich zu krümmen. Immer wieder bog es sich nach Innen, dann nach Außen. Unregelmäsig, jeglicher Physik widersprechend.

So lagen die Schiffe in der Erde. Regungslos. Verharrend.. Wartend..? Vielleicht. Die Minuten vergingen, wurden zu Stunden. Doch nichts geschah. Der Ansturm blieb aus. Niemand der Fremden zeigte sich.

"Sprich: Was hast du mit ihnen zu schaffen" zischte Mirgon abermals zu Kristos.
« Letzte Änderung: 06. August 2008, 15:14:14 von Surtur » Gespeichert

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« Antworten #21 am: 06. August 2008, 11:43:37 »

Kristos lag am Boden. Blut tropfte aus seinem Mundwinkel auf den ehrwürdigen Boden.

"Du chast keine Ahnung. Keine Ahnung. Aber ich werde es dir erklären. Wir chaben noch Zeit. Noch chaben wir Zeit."

Langsam ging Kristos zum Fenster und blickte hinaus. Erst wollte Mirgon noch seiner Wut freien Lauf lassen, und ihn zu Brei verarbeiten, aber irgendwie konnte er nicht. Kristos hatte sich verändert. Seine Stimme, sein Auftreten. Es lag etwas in der Luft. Antworten. Und Mirgon war klug genug den alten Mann nun nicht zu unterbrechen.

"Es war vor ewige Zeiten. Ich war noch ung. Und so Naiv. Ich wollte die Menschen retten, wollte ihnen geben Frieden, Gluck, Freicheit. Ich weiß, du glaubst mir nicht. Aber es war so."

Mirgon glaubte nicht ein Sterbenswort. Aber er hörte weiter zu. Nach all den Jahren, die er ihn verfolgt hatte, musste er endlich diesen Wahnsinn ergründen.

"Doch es waren die Menschen, die das Geschenk nix nahmen an. Sie verstanden es nix. Bekämpften sich. Ermordeten sich. Riefen die Recht des Stärksten aus. Das Geschenk der Götter an die Multiversum, mein Freund: Der freie Wille.

Sie nahmen die Geschenk nix an, verrieten es, badeten im Blut der Feinde.

Ich verließ diesen Ort, suchte nach einem neuen Weg, einem anderen. Ich dachte aus meine Fehler gelernt zu chaben. Wenn die freie Wille wäre die Problem, dann muss man ihn ebenv erchindern. Totale Kontrolle. Das war der nächste Schritt. Ich erschuf ein System, ein perfektes System. Doch die Menschen nahmen es nix an. Sie starben, verkümmerten. Jeglicher Fortschritt, jegliches Leben, jedes Glück, es erstarb. Es war eine tote Welt, belebt mit Lebenden Leichen. Gefühllos. Entsetzlich.

Damals, als mir wurde klar mein zweites scheitern, da spürte ich es die erste Mal. War es wegen die Welt, die ich erschaffen hatte? War es der Tod, der sie anlockte? Ich weiß es nix. Aber ich spürte sie, wie sie kamen, wie sie nächerkamen.

Meine Sinne spielten verrückt, meine Gedanken wurden unklar, wurden wirr. Ich verlor die Kontrolle. All der unterdrückte Hass, all das stille Entsetzen, es brach aus die Menschen chervor. Wie wilde Tiere fielen sie cher übereinander in der Sekunde, als meine Aufmerksamkeit lies nach.

Doch keine Sekunde zu früh. Als meine Welt starb, spürte ich, wie sich die Entsetzlichen wieder zurückzogen in die weiten des Alls.

Ich versuchte es immer wieder, mit mehr Kontrolle oder mit weniger. Mit mehr Anarchie, mit weniger. Mit Selbstbestimmung oder ohne. Doch das Ergebniss war immer das gleiche: Frücher doer später fielen diese wahnsinnigen Menschen über sich cher, der Bruder tötete den Bruder, der Sohn den Vater.

Es ist nur eine Frage der Zeit. Und wenn du musst warten Jahrmillionen. Das Ende ist unausweichlich.

Doch ich lrnte, dass es ist gut so, wie es ist. Denn jedes mal, bei jedem diese Experimente, spürte ich, wie diese... Unaussprechlichen... nächerkamen. Erst der Blutrausch der Menschen, der Tod ganzer Zivilisationen, er chielt sie fern. Er war das Blutopfer, welches die Menschen brachten um sie abzuchalten.

Die Äonen verstrichen, und ich erkannte den Willen der Götter. Die alles entscheidende Frage: Wieviele sind zu opfern, um noch viele mehr zu retten. Wieviel ist dass Leben eines einzelnen Wert? Wieviele würdest du sterben lassen, um das Leben des Universums zu sichern? Einen? Zwei? Milliarden? Tausende von Planeten? Was ist es wert? Wie entscheidest du dich?

Sag es Mirgon, wie entscheidest du dich?

Tötest du mich und rächst all die Menschen, die wegen mir starben? Oder lässt du mich am Leben. Und erkaufst mit dem Blut der Menschen chier auf diese Planeten das Leben alld er anderen im Universum?"


Mirgon sah angewidert zu Kristos. In seinen Augen funkelten Hass und Verachtung. Er ballte seine Faust und rammte Kristos diese in die Nieren. Keuchend brach der alte Mann zusammen. An den Haaren zog er Kristos in die Höhe und donnerte ihm seine Faust ins Gesicht. Er hörte, wie die Knochen der Nase brachen. Nur eine kleine Befriedigung.Er wollte ihm all den SChmerz zurückgeben, den der seltsame alte in seiner pinken Toga über so viele Planeten gebracht hatte. Wollte ihn leiden lassen, so wie jene gelitten hatten. Aber er würde ihm niemals das heimzahlen können. Außerdem musste er die letzte Antwort hören.

Er spuckte dem Mann vor ihm ins blutverschmierte Gesicht.

"Was zur Hölle bist du?"

"Ich bin die Ende, ich bin die Anfang. Ein Reisender. Ein Erkennender und doch blind. Die Jugend und ein gebrochener alter Mann. Ich bin der Prometheus der Welt und bin Pandorra. Ich bin Odin und ich bin Surtur. Abel und Kain. Die all die Gegensätze, welche ihr nix versteht. Wocher ich stamme? Ich weiß es selber nicht. Vielleicht wurde ich geboren in die Ursuppe des Universums, vielleicht in eine alte Bauernchof in Chessenta. Vielleicht auch erst in die Köpfe der Menschen. Vielleicht in die Deutschland im Jahr 1492. Oder auf Nabu in eine Welt, weit weit entfernt.

Oder ich bin all dies auf einmal. Vielleicht ist es alles wahr. Vielleicht ind all die Geschichten gleichwertig. Vielleicht ist die Wahrheit mehr, als wir denken. Sogar mehr als die Summe aller Gedanken und Träume.

Aber ist es am ende nix unwichtig? Ich bin. Und du bist. Und beide sind wir nix als Werkzeuge in eine Spiel, das ist viel größer als wir beide.

Die Wahrheit ist: Du musst dich entscheiden: Foltere, quäle, töte mich. Töte mich, und das grausame Morden durch meine Chand endet chier. Töte mich aus Rache! Denk an all die, die ich gefoltert chabe, die ich töten lies, deren Blut an meine Chande klebt. Töte mich für all die Verbrechen die ich begangen chabe. Töte mich chier und jetzt! Und gib den Opfern endlich Genugtuung, Gerechtigkeit!

Und dann sieh zu, wie die ganze Universum stirbt, wie die Darkbrunnen kommen und es auslöschen, wie sie unaufhaltsam in einer Welle der Verwüstung alles Leben vernichten werden.

Rette das Universum, lass mich Leben. Und mach dich mitschuldig an all jenen, die ich noch töten werde, die ich vergewaltigen lassen werde, die ich aufschlitzen lasse zur Warnung an andere. All jene, die in meinem Namen gequält werden: Denk an sie. Ihr Blut klebt dann an deine Chande.

Sag es mir, Mirgon! Was willst du tun?"


Einige Sekunden stand Mirgon da. Voller Entsetzen und starr vor Angst. Ohne, dass er es merkte, ballten sich seine Fäuste. Die Bilder der Leichen kamen in ihm hoch. Er sah die Berge toten Fleisches vor sich. Wie sie in der Sonne verwesten. All die Gräuel, für die er verantwortlich war. Jener vor ihm. Der nur sterben wollte.

"Was für ein Universum soll das sein, in welchem Abschaum wie du notwendig ist, um es zu erhalten. Werden sie alles vernichten? Wird das Blut aller an meinen Händen kleben? Wer weiß. Sobald sie aus ihren Schiffen kommen, werde ich sowieso sterben. Und dann wird es nichts geben als das Schwarz danach. Das schwarz, das nichts. Keine Schuld, keine Qual."

Kristos lächelte, als Mirgon zu ihm trat und ihm die Speiseröhre aus dem Hals riss. Röchelnd brach er zu Boden. Kaum hörbar formte er in seinen letzten Sekunden ein Wort:

"Danke"

Mirgon blickte hinab auf den toten Leichnahm. Er hatte seine Entscheidung getroffen. Er blickte nicht einmal hoch, als vom Fenster ein lautes Kreischen herdrang. Mirgon wusste, ohne es zu sehen, was es bedeutete: Die Raumschiffe hatten sich geöffnet. Und sie kamen.

Und mit ihnen kam der Tod.
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« Antworten #22 am: 06. August 2008, 15:27:48 »

Epilog

Mirgon stand aufrecht da, als sie die Türe hereinkamen. Er hatte die Augen geschlossen. Er sah sie nicht, er hörte sie nicht. Aber er wusste, sie waren da. Kurz schickte er die Gedanken in die Vergangenheit. Vor Fürstenplane, vor die Zeit beim Meister, vor die Zeit als Söldner. Dahin, damals, als er noch Soldat war. Er dachte an seine Frau. Und seine beiden Kinder. Es war ihm, als würde er ihr sanftes Haar ein letztes Mal riechen. Gerechtigkeit.

Er spürte es gar nicht. Spürte nicht, wie sie ihn durchbohrten.

Nur, wie er immer schneller schwächer wurde, spürte er. Einmal probierte noch die Augen zu öfnnen, nach oben zu sehen, doch es umfing ihn nur Dunkelheit. Stille. Das Ende. Es war vorbei. "Lisa, ich liebte dich", waren seine letzten Gedanken, als er mit einem Lächeln im Gesicht starb. Es war gut. Alles war gut.

Doch es war nicht das Ende.

Er riss die Augen auf. Gellende Schreie brannten in seinen Ohren! Als würde sein Kopf explodieren. Anharmonische Gesänge, brennend wie Nadelstiche. Hitze und Kälte brannte an seinem Körper! Über einer grünen Ebene aus Sand thronte anstatt einer Sonne eine violette metallische Kugel in Perfektion. Seltsame Wesen mit Händen anstatt Augen, zusammengenäht aus Leichteilen, Nieten in ihre Haut getrieben, kamen auf ihn zu.

Sie rammten ihm einen großen Holzpflock in den Rachen! Er versuchte zu schreien, doch musste Husten, als ihm Spähne des Holzpflocks den Rachen aufrissen.

Tränen kamen ihm die Wangen herunter, als... in weiter entfernung, ganz hinten in seinem Kopf, ganz leise eine Stimme lachte:

"kchchchchchchchchchchch...."

The Ende
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« Antworten #23 am: 04. September 2008, 13:51:20 »

Der Wandel

Verflucht. Wieso hatte er das getan. Wieso blos? Kristos wusste es. Es war wegen einer Frau. Schlussendlich war es immer wegen einer Frau. In diesem Fall hieß sie Jade.

Sie hatte ihn wegen des Symbols gefragt. Er erinnerte sich. Lange war es her. Es kam ihm vor wie mehrere Jahrtausende. Es war ein anderes Leben gewesen, eine andere Welt, eine andere Zeit. Damals war alles anders. Chessenta. Das gelobte Reich Tchazzars. So weit weg. Fast vergessen. Und Kristos hatte sich verändert. Und doch ... war er wirklich so viel anders?

Früher, da war ihm nichts mehr heilig gewesen. Er hatte mit dem Leben und dem Tod gespielt. Mit dem Untot. Und heute? Heute spielte er mit ihren Schicksalen. War es richtig was er getan hatte? War es richtig, Jade anzulügen?

Kristos hatte so oft gelogen in seinem Leben. Die Wahrheit? Was war die Wahrheit? Nach all diesen Jahren des Lügens... Wer vermochte das zu sagen?

Müde blickte er in den Spiegel vor sich. Er war alt geworden. Alt und müde. Träge.

Sieh dich an, Kristos. Was ist aus dir geworden?
Fetter alter Mann. Sag mir, Kristos. Wer bist du? Erinnerst du dich noch?

Anfangs beginnt man Dinge auszuschmücken, dann lügt man.. schliesslich werden die Lügen real. Man beginnt selbst daran zu glauben. Und irgendwann kann man sie nicht mehr von der Wahrheit trennen.

Kristos.. sag.. wer bist du wirklich?

Er war der Sohn eines Prinzen gewesen, ebenso der Sohn eines Bettlers. Und der Sohn eines prügelnden Bauerns. Er war das Oberhaupt der Akademie gewesen und doch nur ein unwichtiger Schüler. Ein Nekromant, ein Heiler. Ein Vater, ein Ehemann. Und doch immer alleine. Hatte er einen Imp als Gefährten gehabt? Oder war es nur eine Kuh? Schützte ihn Asmodeus, oder hasste er ihn? Wer war er? Serpentas? Rollie? Kristos?

Kristos wischte sich über das Gesicht. So viele Lügen, so viele Geschichten, die er erzählt hatte. Sogar sein wahres Alter wusste er nicht mehr. Wie alt bist du, Kristos? 50? 1000? Unsterblich wie die Alten?

Und dann war sie gekommen. Jade. Der Schatten der Vergangenheit. War sie real? War irgendetwas real? Waren seine Geschichten real? Lügen, es waren nichts als lügen gewesen. Wie immer. Und doch. Dieses Zeichen. Er kannte es. Er hatte es schon immer gekannt. Es war mehr als nur ein wichtiger Teil seiner Vergangenheit. Doch welcher Teil? Duzende Geschichten vielen ihm ein. Doch welche war die Wahrheit?

War sie Haros Tochter? War sie die Tochter von jemand anderem? War sie am Ende seine Tochter? Oder war es alles nur eine weitere Lüge, die er erfunden hatte?

Er brauchte Gewissheit. Er brauchte Sicherheit. So zeichnete er den Kreis. Mit seinem eigenen Blut. Er legte die Zeichen und begann das Ritual. Er wollte in die Vergangenheit blicken. Gewissheit. Zum ersten Mal seit Jahren. Die Geister der Magie kreischten, die Schatten der Vergangenheit jubelten. Stimmen der Verzweiflung erklangen. Die Hoffnung jubelte, während das Blut brannte. Dann war Stille.

Langsam verließ Kristos seinen Körper. Seine Seele flog in den Strudel der Zeiten, in das Portal der Welten. Zurück wollte er, zurück an den Anfang. zur Wahrheit über Jade. Ein einziges Mal nicht Lügen, ein einziges Mal nicht mit dem Schicksal eines Menschen spielen.

Sein Geist trat aus dem Portal, blickte hinab auf die Welt, die vor ihm lag. Ein wunderbares grünes Land, milde Hügel, umrahmt von Gebirge. Wein und Olivenbäume lagen vor ihm. Chessenta. Land seiner Jugend. Es war wunderschön gewesen.

Doch etwas stimmte nicht. Etwas war nicht richtig. Das war nicht die Welt, die er kannte!!!

Schmerzen! SCHMERZEN! Sein Kopf schien zu explodieren! Was war... hier passiert? Es war wie früher und doch, es war anders. Die Welt, sie schien verzerrt. Die Magie! Sie schrie! Sie brannte in seinem Leib!

Tausende Schreie erklangen in seinem Innersten. Bilder von schreienden, sterben Göttern erschienen in seinem Kopf! Oh, ihr Mächtigen! All diese Toten! All diese Toten!

Kristos versuchte es abzuschütteln, sich zu wappnen. Doch es war so mächtig. Alles war außer Kontrolle. Wie im Zeitraffer sah er es vor sich: Erst starben Götter, dann die Magie, dann veränderte sich alles. Wie ein Ungetüm, ein wildes Monster, schlug die Magie zurück, entfesselte all die Gewalt, mit der sie früher gebändigt wurde. All die Wut über die aufgezwunge Kontrolle entfesselte sich wie ein wild gewordenes Tier.

Kreaturen veränderten sich, Landschaften pervertierten sich, sogar die Schwesterwelten vereinten sich!

All dieser Tod, all diese Zerstörung. All dieser Wahnsinn. Und dieses Lachen. Dieses Lachen... hoch in seinem Thron, eingekerkert jenseits der Welt, saß der Wahnsinnige und freute sich darüber, wie die Welt zu seinen Füssen brannte.

Kristos riss die Augen auf. Er war wieder in seinem Zimmer. Sein Kopf brannte. Und er keuchte. Es war anstrengend gewesen. Mehr als anstrengend. Er war froh, dass er noch lebte. All dieser Irrsinn. Er wusste nicht, wo er gewesen war, ob auf seiner Heimatwelt, oder woanders. War es nur ein Traum gewesen? Oder war es Realität? Aber was er gesehen hatte, es.. erschreckte ihn mehr als alles andere.

Kristos ging zum Waschbecken und wusch sich das Gesicht. Wie sein Kopf schmerzte. All diese Bilder. All dieser sinnlose Tod. Er blickte in den Spiegel.

Wieso, Kristos, wieso hast du es gemacht? Es war wegen einer Frau. Wie immer.
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« Antworten #24 am: 15. Oktober 2008, 14:05:28 »

Was macht man, wenn man nicht weiter weiß?

Genau, man sucht sich Hilfe. Hilfe. Gute Frage, wer kam da in Frage?

Kristos musste Lachen bei diesem Gedankengang. So viele Wortwiderholungen. Was für ein seltsamer Tag. Der Kopf dröhnte, aber zumindest war ihm sein Sinn für Humor geblieben.

Einige Tage waren nun vergangen seit er das Erlebnis hatte. Seine Magie war nicht wieder zurückgekehrt. Ebensowenig hatten sich die körperlichen Auswirkungen gelegt.

Nun stand er im Hafenviertel. Ein neues Geschäft, spezialisiert auf magischen bedarf. Und Del'aila war eine der Inhaberinnen. Nicht schlecht, nicht schlecht. Hier konnte er mit der Suche beginnen. Er trat ein und spürte, wie es ihn mehr und mehr schmerzte. Zu viel Magie war an diesem Ort.

Einige Stunden später war er um eine Erkentniss reicher. Er war von aller Magie getrennt worden. Sie war von ihm gefetzt worden. Und nun? Del'aila gab ihm ein Serum, ein starkes Schmerzmittel, ein Mittel Magie zu unterbinden. Mit starken Nebenwirkungen. Aber die einzige Lösung.

Dieses Zeug half ihm über die nächsten Tage. Aber es war keine Dauerlösung. Zumindest hatte er Zeit gewonnen. Zeit nachzudenken und eine Lösung zu finden.

Und er fand sie. Und sie gefiel ihm nicht. Sie war böse. Und gemein. Und endgültig. Kristos schüttelte sich bei dem Gedanken. Niemals dachte er, dass es so weit kommen würde. Aber... was blieb ihm übrig?
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« Antworten #25 am: 21. Januar 2009, 19:14:05 »

Was er tat, hatte noch kaum jemand versucht. Gelesen hatte er es in alten Legenden, doch niemals hätte er es für möglich gehalten, eines Tages so weit zu gehen.

Der Magie dieser Welt beraubt, schloss er die Augen. Getrennt von dem Gewebe, getrennt von sich selbst und von allem, was er dachte, dass er einst war, ließ er sich fallen. Er träumte einen Traum, einen allerletzten. Den Traum von einer anderen Zeit in einer anderen Welt.

Weit weg gerieten seine Gedanken, schwirrten durch die Erhebungen des Raumes und der Zeit, verloren im Nexus des Verstandes, hinter den Ufern des letzten Horizonts. Was sein würde, war geschehen, und was geschehen war, würde sein.

Seine Seele vereinte den Leib und verließ die Grenze der letzten Barriere. Für die Bruchteile der Sekunden war er eins mit allem und doch nichts. Zum ersten mal war er frei, frei von allem. Aus Stunden wurden Sekunden, aus Sekunden Jahre und schließlich Minuten. Jedes Gefühl war genommen, nur die bloße Existenz geblieben und der Friede, den es mit sich brachte.

Lange schob er die Entscheidung hinaus, lange, vielleicht viel zu lange. Vielleicht auch zu kurz.

Sein Geist formte sich, und stürzte aus den Tiefen seiner Selbst hinab in die Unendlichkeit. Er näherte sich dem Astralen und der Wirklichkeit, flog auf den Schwingen des Äther seiner Zukunft entgegen.

Friedlich ging er hernieder und langsam öffnete er die Augen. Hier war er nun, in einem neuen Traum, der anderen Wirklichkeit. Zum ersten mal seit langem er selber, erhob er sich aus seinem Bett und blickte zum Fenster. Dies war sein Leben. Dieser Ort. Und kein anderer. Kein Traum von einem anderen Leben konnte dies jemals ersetzen. Auch wenn es nur allzu verführerisch gewesen war. Hier nun endete es alles. Hoch oben blickte der Uhrturm über der Stadt Graz hinab auf den Träumer, der aufgewacht war, um sein Leben in die Hand zu nehmen.

Dies war das Ende von Kristos und der Beginn einer neuen Zukunft.

THE ENDE
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« Antworten #26 am: 07. Juli 2009, 19:51:08 »

Ein Tag im Leben des Kristos

"Fragst du dich nicht manchmal auch, wie es ausgegangen wäre, wäre alles anders gekommen?
Sieh ihn dir an, siehst du ihn? Wie er geruhsam in seinem Bette schläft? Dieser hilflose kleine Chessente."


"Auja, Papa, ich sehe ihn. Er wirkt so unbedeutend. So hilflos. Ich habe ihn beobachtet, all die letzten Tage. Er ist lustig. Aber wohl auch sehr dumm. Ich denke nicht, dass er es einmal zu etwas bringen wird."

"Denkst du das also?", langsam legte er die Hand auf die Schulter seiner Tochter und lächelte. "Ich muss dir noch so vieles beibringen. Beobachte ihn weiter. Und lerne"

"Hmpf", beleidigt rümpfte die kleine ihre Nase. Immer war er so bevormundend. Wusste alles besser. Dieser alte Idiot. Aber wirklich. Wieso musste sie jetzt diesem kleinen unbeholfen Mann da auch noch nachsteigen? Hausaufgaben. Bähh. Dazu noch welche, die Arbeit machen? Wo kommen wir denn dahin? Krea wusste eindeutig besseres mit irher Zeit anzufangen als so etwas.

Aber dem Vater widersprechen? Das konnte Übel ausgehen. Nein, das konnte sie sich nicht leisten. Nicht nach dem Vorfall letzte Woche. Sie konnte froh sein, dass sie nicht schlimmer bestraft worden war.

Diesen alten seltsamen Fettsack beobachten und verfolgen? Wenns denn sein musste. Zumindest war er lustig. Es würde wohl Spass machen. Wenigstens etwas....
« Letzte Änderung: 17. Juli 2009, 17:39:25 von Surtur » Gespeichert

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« Antworten #27 am: 16. Juli 2009, 15:03:29 »

Tage vergingen, Krea, brav dem Befehl ihres Vaters gehorchend, nahm ihren Blick nicht von dem kleinen Mann.

So trafen sie einander wieder, der Vater prüfte mit gestrengem Blick seine Tochter. "Nun", fragte er sie, "Wie ist es dir ergangen?"

"Ich habe getan, was du gesagt hast, Papa. Ich habe beobachtet. Und ich habe viel gesehen. Sehr viel. Aber es war auch sehr verwirrend. Hab es nicht immer ganz kapiert."

Der Vater lächelte und deutete ihr an, weiterzureden. Ktea wusste, er würde sie erst erzählen lassen, um ihr erst hinterher all ihre Fehler und Missverständnisse vorzuhalten und sie ihr zu erklären. Aber es wäre doch viel einfacher, wenn er gleich sagen würde, was er von ihr will. Dann könnte sie wieder mit ihren Freundinnen spielen. Immer diese Arbeit. Aber je schneller sie es hinter sich hatte, desto schneller kam sie zu Maraget und den anderen.

"Also, es war so. Ich hab ihm zugesehen. Wie du gesagt hast Ich war sehr sehr artig. Diesmal zumindest.", sie grinste kurz, "Und hab schon ganz in der Früh angefangen. War dass laaaaaaangweilig. Der hat nur geschlafen und geschlafen und geschlafen. Der ist so ein fauler Sack, der ist erst nach dem Mittag aufgestanden! Und was hat er dann getan? Er hat gegähnt und sich den Popo gekratzt! Wirklich! Und das muss ich mir ansehen? Jedenfalls, Papa, auch wenn es sehr sehr sehr sehr Langweilig war, ich habs trotzdem getan. Bin ja eine ganz brave.

 Also, jedenfalls, er ist dann auf, wieder total Langweilig, und hat sich dann vor so ein Ding gesetzt. Es war ganz komisch eckig und aus Metall. Und daneben waren viele Papierzettel und er hat geschrieben und gemalt. Du, Papa, ich glaube der ist eine Art Künstler. Der hat dauernd von irgendwelchen Zetteln abgemalt, die er schon hatte. Und dann hat er sie zerknüllt und wieder neu gemalt. Und dazwischen hat er nachgedacht. Und die Zettel haben alle gleich ausgeschaut. Immer so gerade Linien und Kreise und sowas. Und viele Zahlen und viele Buchstaben. Ganz seltsame Dinge. Aber die waren nicht immer ganz gleich. Fast gleich. Und irgendwie hatte das wohl mit dem Ding vor ihm zu tun, weil... er hat immer dorthin geschaut und dann wieder gezeichnet. Und gerechnet. War ganz komisch das.

Irgendwann hat er geflucht und ist aufgestanden. Dann hat er sich im Zimmer umgesehen, aber nicht wirklich so, als würde er etwas suchen, sondern mehr als, als wäre ihm Langweilig.

Dann ist er auf und aus seinem Zimmer und hinunter. Da waren viele Menschen und die haben ihn gegrüßt. Und r hat sie angelächelt und sich gefreut sie zu sehen. Und kaum war er weg, haben sie ihn ausgelacht. Ich glaube, die Leute tun nur so, als würden sie ihm mögen. Ganz schlimme Dinge haben sie über ihn gesagt. Und ihm ist es nicht einmal aufgefallen. Ich habs mir extra gemrkt, was sie gesagt haben. Will ja, dass du Stolz auf mich bist. Passe ja immer gut auf. Und das zeige ich dir! Ja, ich weiß noch genau, ganz genau, was sie gesagt haben: Sie haben gesagt, dass er es mit Fischen treiben würde, dass er nicht verdient hätte Adept zu sein und dass er mit Langbart schlafen würde. Du, Papa, was heißt das denn?"


Mit fragender Miene sah die Kleine ihren Vater an. Dieser lächelte kurz. Man konnte den Stolz in seinen Augen sehr gut erkennen. Dann sagte ihr, er würde später darauf eingehen, und bedeutete ihr weiter zu erzählen. Leicht schmollend sprach Krea also weiter:

"Also, dann ist er aus dem Turm gegangen. Und zu dem ersten, den er getroffen hat, ist er hin und hat ihn gefragt 'Ich chabe schlechte Tag, chabe ich keine Eier cheute. Wie schaut mir dir aus, chast du Eier'. Und der hat geantwortet, dass er Eier hat. Große sogar. Und er war sauer und böse. Und der kleine Dicke hat gefragt, ob er die Eier haben könnte. Und dann ist der andere noch wütender geworden und hat ihn beschimpft! Ich habe schon gedacht, jetzt streiten die beiden. Aber haben sie nicht, weil der in Pink ist dann gegangen. Und hat den nächsten gefragt. Wieder das gleiche. Und wieder und wieder. Und dann hat aber einer gesagt, er hätte keine dabei. Und da hat dann der aus Chessenta gegrinst. Und wieder ist er weiter und hat alle möglichen gefragt. Und entweder sie hatten keine, oder sie wollten sie nicht hergeben.

Du, Papa, warum ist er nicht zu einem Händler gegangen?


Wieder lächelte der Vater nur.

Jedenfalls ist er dann wieder heim, hat noch was gegessen, keine Eier, hat noch ein bischen weitergezeichnet...Das war irgendwie wieder total langweilig. Aber dann ist er aufgestanden und hat eine Flasche Wein genommen. Er hat die Hälfte weggeschüttet aus dem Fenster und sich dann mit ein wenig davon eingeschmiert am Hals. Dann ist er hinaus. Und er war plötzlich total betrunken. Und ist zu allen hin und hat total verwirrende Dinge gesagt. Von wegen dass er einen Ständer mitgebracht hat. Und alle waren schockiert und wütend. Und dann hat er einen Kerzenständer herausgeholt. Und dann waren alle wieder freundlich und so. Und er hat seltsame Dinge mit anderen geredet, die hab ich gar nicht verstanden. Am Schluss ist er dann noch in ein seltsames Lokal gegangen. Eine Tanztaverne mit halbnackte Frauen. Und dort ist er dann im Bett eingeschlafen. Von einer Rothaarigen, die hat kaum Kleidung angehabt. Die wollte ihn noch streicheln, aber der wollte nicht. Der wollte nur schlafen. Die Weinflasche hat er aber den Rest noch getrunken an dem Abend. Und noch eine zweite."

Der Vater war kurz ein wenig schockiert, dass seine Tochter in das Bordell gefolgt war. Aber zum Glück war ja nichts schlimmes passiert. Dennoch musste er lächeln. Sie hatte sehr genau beobachtet. Jede Einzelheit hatte sie sich gemerkt. Aber verstanden hatte sie wenig. Zu wenig. Aber das machte nichts. Andere würden es verstehen. Andere, welche sie beide gerade beobachteten.

Doch diese Antwort muss sich ein jeder von euch selber geben.

THE ENDE
« Letzte Änderung: 06. August 2009, 17:29:06 von Surtur » Gespeichert

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