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Autor Thema: Krezk - Geschichten des Wahnsinn  (Gelesen 6156 mal)
Surtur
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It's Buddy Kristos


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« am: 27. Dezember 2007, 11:19:07 »

Krezk - Geschichten des Wahnsinns

Gefangen außerhalb aller Wirklichkeiten, eingekerkert in dem Tiefsten aller Abgründe. Gestrandet am Rande aller Höllen, im Herzen der Begierde, am Gipfel der Lust. Jener Ort, an welchem Hass und Liebe, Schmerz und Freude, Freundschaft und Feindschaft, Vergnügen und Leid verschmelzen, der Himmel zerrissen durch Schreie tausender Seelen... Über allem die göttliche Sonne, rufend, lockend... Hier an jenem Ort, weit außerhalb jeglicher Vorstellungskraft... hier beginnt unsere Geschichte.

Unsagbar wie viel Leid er schon ertragen hatte, gefoltert, getötet, ausgeweidet und wieder erweckt, von Wesen ohne Gestalt, tausende Münder schreiender Seelen, fauliges Fleisch vermodernder Leichen, zusammengenäht, mit rostigen Instrumenten der Qual bestückt. Eiternde Geschwüre einer Welt ohne Sinn und Verstand. Und doch voller Gefühl. Ein jedes mag ausgekostet werden, ein jedes zelebriert. Bis zum Rande des Unvorstellbaren.

Der Fremde stirbt. Doch es war nicht das Ende. Der Wahnsinn hatte erst begonnen.


Kapitel 1 - Qualen der Welt, oh umschlingt mich doch! Möge mich der Wahnsinn suchen und mein Leid ein Ende nehmen!

Kapitel 2 - So endet die Qual und eine Neue beginnt. Ehre das Leben, mein Freund.

Kapitel 3 - Der Anfang der Reise ist getan. Es gilt neue Welten zu erkunden, neue Erfahrungen zu sammeln. Und die Liebe des Schöpers in ihre Herzen zu senden.
« Letzte Änderung: 14. September 2009, 01:22:50 von Surtur » Gespeichert

Surtur
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It's Buddy Kristos


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« Antworten #1 am: 02. Januar 2008, 18:37:25 »

Kapitel 1

Schrecken

Er hatte die Augen geschlossen. Er wollte sie nicht mehr öffnen. Liegenbleiben. Die Ruhe geniesen. Die wenigen Minuten, die ihm blieben.

Eifnach liegen. Unwissend, wie oft es schon geschehen war. Was sie ihm alles angetan hatten. Am Anfang hatte er noch versucht mitzuzählen und sich zu erinnern. Vergeblich.

Sollte er seine Hände bewegen? Sie lagen am sandigen Boden. Doch waren sie wirklich da? Hatten sie sie ihm nicht am Lebenden Leib abgefressen? Und dann in Säure getaucht? War es nur Einbildung, oder war da wirklich Sand unter ihm? Spielte ihm Gehirn einen perversen Streich? Wie konnte das sein?

Die Panik begann hochzustiegen. Und doch, oder gerade deswegen, wagte er es nicht die Hand zu bewegen. Was wenn sich nichts ändern würde, wenn er die Bewegung nicht spüren würde. Er kannte die geschichten von jenen, die ihre Gliedmaßen verloren hatten und sie doch noch immer spürten. Oder noch schlimmer.... Wenn sie noch da waren... und die Wesen es merkten. Merkten, dass er bei Bewusstsein war?

Sie waren dort, irgendwo. Er wusste es. Sie waren immer dort, immer wenn er die Augen öffnete. Misstaltete Wesen. Sie standen auf 2 Beinen, ähnlich einem Vogel, ihr Leib war aufgedunsen, hässlich, viel zu massig für die kleinen Beine. Mit ihren Krallen schabten sie am Boden. Auf ihrem Leib trohnte eine runde Kugel. Fast wirkte sie wie ein Kopf, doch fehlten Augen, Nase, Mund, Ohren. Anstatt dessen kam Arm aus der Mitte hervor. Lang und dünn. Aber immens stark. Ihm zu entkommen war unmöglich. Er hatte es oft genug versucht.

Der Arm war mit scharfen Krallen besetzt. Er spürte noch immer, wie sie sich in sein Fleisch gebohrt hatten, wie sie ihm die Haut vom Leib gezogen hatten. Wie er geschrien hatte, zu den Göttern geschrien hatte, um Vergebung geschrien hatte. Geweint hatte.... Angefleht ihn gehen zu lassen, angebettelt. Was wollten sie von ihm? Sie hatten nicht geantwortet. Nur stur weitergemacht. Ohne zu zögern. Ohne zu antworten.

Warum? Warum er? Wieso das alles? Was wollten sie von ihm? Die Fragen brannten in seinem Geist.

Noch immer lag er da. Er wusste, wenn er die Augen öffnen würde, würden sie wiederkommen. Und dann würde wieder etwas geschehen. Was immer es war. Er hatte keine Ahnung. Aber es würde schrecklich werden. Sie würden ihn halten, sie würden ihn ansehen. Mit ihren Augen. Diese AUGEN! Diese schrecklichen AUGEN!

Sie starrten ihn an, direkt aus ihren Handflächen, wenn sich diese spinnenartigen Finger mit den langen scharfen Krallen öffneten. Sie blickten ihn an. Kalt und eckelhaft. Roter Schleim tropfte aus ihnen heraus. Es brannte wie Säure, frass sich durch seine Organe.

Oh, ihr Götter, bald würden sie kommen. Er wagte es nicht sich zu bewegen. Sie würden es sehen. Ihr Götter! Und seine Hand. War sie da? Bildete er es sich nur ein? Wie gerne würde er sie bewegen, wie gerne würde er sehen, ob sie da war. Aber... er konnte nicht.

Er spürte, wie seine Nase zu jucken begann. Er wollte sich kurz kratzen. Kurz zuckte er mit der Hand.

Sie war noch da.

Den Göttern sei Dank. Aber hatten sie das gesehen? Hatten sie es gemerkt? Würden sie jetzt kommen? Er wagte es nicht seine Augen zu öffnen.

Sein Herz begann zu rasen.

Doch er hörte nichts. Aber das bedeutete nichts. Sie waren leise. Oft zu leise. Sie kamen ohne dass er sie hörte. Und dann kreischten sie. Sie kreischten in seinem Kopf. Zermürbten alle seine Gedanken. Sie kreischten so laut, dass er nicht schlafen konnte, nicht seine Gedanken ablenken. Nur der Schmerz. Dieser immerwährende Schmerz. Verbrannt, verätzt, geschockt, gehäutet, verstümmelt, das Herz herausgerissen. Wie oft hatten sie ihn schon auf grausamste Weise getötet. Nur damit er immer wieder aufwachte. Immer wieder. Und es von vorne beginnen konnte.

Nein. Nein. Wieso? Wieso er? Wieso?

Er konnte nicht mehr, er konnte nicht mehr. Es war das Ende seiner Kräfte. Aufschreien, schluchzend zusammenbrechen, sich krümmen in seinem Leid. Wie sehr er sich das wünschte. Aber er konnte nicht, er musste regenungslos verharren. Sie durften nicht wissen, dass er wach war. Sie durften es nicht wissen.

Dann war es ihm als würde sein Herz für Sekunden stehenbleiben. War es Einbildung? Nein, da war es wieder. Er hörte sie. Er hörte wie sie kreischten. Wie sie nach ihm verlangten. Er spürte es in seinem Inneren. Sie kamen, SIE KAMEN! Er spürte es an seinem ganzen Körper. Nein. Nicht schon wieder. Nein. Nein, bitte nicht., Nein. Nicht. Nicht sie, NEIN!

Er riss die Augen auf, starrte in die Arme, die nach ihm griffen! Sie trugen lange Nägel mit sich. Dann schlugen sie die Haken durch seine Unterarme. Dieser Schmerz! Er stöhnte auf, versuchte das Gefühl in seinem Innersten zu unterdrücken. Bald würde es vorbei sein, bald war er tot, bald war es vorbei.

Die Menge der Wesen teilte sich. Und zwischen ihnen erschien Es. Es war größer als die anderen. Aber auch Es stolzierte auf diesen beiden Beinen. Auch Es bestand aus diesem kugelförmigen, aufgedunsenen Etwas, dass wohl der Körper sein mochte. Übersäht von eckelhaften Geschwüren. Und dieser Kugel als Kopf. Doch anstatt der Arme besaß Es etwas anderes. Es war metallisch, es war spitz, ein dünner Kegel. Und Es drehte sich. Kreischend näherte sich das Ding dem Festgenageltem. Götter, es war eine Art Borhmaschine!

Er versuchte zu entkommen, versuchte sich herauszuwinden, doch er konnte nicht. Langsam floss das warme Blut über seine Arme. Dann griffen sie nach seinem Kopf. Sie hielten ihn fest, zu zweit. Dann kam ein dritter und presste ihm etwas in den Mund, es war aus Metall, eine Art Platte. Er versuchte sich zu wehren, presste die Zähne aufeinander, aber dem Arm war das egal. Der Arm schob das Metall so stark in die Zähne, dass sie splittterten. Der Schmerz war unerträglich.

Ein Schrei entrang seiner Kehle, während die Platte in seinem Mund an ihre Position gelangte. Mit Schrecken sah er zu, wie der Arm die Platte aufdrehte. Sein Kiefer öffnete sich gegen seinen Willen. Sein Mund öffnete sich immer weiter. Ein zweiter Schrei, als sein Kieferknochen barst! Ihr Götter! Und wie sich die Knochensplitter durch seine Wangen und sein Gesicht bohrten!

Unaufhaltsam kam der Borher näher. Näher und näher. Mit einem ohrenbetäubenden Kreischen senkte sich der rotierende Kreisel in seinen Mund.

Ein dritter Schrei wurde abgewürgt durch das Blut, welches langsam seine Kehle hinabrann. Er versuchte zu husten, dabei drang der Bohrer jedoch nur noch tiefer. Oh ihr Götter, diese Schmerzen, als er sich quer durch die Wurzeln bohrte.

Wieso, wieso er? WIESO?

Er wollte sterben, endlich sterben. Doch dann würde nur alles wieder von vorne beginnen.

Keine Katharsis, keine Erlösung.
« Letzte Änderung: 10. September 2009, 17:00:40 von Surtur » Gespeichert

Surtur
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It's Buddy Kristos


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« Antworten #2 am: 16. Januar 2008, 10:29:41 »

Akzeptanz

Er schlug gegen die Wand und fluchte. Verdammt.

Wie lange war er jetzt hier? Keine Ahnung. Es schien ihm Ewigkeiten her.

Es hatte angefangen wie alles anfing: Er war am Boden gelegen. Ruhig. In Dunkelheit. Mit geschlossenen Augen, wie immer. Wartend, dass sie kamen. Was sie wohl dieses mal mit ihm vorhatten?

Seltsam, wie die Schrecken und der Schmerz nach einer Weile nachliesen. Wie selbst das warten auf den größten Horror mit der Zeit zur Routine wird. Und selbst die schlimmsten Gräuel ertragbar zu scheinen werden. Man muss ihnen nur lange genug ausgesetzt werden und... man merkt, wie ein Schmerz einen anderen lindern kann.

Ein Schauer rann ihm über den Rücken, dann schüttelte er sich bei dem Gedanken. Er musste an etwas anderes denken. Weg von dieser Dunkelheit, die ihn in seinem Kopf immer wieder überkam.

So hatte er nun gelegen und gewartet. Gewartet, dass sie kamen. Aber sie kamen nicht. Nach einer Weile hatte er die Augen geöffnet, sich umgeblickt. Doch da war nur Dunkelheit.

Vewirrt hatte er sich umgetastet. Er war Umgeben von Metall. Unter ihm, der Boden war aus warmen Metall, und die Wände ebenfalls. Alles schien aus Metall gemacht. Ohne Kratzer, ohne Unebenheiten. Auch über ihm die Decke war aus Metall gemacht.

Da wurde es ihm schlagartig bewusst: Er war eingeschlossen: In einer Zelle, kaum 2 Meter lang, 1 Meter breit und 1 Meter hoch. Und er bemerkte keinen Spalt, durch welchen Luft eindrang. Keine Öffnung, durch welche er sich befreien konnte. Er war.. lebendig begraben!

Panik stieg in ihm hoch. Er würde hier elendiglich ersticken. Aber noch imemr besser ersticken, als langsam am Sinnesentzug zugrunde zu gehen! Ja, er würde ersticken. Er fühlte bereits, wie ihm die Luft knapp wurde. Immer tiefer versuchte er die Lungen zu füllen, begann zu Hyperventilieren. Gleich war es aus mit ihm!

Nein! Noch nicht. Noch nicht. Er durfte nicht. Flach atmen. Ganz flach. Die Luft war begrenzt. Haushalten war angesagt. Rationieren.

Aber wozu eigentlich? Wenn er sterben würde, würde sowieso alles nur wieder von vorne beginnen. Lass dich sterben, dann bist du wengistens aus diesem Loch herausen. Warte einfach ab, bis du tot bist, zumindest bist du dann wieder frei.

Frei? Nein, dann kommen sie wieder und foltern dich, masakrieren dich aufs neue. Nein, bleib hier, hier bist du in Sicherheit, hier hast du deinen Frieden. Hier tun sie dir nichts. Vermutlich beobachten sie dich. Von außen. Irgendwie. Sie schauen dir zu und ergözen sich.

Eine Anwanldung von Mut. Mut der Verzweiflung. Und des Trotzes. Er grinste kurz und zeigte den Wänden den Mittelfinger:

"DA! Das könnt ihr haben! Ihr Arschlöcher! DA! Ich werde hier nicht sterben! Ich werde hier aushalten! So lange ich kann! Ihr verdammten Arschlöcher! Ihr bekommt mich nicht klein!"

Gemütlich rbeite er sich aus, verschränkte die Arme hinter dem Kopf. So würde er weniger Sauerstoff verbrauchen. Langsam schloss er seine Augen. Ganz ruhig. Leg dich hin und atme seicht, atme ganz wenig, atme nur so viel nötig. Und beweg dich kaum.

Und so lag er da.

Er lag und lag. Und lag.

Nach einer Weile begannen seine Gedanken zu kreisen. Zum ersten Mal hatte er die Möglichkeit zurückzudenken. Wie lange war er schon an diesem Ort? Tage? Wochen? Jahre?

Es kam ihm vor, als wäre es Jahrmillionen her, dass er bei seiner Familie war. Seine Familie. Er konnte sich kaum mehr an sie erinnern. Wage sah er die Gesichter vor sich. Aber sie verschwammen immer mehr. Desto stärker er sich konzentrierte, desto undeutlicher wurde die Erinnerung. Er hatte eine Frau gehabt. Wie war noch ihr Name? Li.. Li... Lisa? Möglich. Und hatten sie Kinder gehabt? Oder wollten sie Kinder? Hatte es funktionert?

Er atmete tief durch. Nur keine Panik bekommen. Nur keine Panik. Das kostete Sauerstoff. Es würde ihm schon wieder einfallen. Der Name war da, ebenso das Gesicht. Mit der Zeit würde es ihm einfallen. Ebenso würde ihm einfallen wie er hier her kam. Hier an diesen Ort.

Was hatte er getan? War er gefangengenommen worden? Er wusste es nicht mehr. Verschwommen sah er Bilder vor sich. Da war eine Verletzung an seiner Hand, an seinem Arm. Das Blut rann heraus. Er erinnerte sich, wie er schwächer wurde. Aber war das davor? Oder war das eines der Dinge, welche sie ihm angetan hatten?

Er war so oft gestorben, er hatte aufgehört darüber nachzudenken. Gestorben. Wie seltsam das Wort klang. Wenn er so oft gestorben war, müsste er dann nicht tot sein? Tot und nicht hier?

Er wagte gar nicht, weiter nachzudenken, diesen enunmal verfluchten Gedanken festzuhalten. Nein, er war nicht tot, das war nicht das Jenseits, das war nicht die ewige Strafe für seine Taten. Das musste... das war... das war alles nur ein Traum. Das waren alles nur Gespinste in seinem Kopf.

Doch wenn es nur in seinem Kopf war, wie konnte er dann ersticken? Was brachte es dann, wenn er hier lag und sich nicht rührte? Was würde sich daran ändern? War das wirklich Luft, die er da atmete?

Wenn dies alles nur Fiktion war, alles Erfindung.... Nein, dann war das gar keine Luft, dann war er hier gar nicht eingesperrt. Dann musste es einen Weg geben, einen Weg heraus.

Er sprang auf, tastete die Wände ab. Scheiss auf den Sauerstoff! Scheiss auf das Ersticken! Das alles war nur in seinem Kopf. Er würde hier herauskommen, er musste es nur wollen.

Seine Hand tastete über das Metall. Totale Konzentration. Hinaus, er wollte hinaus. Es gab keine Wand. Es gab keinen Löffel. Hinaus! Die Hand würde durch die Wand dringen! Die Hand würde durch die Wand dringen. Die Hand durch die Wand! Jetzt!

Und so drückte er seine Hand dagegen. Doch es geschah nichts. Nicht einen Milimeter drang die Hand ein. Nichts. Nur hartes, undurchdringliches Metall.

Er versuchte es wieder. Und wieder. Und immer wieder. Doch es geschah nichts.

Er schlug gegen die Wand! Und fluchte! Verdammt!

Immer wieder probierte er es weiter, probierte es fast panisch. Dies war seine einzige Hoffnung. Er musste es schaffen. Er musste hier herauskommen. Wieder ein versuch, wiede rein Fehlschlag!

Dann stoppte er. Es war irgendwie fast ein wenig komisch. Er begann zu grinsen. Hier war er nun, nach unzähligen Folterungen, endlich in einer Kammer, wo ihm nichts passieren konnte. Und er versuchte herauszukommen. Wie ironisch.

Und doch war das das einzige, was ihm blieb. Wie mitleiderregend war er. Wie erbärmlich. Was bist du doch für ein Haufen Scheisse.

Verzweiflung überkam ihn. Womit hatte er das verdient? Er lachte. Natürlich war das nur irgendein Scherz! Vermutlich war er selber der Scherzbold. Das war alles in seinem Kopf! Natürlich! Er selber bestrafte sich! Er selber hatte dies erschaffen und folterte sich in alle Ewigkeit. Natürlich!

Immer lauter lachte er! Das war doch Wahnsinn! Er war Wahnsinnig! Wahrscheinlich war er in irgendeinem Raum auf irgendeiner Irrenanstalt! Und alles würde wieder gut werden. Sie würden ihn beobachten, während er ihnen von weißen Kanninchen erzählte! Vermutlich war seine Frau da! Die Frau ohne Namen mit den Kindern, die er hatte oder auch nicht. An die er sich nicht erinnern konnte!

Er war verrückt! Er war Irre! Verrückt! Irre! Das war es. Und es gab kein Entkommen daraus! Es gab kein Ende! Er würde für ewig in seinem Wahnsinn gefangen sein! Toll war das! Wunderbar! Ja!

Er riss sich an den Haaren. Dieser Schmerz, er war nicht real, nichts war real, kein Sauerstoff, kein Ersticken, keine verdammte Wand! "KEINE WAND!", brüllte er durch den Raum. Doch sie war da. Sie war da. Sie war fest und hart. Undruchdringlich. Diese verdammte Wand.

Er schlug gegen die Wand, immer fester. Immer fester. Er schlug und schlug. Er musste durch diese Wand. Dahinter lag vermutlich sein Verstand. Hier zu entkommen war die letzte Hoffnung. Er schlug und schlug. Immer fester schlug er. Blut begann von seinen Knöcheln auf den Boden zu tropfen, die Knochen brachen, wieder bohrten sich die Splitter tief ins Fleisch! Und doch spürte ernichts mehr. Nur noch den Wahnsinn.

Nach einer Weile war er erschöpft, er hatte keine Kraft mehr und brach zusammen. Ohne Kraft schlug er gegen die Wand. Seine Hand war zermatscht, sie bestand nur noch aus Blut, Fleisch und zersplitterten Knochen. Doch der Schmerz erreichte seinen Kopf nicht mehr. Unaufhörlich blutete er weiter. Er spürte, wie die Kraft schwand. Wie er müde wurde. Bald würde er einschlafen. Und sterben. Wie er so oft gestorben war.

Er schloss die Augen. Er wusste, wenn er sie öffnete waren sie wieder da. Ein seltsam beruhigender Gedanke.
« Letzte Änderung: 30. Juni 2008, 10:56:30 von Surtur » Gespeichert

Surtur
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« Antworten #3 am: 24. Januar 2008, 17:44:29 »

Freude

Das Fleisch, es lebte, es krümmte sich, es bewegte sich. Der Boden, die Wände, die Decke, alles puslierte, alles zuckte. Alles war aus fleisch. Alles um ihn herum lebte. Wenn er die Hand an die Wand legte, spürte er den Puls. Er war schon oft hier gewesen. Nun... hier oder in einem anderen, ähnlichen Gang. Gänge aus Fleisch, Gänge aus Lebenden Eingeweiden, stinkend, schmatzend.

Aber es gab viele Orte, die er hier gesehen hatte. Orte unter freiem Himmel. Eine Ebene, bedeckt mit rotem, heißem Sand. Darüber zogen die grünen und blauen Wolken vorbei. Es war trocken. Und auch wenn die Wolken nach Regen aussahen, so regnete es nie. Unerbitterlich schien die Hellblaue Sonne vom violetten Himmel herab. Nur um daraufhin die Farbe zu wechseln. Plötzlich war der Sand weiß, die Sonne Grün und der Himmel Rot. Alles schien sich zu ändern.

In der Ferne sah er, wie Berge aus dem Boden wuchsen, riesige Gipfel sich empor türmten, nur um kurze Zeit später wieder zusammenzubrechen und zu vergehen.

Neben diesen Ebenen gab es noch den Metallkäfig. Glatte Wände, Glatt und furchtbar. Eng und heiß. Alleine mit den eigenen Gedanken. Was für eine schreckliche Folter. Einige Male war er schon dort drinnen gewesen. Und er hatte ihn gespürt, den Wahnsinn. Wie er Besitz von ihm ergriffen hatte, wie er versucht hatte ihn abzuschütteln. Vergeblich.

Immer mehr zweifelte er an sich selber, an seinen Sinnen, an dieser ... Realität. Dies hier, es war alles so falsch, alles so verdreht, verzerrt, es war alles so anders.. so pervertiert.

Und das schlimmste: Er war sich sicher: Dies war alles nur in seinem Kopf. Er hatte den Verstand verloren. Es gab keine Erlösung aus diesem Labyrinth, aus diesem Schmerz und der Pein. Dies war seine Strafe, seine selbstauferlegte Strafe.

Hier war er nun in diesem Gang. Vor ihm lag ein Durchgang. Erinnerte ein wenig an einen Schliesmuskel. Riesengroß. Eine lebendige Türe. Schmatzend zog jener sich zusammen, öffnete sich leicht und zog sich noch weiter zusammen. Er betrachtete den Muskel, den Gang, betrachtete das Fleisch. Früher hatte er sich erschreckt vor alle dem. Voller Furcht war er gewesen, hatte sich versucht, mit schreckgeweiteten Augen in Eckel abzuwenden. Aber jetzt... er betrachtete es. Es war wunderschön. Diese Adern, wie sie das Fleisch durchzogen. Blau pulsierten sie vor ihm. Es war... als wäre es von einer wunderbaren Gottheit erschaffen worden. Als wäre jedes Äderchen an seinem perfekten Platz. Erschaffen von einer perfekten Gottheit. Der Gottheit wahrer Schönheit.

Diese Perfektion, diese Exaktheit, dieses Chaos. Es sah aus, als wäre alles nur chaotisch gewachsen, unkontrolliert, ungeplant... aber das war es nicht. Nein, es war mehr. Es war genau so, wie es sein sollte. Es war perfekt.

Lange stand er da und betrachtete es, ehe er die Hand zögerlich darauf legte. Sofort regierte der Muskel und schmatzend öffnete er sich. Er gab einen Durchgang frei in einen weiteren Raum.

Auch hier waren die Wände, der Boden, alles war aus Fleisch. Der Raum war viereckig, und die Wände krümmten sich, vibrierten, zuckten. Gelber Schleim rann an ihnen entlang zu Boden.

Gerne hätte er länger die Perfektion dieses Gebildes beobachtet. Doch sein Blick glitt auf den Tisch vor ihm. Dieser betand aus Metall. Klar und dunkel schimemrte er. Was für ein setlsamer Kotnrast zu dem organischen Gebilde um ihn herum. Mit spitzen Nägeln hatte man den Tisch tief im Boden verankert, dabei tiefe Wunden hineingerissen. Diese waren noch nicht verheilt. Eiter hatte sich um die Einstiche gebildet. Dicke blaue und grüne Adern zogen sich spinnenartig hin zu den Wunden. Es war ein eigenartiges Gefühl, dies zu beobachten. Zum ersten Mal seit langer langer Zeit, zum ersten Mal, dass er sich erinnern konnte, verspürte er keine Angst. Überhaupt keine Angst. Etwas neues war an seine Stelle getreten. Es war Neugierde, es war... Verbundenheit.

Er hatte es schon länger bemerkt. Es hatte sich etwas verändert in ihm. Diese Wesen, die ihn folterten. Anfangs empfand er nur Angst und Schrecken, später dann unbändigen Hass für sie. Er wollte sie zerfetzen, wollte sie töten, wollte sie vernichten, für das, was sie ihm angetan hatten. Aber irgendwann hatte er eingesehen, wie sinnlos es war. Es gab kein Entkommen aus dieser.. Wirklichkeit. Es gab nichts anderes. Es gab nur dieses hier. Dies war alles. Wohin hätte er gehen sollen, was hätte er tun sollen? Es gab nur dies hier. Und ihn. Und seinen Verstand. Produkt seines Verstandes. Unreal. Niemals wirklich. Philosophen hätten gesagt: Er dachte, also war er. Nein... sein Unterbewustsein dachte... und es geschah.

Was für einen Sinn hatte es, gegen sein eigenes Selbst zu rebellieren? Was hatte es für einen Sinn sich zu wehren? Es ergab keinen Sinn. Es ergab alles keinen Sinn. So ergab er sich seinem Schicksal. Er nahm es an. Und hasste sich dafür. Oh wie recht sie hatten ihn zu foltern, wie recht sie hatten ihn zu töten. All diese Schmerzen. Wer hatte es verdient, wenn nicht er?

Und desto mehr er sich fallen lies, desto mehr er sich treiben lies, desto mehr lernte er: Der Schmerz... er war ein seltsames Geschenk. Seltsam... dass ein Schmerz, der den anderen lindern konnte. Seltsam... wie die Schmerzen, die ihm die Wesen zufügten, die Schmerzen in seinem Innersten nahmen. Es war.. als würde er Buße tun. Buße für .. das, was er sich selbst antat.

Anfangs noch abstossend und gräulich, klangen ihre Stimmen mit der Zeit in seinem Kopf fast lieblich. Wie seltsame Liebkosungen. Was anfangs schrill und verstörend war, was keinen Sinn ergab, was seinen Kopf zerspringen ließ, wie tausende Nadelstiche, es ergab langsam eine Melodie. Und er lauschte. Und desto mehr er lauschte, desto mehr verstand er sie. Sie war komplex, sie schien keinen Sinn zu ergeben. Seltsame Rhymtik und Tonalik wechselte sich ab. Aber... das war nur auf den ersten Blick so. Er bemerkte wie in diesem Chaos, diesem Gewirr der Geräusche, eine seltsame Perfektion lag. Und wie er sie genoss.

Tief durchschnaufend riss er sich abermals aus einen Gedanken. Es war an der Zeit seien Aufmerksamkeit dem Tisch zu widmen.

Da war jemand. Er schien zu schlafen. Über seinem Gesicht war eine Kapuze. Schwer zu erkennen, wer es war. Aber es schien.. menschlich. Menschlicher als all die Wesen, die er bisher gesehen hatte. Wie das große Monster, dass ihn gefressen hatte. Er hatte es noch häufiger erblickt. Es war eine Art Sammelmaschine. Es sammelte die Klagenden, die Schreienden ein. Und brachte sie zu den anderen. Zu jenen Wesen, welche mehr einem Vogel glichen, aber statt ihrem Kopf und ihrem Schnabel hatten sie einen Arm, mit einer Hand und einem Auge in der Handfläche.

Neben diesen beiden hatte er noch viele andere gesehen. Einige waren schleimig, schienen nur aus Augen und Tentakeln zu bestehen. Geifernd griffen sie nach einem. Ihre Berührungen brannten wie Feuer auf der Haut. Dann gab es noch die Zusammengesetzten. Sie waren alle anders. Sie bestanden aus unförmigen Körperteilen, welche zusammengenäht und zusammengebunden erschienen. Alles an ihnen war verdreht, verzerrt. Dort wo ihre Arme sein sollten, waren ihre Augen. Während die Arme auf ihrem Rücken befestigt warn und ein Bein auf ihren Köpfen, war ein anderes auf ihrem Bauch befestigt. Andere wieder waren verkehrt zusammengenäht. Ihre Füsse waren oben, ihre hände dort, wo die füsse waren. Ihre augen war am Bauchnabel und vier Münder dort, wo die Brustwarzen einst waren.

Wieder andere waren aufgequollen und riesig groß. Statt Armen waren ihnen mächtige Schwerter angenäht worden. Tausende Augen beobachteten die Umgebung, während all das Gewicht dieser aufgeblähten Bestien auf zwei kleinen Füssen wie dem eines dreijährigen Mädchens trohnte. Man mochte meinen, die Füsse würde unter dem Gewicht der Mosnter brechen. Aber dies taten sie nicht. Selbst die Gesetze der Physik wurden von diesem Ort gebrochen.

All diese Wesen hatte er gesehen. Aber so etwas wie jenes vor ihm, so etwas, hatte er schon ewig nicht mehr gesehen.

Langsam ging er zu ihm, überlegte eine Weile, ehe er die Kapuze vom Kopf zog.

Und er erstarrte.

Mit großen Augen starrte er auf das Wesen. Das konnte nicht sein. Dies konnte nicht sein! Wie sollte dies Möglich sein! Sein Verstand! War er nun endgültig wahnsinnig geworden?

Auf dem Tisch vor ihm. Da lag er! ER SELBER! Niemand anderes als er selber lag hier vor ihm! Hier an jenem Ort! Und mit schreckgeweiteten Augen starrte dieses Ich vom Tisch nach oben! Es schrie um Hilfe, es schrie um Vergebung! Es schrie um Gnade!

Er taumelte zurück. Was ...? wie...? Wieso...?

Da hörte er die Melodie in seinem Kopf. Wie sie zu ihm flüsterte, wie sie zu ihm sprach. Und plötzlich verstand er es. Es war ein Geschenk. Es war sein Geschenk. Hier hatte er es nun. Hier hatte er sich selbst. Hilflos. Gefesselt. Und niemand würde ihn verurteilen. Vor ihm lag die Bestie. Vor ihm lag jener, der Schuld war. Vor ihm lag das eigene Verbrechen! Dieser hatte ihn an jenen Ort gebracht! Dieser hatte ihn in den Wahnsinn getrieben! Er war schuld an alledem! Er! Und nur er alleine!

Er begann zu zittern, als er nähertrat. Nach vorne gebeugt trat er näher, musterte sein festgebundenes ich. Er musterte, er schnüffelte. Er würde sich Zeit lassen. Er hatte alle Zeit der Welt. Alle Zeit, die er brauchte. Oh, es würde wundervoll werden. Endlich war es so weit. Er biss sich auf die Lippe, während der Körper vor Erregung bebte.

Nun war Zeit... Zeit für Rache... oh wie wudnerschön sie doch war.. so süß... so wundervoll....
« Letzte Änderung: 30. Juni 2008, 11:18:00 von Surtur » Gespeichert

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« Antworten #4 am: 08. Februar 2008, 19:06:34 »

Ende vom Anfang

Hysterisch lachend nahm er den Hammer und die rostigen Nägel, welche bereit lagen, und hämmerte sie in das Fleisch des Gefelsselten vor ihm. Jener sah aus wie er selber. Und er war wohl auch er selber. Und doch... es gab nichts mehr, was ihn an diesen Band. Abgrundtief hasste er dieses gefesselte Wesen, diesen Verräter. Endlich hatte er einen Kanal gefunden, all den Hass, all die Wut hinauszulassen.

Anfangs wollte er es geniesen, sich Zeit nehmen, aber schon bald merkte, wie er sich nicht zurückhalten konnte. Die Macht seiner Gefühle kochte hoch, alles in ihm begann zu rasen, schaukelte sich hoch zur Extase. Ihm fiel ein Spruch ein, dass Rache sinnlos wäre und man sich dannach nicht besser fühlen würde. Wie gecheuchelt diese Worte waren, wie gelogen. Man fühlte sich besser, und um wieviel besser.

Desto mehr der Gequälte vor ihm schrie, desto wohler tat es ihm. Mit jedem Schmerz, mit jedem rostigen Nagel, mit jedem Schlag tötete er den letzten Rest Menschlichkeit ab. Wie ein grauenhaftes Sinnbild. Das weiche, das unvollkommene musste sterben. Um etwas neuem Platz zu machen. Seine Haut brach auf, seine Haar fielen zu boden. Als würde eine wertlos gewordene Hülle platzen. Darunter erschien sein neues Ich.

Formlos, blau, wabernd. Unzählige Tentakel schossen hervor und führten die Arbeit weiter. Augen erschienen überall auf seinem Leib und er hörte, wie die Stimmen in seinem Kopf immer lauter nach ihm riefen. Es waren die anderen. Sie hießen ihn willkommen, sie freuten sich, dass er zu ihnen kam. Verschmelzen sollte er mit ihnen, eins werden. Lockend, bezirzend. Und er genoss es. Diese schönen Dissonanzen, ohne Meldoien, ohne Ordnung, schmerzend im Kopf. Wie wudnerbar perfekt sie doch waren. Und wie herrlich sie zu den Schmerzensschreien seines Opfer passten.

Lächelnd hämmerte er auf den darniederliegenden ein. Dann stoppte er. Es kostete ihn Kraft, sich zurückzuhalten. Aber er wollte es geniesen. Langsam bewegte er sich näher zu dessen Kopf, blickt aus tausenden Augen auf ihn herab. Blut rann über dessen Kopf und tropfte zu Boden. Die Augen waren vor Entsetzen geweitet und er schrie. Er schrie zu irgendwelchen Göttern, welche keine Bedeutung mehr hatten. Nicht hier, nicht an diesem Orte. Das blaue seltsam wabernde Wesen blickte hinab und genoss diesen wunderbaren Anblick. Dieses Leid in den beiden Menschenaugen, diesen wahsninnigen Schmerz und die Angst. Dieses Leben. Als könnte er es selber spüren. Welch intensivere Gefühle konnte es geben, als jene? Nichts konnte solche Perfektion erreichen wie das hier.

Und plötzlich verstand er es. Die Menschen, sie lebten ihr Leben. Tag ein Tag aus. Doch das war kein Leben. Sie vegetierten in ihrer Welt, unfähig zu wahrhaftigen Gefühlen. Sie betäubten ihre Sinne mit Genussmitteln, gaben sich kurzweiligen Vergnügen hin, um sich die Langweile zu vertreiben, bis der Tod sie hinwegraffte. Emotionslos. Das war kein Leben. Das war kein Genuss. Aber dies hier.. hier und jetzt. Er sah es in den Augen des liegenden. Dies waren echte Gefühle. Tiefe Gefühle! Dies war wahrhaftiger Schmerz! In einem Moment absoluten Schmerzes lebten diese sterblichen Wesen mehr als in all den anderen Tagen ihrer wertlos gewordenen Existenz.

Während die wabernden Tentakel ein letztes mal zu den Nägel gingen, schloss er seine vielen Augen. Schleimtropfend umschlossen sie einen der Nägel und setzen ihn an. Mitten auf der Stirn. Der letzte Todesstoss. Das letzte Opfer. Der Rest seiner Menschlichkeit musste sterben um wahre Erlösung zu finden.

Er wollte es geniesen, schickte seine Gedanken zu den anderen. Und zu jener vollkommendheit dahinter. Er spürte sie rufen, ihn zu sich holen, seine Seele langsam aus seinem Körper gleitt, hin zu den anderen. Er fühlte, wie er hinauffstieg zu ihnen um mit ihnen zu verschmelzen. Mit ihnen und der wunderbaren Macht dahinter. Dieses Allumfassende! Die Gottheit! Jene hatte ihn beobachtet, hatte ihn genährt, hatte ihn gefördert. Sie hatte ihm wahre Gefühle gezeigt, Wahrhaftigkeit. Der Geist dieses Ortes, die Perfektion und Warhheit! Und nun war er bereit mit ihr zu verschmelzen, eins zu werden mit ihr und sich in alle Ewigkeit jenen Wundern und all den unbeschreiblichen Genüssen hinzugeben, welche dieser Ort zu bieten hatte.

Er war bereit! Er holte mit dem Hammer aus. Er hörte sie frohlocken, sie jubeln, nach ihm greifen! Wie sie ihn zu sich zogen ....

... da begannen sie zu kreischen. Unvermittelt. Etwas stimmte nicht. ETWAS STIMMTE NICHT! Sein Geist, er fuhr zurück. Der Hammer, er konnte ihn nicht mehr halten. Nein.. nein... NEIN! Dies konnte nicht sein! Dies durfte nicht sein! NEIN! Nicht so kurz davor! Nicht so kurz vor diesem ewigen Glück! Vor der endgültigen und absoluten Erlösung!

Er versuchte sich zu wehren, aber er konnte nicht. Er spürte, wie sein schleimiger Tentakelleib über dem gefesselten zusammenbrach. Wie er allen Zusammenhalt verlor und sich einer Suppe gleich über jenen ergoss.

Entsetzt schrieen seine Gedanken auf!

"NEIN! NICHT WIEDER ZU IHM!"

Das letzte, das er spürte, war der Schmerz in seinem Kopf. Als hätte jemand Nägel hineingetrieben.

Dann wurde es schwarz.
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« Antworten #5 am: 28. April 2008, 18:47:56 »

Kapitel 2

Geburt

Stille. Dunkelheit.

Dann ein Bild in seinem Geiste. Wieder Dunkelheit. Ein anderes Bild durchzuckte ihn. Wieder Dunkelheit. Dann zwei Bilder. Wieder kurze Schwärze. Es folgten Stimmen. Dunkelheit. Bilder. Stille. Geschrei. Bilder. Dunkelheit. Bilder. Stille. Immer schneller wechselten sie ab. Sie durchzuckten seinen Verstand. Viel zu schnell, zu verwirrend. Er verstand es nicht. Er schrie!

Dann riss er die Augen auf.

Der Schrei hallte noch im Raum wieder, als er nach Luft schnappte. Schmerzen durchzuckten seinen Leib. Sein Kopf, er drohte zu zerspringen. Mit der Hand wollte er hochgreiffen und sich die Schläfen massieren, da merkte er, dass er festgebunden war. Panisch blickte er um sich.

Wo war er? Wer war er? Wieso war er? Alles, an das er sich erinnern konnte waren verwirrende Bilder und seltsame gedankenfetzen ohne Zusammenhang.

Dann kam sie aus dem Dunkel. Eine seltsame Gestalt. Sie wirkte menschlich, aber.. auch wieder nicht. Seltsam entstellt, verdreht, die Stimme krächzte:

"Krezk!", die Stimme des Wesens überschlug sich. "Krezk! So machte er, als er erwachte. Krezk! Krezk! Krezk! Kchchchchchchch... jaja.. so nennen wir ihn. Den neuen, den Bruder."

Das Wesen kam und schnallte ihn los. Krezk. Dies war er also. Krezk war er und er war Krezk. Doch wo war er. Wieso war er hier? Als hätte das Wesen seine Gedanken gelesen, grinste es:

"Jaja.. alle haben sie dieselben Fragen. Du bist einer von uns. ein Bruder. Du bist das Kind des Schöpfers. Schliese deine Augen und spüre. Spüre ihn. Ihn und seine Macht. Spüre den Schöpfer. Er hat dich erschaffen. Und er wird dich vernichten!"

Langsam nickte Krezk. Der Schöpfer. Krezk schloss die Augen, versuchte zu spüren. Wieder durchschossen ihn Bilder. Gefühle. Erinnerungen. Fremde unbekannte Orte. Seltsames Wissen. Und Schmerzen. So unendliche Schmerzen!

Der andere lachte. Er nahm von einem Tisch einen Spiegel und zeigte ihn Krezk. "Schau hinein, schau nur hinein. Wie schön du bist"

Und er war schön. Die Haut, sie war blau und ledrig. Sein Kopf und sein Körper waren durchbohrt mit rostigen Neiten und Nägeln. Sie eiterten und brannten wie Feuer. Aus schwarzen Augen stierte ihm sein Antlitz entgegen. Kalt und doch lebendig. Perversion der Natur. Ja, das bist du. Nichts anderes. Das Ding, das nicht sein darf, das nicht sein kann. Und doch ist. Geboren aus der Macht des Schöpfers.

"Geh hin... Krezk... mein Bruder. Der Schöpfer. Er liebt dich. Geh hin und lerne. Geh hin und lerne."

Krezk blickte ihn schief an. Er verstand nicht. Er ging keinen Schritt. Wohin sollte er auch gehen. Da schrie ihn das Wesen an:

"GEHE HIN UND LERNE! Oder der Schöpfer wird dir seine Liebe nehmen! Er wird dir das Leben aus deinen Adern reissen, es dir aus deinem Leib saugen und du wirst die Ewigkeit im nichts verbringen. GEH! GEH! GEH!"

Und mit Schrecken in den Augen rannte Krezk davon. Hinaus in die unbekannte Welt.
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« Antworten #6 am: 03. August 2008, 21:55:05 »

LEBEN

Kchchchchchchchchchchchchchch
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Krezk hatte es gesehen, ja, das hatte er. Auf einem Baum hatte er es gesehen. Wie dieses Wesen das andere Wesen fing. Und es an die kleinen verfütterte. Würmer. Und Vögel. So nannten sich diese Wesen. Sie waren klein. Und sie waren flink.

Es war Abend geworden. Er hatte den ganzen Tag damit verbracht, ihnen zuzusehen und nachzulaufen. Wie sie Würmer holten und sie den kleinen fütterten. Und wie die kleinen Fetter wurden davon.

Es war seltsam. Er wusste Dinge. Er wusste nicht, woher. Aber er wusste sie. Er wusste, wie sie hießen und dass die Kleinen fetter wurden. Wenn er die Augen schloss, dann sah er die Bilder. Er sah sie vor sich. Sie verwirrten ihn. Zu schnell, zu wild durcheinander. Wörter, Wortfetzen. Vögel. Würmer. Große Vögel. Menschen. Er war kein Mensch. Das wusste er. Er hatte aber keine Ahnung, was ein Mensch war. Oder was er war?

Was war er?

Er schloss die Augen und versuchte sich auf die Bilder zu konzentrieren. Doch er hörte nur das Rauschen in seinem Ohr. Er hörte das Pochen seines Herzens. Ba-dumm... Ba-dumm...

Es war seltsam, aber... es erregte ihn. Alles erregte ihn. In der Nacht, der Regen, als er auf seine Haut tropfte. Der geruch vom Tau am Morgen. Wie sich seine Lungen mit Luft füllten und sich leerten. Das Geräusch seines Blutes in den Adern. Die Vögel und ihr Gesang. Sein Kopf, der schmerzte. Sein Bauch, der ihm vor Schmerz fast den Verstand raubte. Und irgendwie de Müdigkeit in seinen GLiedern

Es war nicht sexuell, es war mehr. Es war tiefer. Er liebte es, dieses Leben. So wurde es genannt. Leben. So nannten sie es. Leben. Und jetzt lebte er. Und wie er lebte. Er lebte im Glück, er lebte mit seinen Sinnen, er lebte im Schmerz. In höllischen Schmerzen.

Und er war erschöpft. Am Ende seiner Kraft. Zwei Tage und zwei Nächte war er gelaufen. Hinter Hasen war er hergelaufen, hinter Rehen, ehe er sich den Vögeln zugewandt hatte. Doch nun verließ ihn die Kraft. Er hatte es schon länger gespürt. Keine Energie mehr. Die Augen fielen ihm zu. Er wusste nicht, was es bedeutete, als ihn seine Instinkte zwangen sich auf den Boden zu legen und seine Augen zu schliesen.

Ist es nun Vorbei? War es das? Ist dies das Ende? Nimmt ihm der Schöpfer, was er ihm geschenkt hatte? Hatte er sich als unwürdig erwiesen? Würde er nun sterben?  Aber es war doch nur so kurze Zeit gewesen. Und es war noch so viel mehr. SO VIEL MEHR!

Er krümmte sich am Boden zusammen und Tränen rannen ihm aus den Augen, seine blaue trockene, lederne Haut hinab. Er wollte nicht sterben. Er wollte LEBEN!

Dann wurde es schwarz. Und er schlief zum ersten Mal.

------------
ohhh Krezk... süßer Krezk... guter Krezk... lieber Krezk... Sorge dich nicht, denn ich bin bei dir... ich war immer da. Und ich werde immer bei dir sein. Hinter deinen Augen, in deinem Kopf, in deinem Herz, in deiner Seele. Dort wirst du mich finden, wenn du mich suchst. Komm zu mir, wundervoller Krezk. Komm zu mir, in meine Arme, süßes Wesen. Komm zu mir, und ich werde dir den Schmerz nehmen heute Nacht. Den siehe, ich bin es: Dein Schöpfer. Und ich werde dich nie verlassen
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« Antworten #7 am: 12. August 2008, 22:33:53 »

Essen

"ohhh... süßer Schöpfer..."

Krezk erwachte. Seine Arme hatte er noch um sich geschlungen. Es war ihm, als würde er den Schöpfer aus seinen Träumen noch bei sich spüren, seine zärtliche warme Aura, welche ihn in sich aufgenommen hatte während der Nacht. Er liebte den Schöpfer. Er war bei ihm. Krezk wusste es. Er wusste nicht, woher, aber er wusste es. Und der Schöpfer würde immer bei ihm sein.

War es nicht wunderbar, bedingungslos geliebt zu werden? Wahrlich geliebt?

Langsam richtete sich Krezk auf. Er blickte sich um. Es war schwer für ihn zu sagen, welche Tageszeit es sein mochte. Er hatte schon verstanden, dass Helligkeit und Dunkelheit sich abwechselten. Doch im Moment schien es weder hell noch dunkel. Diese grelle Scheibe am Himmel war verdeckt von diesen... er kannte das Wort nicht. Seltsam, für vieles hatte er in seinem Kopf Bezeichnungen gefunden, für anderes nichts. In der Ferne krächzte ein schwarzer Vogel. Er schloss die Augen und versuchte die Bilder und Geräusche zuzuordnen. Irgendwo, tief in seinem Inenrsten, wusste er, was dies für ein Wesen war. Doch jetzt kam nichts hervor. Kein Name, kein Bild.

Dafür erinnerte er sich an etwas anderes. An die Vögel und die anderen Wesen, und wie sie anderes Leben in ihre Mäuler nahmen und sie aßen.

Was für ein seltsamer Gedanke. War das die Art, wie man lebte? Wozu war dies gut? Instinktiv griff er in die Erde. Es nieselte leicht aus dem verdeckten Himmel und der Boden war voller Regenwürmer. Neugierig nahm er einen der Würmer hoch. Er betrachtete ihn, wie jener sich wand. Krezk spürte das Leben des Wesens. Irgendwie ward er mit jenem verbunden. Auf eine seltsame, unverständliche, Art und Weise.

Krezk lächelte den Wurm an, als er in in seinen Mund schob. Es war ein seltsames Gefühl. Es gefiel ihm, wie sich der Wurm in seinem Mund herumschlängelte, ehe er ihn hinunterschluckte.

Schlucken. Es war ihm so unbekannt gewesen und doch so einfach. Fast instinktiv, wie ein Reflex. Unverständlich und neu.

Krezk nahm noch einen Wurm und noch einen. Immer gieriger wurde er nach den Würmern. Wilder und energischer griff er nach ihnen, anfangs einen nach dem anderen, dann schob er zwei oder drei gleichzeitig in den Mund. Und ehe er es sich versah, biss er zum ersten Mal zu.

Ohne darüber nachzudenken, war es passiert. Krezk hatte seinen Mund geschlossen und seine Zähne zerteilten einen der Würmer. Für andere das normalste der Welt, war es doch für ihn ungewohnt und Fremd. Aber was für ein Genuss. Wie köstlich es war. Die Vorstellung, wie er ihn zerteilte, wie er den Wurm sein Leben nahm und dessen Eingweide mit seiner Zunge im Mund verteilte. Diese Schmerzen, die der Wurm wohl fühlen musste in ebenjenem Moment.

Ein süßer Schauer jagte Krezks Nacken hinab. Köstlich. Wunderschön. Fantastisch. Er merkte, wie sein Herz schneller klopfte, wie das Blut durch seine Adern schoss. leicht zitterte er und die Haare auf seiner Haut richteten sich auf. Eine Gänsehaut. Woher kannte er dieses Wort? Er wusste es nicht. Aber wie alles neue, alles ubnekannte, welches er erlebt hatte, all dieses Fremde, war auch dieses Gefühl berauschend schön.

Nach und nach schob er sich Würmer in den Mund, und als er dort keien mehr fand, suchte er überall weiter, suchte alles ab.

Dann sah er einen Hasen. Geduckt im Gebüsch. Er war klein, ein Jungtier, dachte, man könnte ihn nicht erkennen. Aber Krezk wusste, dass er da war. Langsam kam er Näher und griff nach dem kleinen Wesen. Jung, und doch bei weitem älter als das blaue Monster mit den rostigen Nieten und Nägeln in seiner Haut.

Langsam hob er den Hasen hoch, betrachtete ihn. Dieser wollte entkommen, doch Krezk hinderte ihn. Mit dem Kopf voran steckte Krezk jenen sein seinen Mund. Der Hase wehrte sich, strampelte, versuchte mit seinen Zähnen im Mund nach Krezks Zunge zu schnappen, ihn irgendwie zu hindern, oder zu verletzen. Irgendwie sein Leben zu retten.

Es war ein wunderschöner Schmerz, als Krezk sein Blut aus den Wunden treten spürte. Er wollte es geniesen, diesen Moment des Lebens. Doch seine Gier war zu groß. Langsam hob sich sein Unterkiefer und durchtrennte den Hals des Hasen.

Er schloss seine Augen, um sich ganz auf das Gefühl zu konzentrieren, als das warme Blut seine Kehle hinutnerrann. Voller Verzückung war er in diesem Moment, stellte sich die Schmerzen vor, welche der Hase in den letzten Sekunden empfunden haben mochte. Die Angst sein Leben zu verlieren. Kostbares Leben.

Stück um Stück frass er den Hasen auf. Jedesmal, wenn er die Zähne in den toten Hasenkörper trieb, erfreute Krezk sich an den weitern Schmerzen, welche er jenem wohl zufügen musste. Und desto länger er dies tat, so sehr merkte er eine Veränderung in sich: Die Schmerzen des Hasen, linderten seine eigenen Schmerzen! Das Brennen und Rumoren in seinem Bauch! Er hatte nicht verstanden, wieso es Stunde um Stunde stärker geworden war. Aber nun war es verschwunden! Unwissend des Prinzip von Hunger und Durst, hatte er dies für einen Teil seiner Existenz gehalten. Wie das Dröhnen in seinem Kopf, das brennend er eitrigen Wunden! Doch das war es nicht. Der Schmerz wurde weniger!

Seltsam... der Schmerz des einen Wesens lindert den Schmerz des anderen. Aus Schmerzen geboren, in Schmerzen gestorben. Die Währung der Welt.

Und Krezk war glücklich. Ja, es war wunderbar, das Leben. Und er würde jede Sekunde davon geniesen.
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« Antworten #8 am: 20. August 2008, 13:14:00 »

Erste Begegnung

Ja, da waren sie, die Wesen. Der erste war ein Zwerg gewesen. Krezk hatte keine Ahnung, was ein Zwerg war. Aber er wusste sofort, es war anders. Es ging auf zwei Beinen. Und es umgab ihn der Geruch von Tod. Tod. Und eine blutige Axt. Dieses Wesen hatte gemordet, hatte getötet, hatte die Leichen seienr Gegner zu seinen Füssen gesehen. Oh, wie wunderbar dieses Wesen doch war!

Langsam trat er näher an den Zwerg. Wudnerschöner Zwerg, bester Freund, Zwerg. Netter Zwerg. Krezk betrachtete ihn, betrachtete die Maserung der Haut, betrachtete die Adern utner derselben, betrachtete die Muskeln, die sich anspannten. Das Leben in diesem Wesen. Es war so kräftig, so stark, so unglaublich schön.

Sie hatten sich utnerhalten, der Sklave und der Krieger. Gobblins hatte der Zwerg getötet. Sich verteidigt, behauptete der Zwerg. Doch Krezk wusste es besser. Abgeschlachtet hatte er sie. Wie Vieh. Nicht um sich zu wehren, nicht um von ihnen zu essen, sich zu nähren, sondern sich an deren Tod zu ergötzen!

Extatisch trat Krezk näher, er wollte den Zwerg berühren. Er wollte ihn anfassen, die Haut spüren, das Leben in ihm. Er sah, wie sich der Brustkorb des Zwergen hob und senkte. Unglaublich schön.

Krezk Lippen bebten, seine Hände zitterten, als er sich langsam näherte. Ganz langsam. Nur nicht verschrecken den Zwerg. Nur nicht zu schnell. Genies es, geniese jede Sekunde. Das warme Fleisch, so warmes Fleisch. Das klopfen des Herzens, so voller Leben. Er musste es berühren, musste es fassen!

Immer näher kamen Krezk Hände, sie öffneten sich und schlossen sich, sein ganzer Kröper zitterte, sein Blicks tarr auf die Brust des Zwergens gerichtet. Einatmen, ausatmen. Der Brustkorb, voller Leben!

Der Zwerg trat einen Schritt zurück, sein Blick änderte sich. Seine Hand griff nach der Axt. Seine Muskeln spannten sich an. Er hatte Angst. Ja, der Zwerg hatte Angst. Angst vor Krezk, Angst vor dem Abscheulichen. Wie sonderbar. Wie anders, wie... wunderbar. Die SChweissperlen auf der Stirn, wie der Zwerg nach seiner Axt griff. Krezk wusste, der Zwerg würde ihn töten. Würde ihm das Leben rauben. Kostbares Leben rauben! Und der Zwerg schrie ihn an.

"Eine Bewegung und ich schlage dir den Kopf von den Schultern!"

Nein, nein... nein.... Krezk war nicht bereit, noch nicht. Wudnerbarer Zwerg, bester Freund Zwerg, toller Zwerg, lieber Zwerg. MÖRDER! BRUTALER MÖRDER ZWERG!

"Mörder. Ich sehe, wie es dir Spass macht, wehrlose zu töten, wehrlosen Krezk. Wirst du ihn töten? Schlägst du ihm die Axt in den Rücken, wenn er flieht? So wie du es bei ihnen getan hast? Was hast du vor, Zwerg? Was hast du vor, du Mörder?"

Ehe der Zwerg sich aus der Verwunderung erholen konnte und antworten, lief Krezk kichernd davon.

"kchchchchchchchchchchchchchchchchchchchchchchchchchchchch"
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« Antworten #9 am: 27. August 2008, 11:34:43 »

Die Wesen

"kchchchchchchchchchchchchchchchchchchchchchchchchchchchchchchch"

Er kicherte, hier im Dunkeln. Hier war er in seinem Element. Im Eck, verkrochen, saß er da und sah ihnen zu. Die Wesen. Menschen nannten sie sich. Und Drow.

Es war zwei Tage zuvor gewesen. Hasenpfote. So hatte sie sich vorgestellt. Sie war anders als der Zwerg, ihr Geruch war anders. Sie erklärte Krezk, dass sie eine Frau war. Eine Frau. Und ein Mensch.

Geboren von einem Vater und einer Mutter. In Blut und Kot. In Schmerzen kommen sie zur Welt, in Schmerzen sterben sie, von Schmerzen ernähren sie sich. Wie wunderbar war doch das Leben? So .... vollkommen.

Tausende von Tagen war sie schon alt, diese wunderschöne Hasenpfote. Krezk hatte beschlossen, dass sie nun seine beste Freundin war, seine allerbeste, seine Lieblingsfreundin. Und er würde es genießen, ihr all seine Liebe zu zeigen. Krezk schloss seine Augen, als er sich daran erinnerte. An all die schönen Dinge, die er mit ihr anstellen wollte. Ihre zarte Haut, wie sie sich wohl anfühlen musste? Ihr Herz, es schlug so wunderschön schnell, immer wenn er bei ihr war. Wie das seine.

Tausende von Tagen. Was für eine unvorstellbar lange Zeit jene schon existierte. Aber nicht nur sie, alle hier an diesem Ort, hier, tief unter der Erde. Das Flüchtlingslager. Der Ort, an den Hasenpfote ihn geführt hatte. Und alle fürchteten sie ihn hier. Den Sohn des Schöpfers, gekleidet in die Insignien Dunkelbrunns. Sie mieden ihn. Wollten nichts mit ihm zu tun hatten. Das Grauen stand in ihre Gesichter geschrieben, jedesmal, wenn er sich näherte. Abscheu vor dem Unwürdigen, Hass auf die Kreatur. Das Wesen aus Dunkelbrunn. Das Böse.

"Greif einen von meinem Volk an, und ich werde dir den Kopf abschlagen", hatte sie gesagt. Sie, die ebenholzfarbene Schönheit, die Anführerin der Drow. Der Wolf unter den Lämmern. Er hatte sie gleich am ersten Tag kennengelernt. Und sie hatte ihn sofort verzaubert. All diese Ringe, die durchstochene Haut. Sie kannte die Bedeutung von Schmerzen. Und doch verstand sie es nicht. Lebte in einer Welt, welche Krezk nicht begreifen konnte. Ließ sich die Füße massieren, ließ sich Essen zutragen. Wie wertlos waren all diese Dinge für ihn? Wie unverständlich? Und doch erregte ihn nichts mehr als der Gedanke, sie selbst anzufassen, seine Hände über ihre Haut streicheln zu lassen. Ganz langsam und sanft. Zu spüren, wie das Blut durch ihre Adern schnellte, das klopfen ihres Herzens, die wärme des Körpers.

Seine Nackenhaare stellten sich langsam auf. Er spürte den kalten Schauer über seine Haut jagen. Wie er sich dannach sehnte. Oh, beim Schöpfer. Und doch war es ihm nicht möglich. Unmöglich einen dieser Engel zu berühren.

Dann schüttelte er den Kopf. Unsinn. Nicht wegen dieser Dinge war er da. Er war hier aus einem bestimmten Grund. Krezk spürte es tief in sich. Er war hier um zu lernen. Von den Wesen. All ihre Sitten, Gebräuche, und was sie taten. Alles sollte er lernen, sich alles merken und auf alles achten. Und wenn er es gelernt hatte, dann....

.... dann was?

Was war dann? Wofür war er da? Was war seine Aufgabe? Was sollte all dies hier bedeuten? Wozu war er hierher geschickt worden? Was war der Plan des Schöpfers? Was war der Sinn seiner Existenz?

Seltsam, wie sich ein jedes denkende Wesen früher oder später dieselben fragen stellt. Krezk war jedoch eines sofort klar: Er musste lernen. Er musste einfach lernen. Die Antwort war irgendwo. Vermutlich genau vor seiner Nase. Zum Greifen nahe. Vermutlich genau in diesen seltsamen Wesen. Vielleicht wussten sie die Antwort. Ja, das musste der Grund sein. Der große Plan. Die Wahrhaftigkeit und Vollkommenheit des Schöpfers.

Langsam lehnte Krezk seinen Kopf zurück in die Schatten. Aus dem Dunkel blickte er zu den Wesen am Lagerfeuer. Er würde sie beobachten, er würde alles lernen. Alles, was sie ihm freiwillig zeigten. und alles, was sie ihm nicht freiwillig zeigen würden. Und dann, wenn die Zeit reif war, dann würde er zur Stelle sein.

Ja, das würde er.... Und wenn der Tag gekommen war, dann sollte die Wesen zu ihren seltsamen Göttern beten. Und vor der Glorie und Allmacht des einzig wahren Schöpfers zittern!

kchchchchchchchchchchchchchchchchchchchchchchchchchchchchchchchchchchchchch
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« Antworten #10 am: 15. September 2008, 15:30:22 »

Lernen

Es war eine wundervolle Zeit. Wenn dies das Leben war, so wollte er, dass es nie vergehen würde. Diese vielen unbekannten Dinge, so viel neues. Was er alles entdecken und lernen konnte. Und Krezk lernte schnell. Sehr schnell. Er sog es in sich auf, alles, was er bekommen konnte. Alle Erfahrungen. Er lernte von den Drow betrug, er lernte das Lügen von den Menschen.

Wiedereinmal saß er im Schatten, in der Ecke des Lagers. Während er sich langsam über die Nieten und Nägel an seinem Kopf strich und am Eiter kratzte, der sich dort bildete, hingen seine Gedanken in der Vergangenheit. Es war einige Tage her, doch es war ihm, als könnte er es noch immer fühlen. Tief in sich. Es war wie eine Erleuchtung gewesen. Er kratzte weiter und spürte dann einen angenehmen Schmerz. Es brachte ihn wieder zurück in die Gegenwart. Ein sanftes Pochen, ein Kribbeln. Er betrachtete seinen Finger, und sah das rote Blut. Wiedereinmal zu tief gekratzt. Wunderschönes Blut, das Elexier des über alles geliebten Lebens.

Leben, wie jenes seines Bruders. Azmodas. Gemeinsam waren sie durch die Lande gezogen. Der Bruder und er. Jener war so anders als Krezk. Und doch gleich. Sie hatten oft geredet. Krezk hatte viele Fragen gestellt. Über den Sinn ihrer Existenz, über den Schöpfer, das Leben, das Lernen, die Zukunft. Und Azmodas hatte immer dieselbe Antwort: Diene dem Schöpfer.

Ja, diene ihm.. aber wie? Wie nur? War er überhaupt dazu in der Lage, diesem mächtigsten aller Wesen, dem Schöpfer, dem Lebensspender, wahrhaftig zu dienen? Wie sollte er jener Glorie gerecht werden? Lange hatte er gezweifelt. Aber die Zweifel waren nun vorbei. Seit ein paar Tagen.

Alles hatte mit ihr begonnen. Sie war ein kleines Wesen. Man nannten das Wesen einen Halbling. Sie war wohl hineingestolpert in das Lager. Und sie wurde gehasst. Verspottet, gedemütigt. Bestraft. Jaja, sie wurde bestraft. Von Krezk. Und Azmodas. Langsam hatten sich die beiden über sie gebeugt. Azmodas hatte sie mit seinen Händen berührt, sie gefühlt, ihr seine Nägel ins Fleisch gerammt. Hell floss das Blut auf den Boden. Die Halbe stöhnte unter dem Schmerz. Krezk sah es. Krezk genoss es. Er wollte es auch: Sie berühren. Das Wesen... Es anfassen.. die weiche Haut.. so weich.. so kostbar. Wie es sich wohl anfühlte. Und das rote Blut in ihr. Die Brust, wie sie sich hob und wieder sank. Immer schneller. Voller Angst. Panik in den Augen. Er musste sie anfassen. ER MUSSTE SIE BERÜHREN!

Krezk hatte gezittert, am ganzen Körper. Er spürte es, tief in sich. Dunkel. Hässlich. Und doch so strahlend und wunderschön! Brennend stieg es in ihm hoch, kribbelte an seinem ganzen Leib vor Erregung. Krezk wusste nicht, wie ihm geschah, genoss diesen unbekannten Zustand, schloss die Augen, streckte langsam seine eckelhaften blauen Finger nach der Halben aus. Einmal berühren, nur einmal berühren! Nur kurz diese Haut unter den Fingern spüren!

Wie ein Schwall kam es über ihn. Eine Welle der Erlösung, als sich das violette Leuchten um seine Finger bildete. Immer näher kam er ihr. Er wollte es geniesen, ganz langsam... doch wie immer beim ersten mal, ging alles viel zu schnell.

Ehe Krezk wusste, wie ihm geschah, war es schon wieder vorbei. Die Kraft in seinem Innersten hatte sich auf die Halbe entladen. Für Bruchteile von Sekunden sah sie all den Wahnsinn im Kopf des Düsterbalgs. Sah die Bilder aus seinen Träumen. Sah, wie er sich selbst die Nägel in das Fleisch getrieben hatte, wie die Monster aus seiner Erinnerung ihn immer wieder zu Tode folterten. All dieser wunderbare Schmerz! Und ober allem thronte er: In einrr perfekten Kugel aus violettem Licht: Der Schöpfer! Die Perfektion! Die Allmacht! Alles Sehend, alles Wissend.

Mit schmerzverzerrtem Gesicht zuckte sie bewusstlos vor sich hin. Es war zu viel für die Kleine. Ihr Verstand konnte die Wucht von Krezks Erinnerungen nicht mehr ertragen. Auril kam und heilte sie, dass sie nicht starb.

Doch Krezk war dies egal. Er war erschöpft. Und glücklich. Selig. Huschend zog er sich in eine Ecke zurück, kuschelte sich in ein Gefühl tiefster Zufriedenheit. Endlich hatte er seine Bestimmung gefunden. Er würde es den Wesen zeigen. Ihnen beibringen, was er selber schon so lange wusste: Was es bedeutete, wahrlich zu Leben.

Das war das Vermächtnis seines Schöpfers. Und Krezk liebte ihn aus ganzem Herzen.
« Letzte Änderung: 22. September 2008, 12:06:09 von Surtur » Gespeichert

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« Antworten #11 am: 22. September 2008, 12:46:04 »

Begegnungen

Er mochte das Flüchtlingslager nicht. Die Wesen dort langweilten ihn. Immer im gleichen Trott, immer dasselbe. Lungerten herum, saßen am Lagerfeuer, sprachen von Rache und wie schlecht es ihnen ging. Erbärmlich waren sie. All das wunderbare Leben, die ganzen Genüsse. Alles verschwendet. So viel zu Entdecken, so viel zu lernen. Aber sie sahen es nicht. Sie waren alle tot. Innerlich tot.

Ihre Reden, sie langweilten ihn. Ließen sich die Füße massieren, kamen sich so faszinierend vor. Sprachen davon zu herrschen, zu erobern. Doch in Wahrheit wurden nur ihre Bäuche fetter. Sie lauschten ihren Worten, als wären sie Offenbarungen. Doch in ihren Augen stand nur Verfall. Angst verbreiten? In ihren Augen war Angst. Angst vor ihm, vor dem Wurm. Sie fürchteten sich vor ihm. Eiskalt lief es ihnen den Nacken hinunter, wenn er kam. Was sollte er von ihnen noch lernen?

Seht euch an, ihr Wesen. Erobern wollt ihr? Herrschen? Wozu? Doch nur um die Leere in ihrem Inneren abzutöten. Um vor sich selbst zu flüchten. All die Macht! Ohnmächtig seid ihr allesamt! Ihr wollt andere versklaven? Sklaven seid ihr selbst! Sklaven eurer Nichtigkeit! Klammert euch an euren Besitz, an eure Diener, an eure Habe! Was seid ihr ohne dies? Erbärmlich seid ihr. Allesamt.

Nein, nein, nein... das war nicht der Weg. Das war niemals der Weg. Niemals nicht. Nein, nein. Krezk wusste es besser. Er wusste, welches der Weg war. Er wusste, der hässliche, der Sklave. Ausgestossen, verachtet, verspottet, geschlagen. Sein einziger Besitz war sein zerschlissener Umhang, seine zerfetzte Kleidung. Kein Gold, kein Schutz, kein Diener. Ja... er war der unterste, der ärmste. Und doch mehr König und Herr als all die anderen! Denn er war frei! Wahrlich frei! Nichts und niemand konnte ihm etwas nehmen, denn er besaß nichts. Nichts außer seinen Gefühlen und dem Leben. Doch selbst der Tod machte ihm kaum noch Angst. Nicht so viel Angst wie das leere Leben derer, die nicht verstanden.

Doch er war nicht alleine. Er fand jene, die es auch verstanden. Nicht im Lager. Sondern in der Welt. Am Pass, da fand er sie. Und es gefiel ihm. Unschuldig, neugierig. Und doch kannten sie die Tiefen. Sie kannten die Gefühle, lebten diese Gefühle. Und das, ohne es zu wissen. Standen am Anfang ihrer Reise.

Seht euch an! Erinnert ihr euch noch daran? Als ihr euch heimlich ins Zimmer eurer Geliebten geschlichen habt? Erinnert ihr euch an damals, als ihr das Gold gefunden habt und es für euch behalten? Als ihr den Apfel aus dem Laden geklaut habt? Aus der Taverne gegangen seid, ohne zu bezahlen? Den Nervenkitzel, als euer Gesicht sich langsam näherte, den ersten Kuss zu empfangen? Als ihr das erste mal die Hand auf eurem Schenkel gespürt habt? Noch ein Stückchen mehr, noch weiter... Oder der erste Kampf, das erste vergossene Blut? Als der Ork angelaufen kam, die Axt in die Luft gestreckt? Er brüllte, schrie! Rot tropfte es aus der Wunde! Der Schmerz. Und nur mit Glück mit dem Leben davongekommen. Oder war es Aufregung vor der Prüfung? Die ganze Nacht nicht geschlafen. Und sich doch dieser Furcht gestellt. Der Schweiss im Nacken! Die Hand konnte den Stift nicht halten.

Ja.. ihr kennt dies alles. Das Gefühl der Erregung. Ihr kennt es. Jeder einzelne von euch. Und ihr habt es genossen, jede Sekunde davon. Auch wenn ihr es leugnet! Ihr habt es genossen. Ihr erinnert euch daran. Werdet es nie vergessen! Niemals werdet ihr es vergessen! NIEMALS!

Und niemals werdet ihr ihn vergessen: Krezk. Diese Ausgeburt an Wahnsinn. Pervertiert. Wie ist es wohl, alle Grenzen zu verlassen, in einer Welt zu leben, geboren aus Schmerz und Glück, aus Pein und Lust? Aus tiefster Liebe und größtem Hass? All dies auf einmal. All der Nervenkitzel? Alles auszukosten? All die Höhen und Tiefen des Innersten geniesen. Nicht zu Leben in der Welt der Gleichgültigkeit... Abseits von jedem Konsum. In kompletter Anarchie! Könnt ihr es verstehen?

Einige verstanden es. Krezk fand sie, Krezk traf sie. Und sie waren wunderschön. Sie waren Raupen. Doch aus manchem von ihnen wurden wunderschöne Schmetterlinge. Er sah es tief in ihren Augen. Blickte in ihre Seelen. Wie bereit sie waren. Bereit für sein Geschenk. Das ultimative Geschenk der Erkenntiss. Doch nicht jeder verdiente es. Nein, nicht jeder.

Nur jene die würdig sind... Sag... denkst du, du bist würdig?
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« Antworten #12 am: 21. Oktober 2008, 18:42:29 »

Die Frau

Sie zitterte am ganzen Leib, während seine schwarzen Augen ruhig zu ihr aufblickten. Unter der Kapuze lugte er hervor, jeden Regung musternd. Und langsam leckte er sich mit der Zunge über seine rauen Lippen.

Sie war eine schöne Frau. Krezk versuchte sich zu überlegen, wieviele Tage sie wohl alt war. Wie alt diese Wesen wurden, wieviel sie erlebt haben mussten. Und doch waren sie so naiv.

Ihr Kröper hatte sicher schon so manchen Mann bezirzt, ihr wohlgeformtes Gesicht sicher schon einige Männerherzen gebrochen. Doch sie war keine von diesen noblen Damen, die sich beim Lachen die Hand vor den Mund hielten und brav taten, was ihnen ihre Väter sagten. Sie war ein Wildfang, gekleidet in Leder und Leinen. Ihr geruch war der Geruch der Wildniss, des Abenteuers. Sicher hatten schon viele versucht diese Wildheit zu zähmen, sie in ihr Bett zu locken um sich an ihrem nackten Körper zu ergözen.

Doch Krezk itneressierten diese Dinge weniger als nichts. Was sollte er von ihrem nackten Fleisch wollen? Sollte er ihre Brüste liebkosen? Sie auf die Lippen küssen? Wie lächerlich alleine der Gedanke. Wie Primitiv waren sie doch, die Wesen, getrieben vom Fleisch.

Nein... er hatte tiefer gesehen. Und ihn itneressierten die Dinge, die niemand sah. Niemand außer ihm. Und sie wusste es. Und zitterte.

Noch nie war ihr ein Wesen wie er begegnet. Abstossend hässlich, deformiert, verkrümmt und gebeugt. Die Nieten und Nägel in seinem blauen Fleisch eiterten noch immer. Aus welcher Hölle mochte dieses.. Ding.. stammen?

Es war am Aufgang zum Pass geschehen. Ein schmaler Pfad. Alle, die hoch wollten, mussten ihn nehmen. Dort war Krezk gesessen und hatte gewartet. Hoch auf einem Felsen, geschützt und unsichtbar. Er beobachtete die Reisenden, die Händler und ihre Karawanen. Hier oben in der Einsamkeit seiner Gedanken fühlte er sich wohl. Dannw ar sie ihm aufgefallen. Voller Wldheit und energisch ging sie ihren Weg. Krezk hatte nicht gezögert. Langsam schlich er sich die Felsen hinunter zum Weg, kannte die Gegend, wusste genau, wo er ihr den Weg abschneiden konnte.

Zunächst hatte sie ihn nicht bemerkt, als Hinter ihr sein kichern erklang: "Kchchchchchchchchchchchchchchchchch... Wunderhübsch ist es, nicht wahr? Das Wesen... oh... ja.. ich sehe es..."

Erschrocken hatte sie sich umgedreht, und zunächst nur den schwarzen Umhang und seine zerschlissene Kleidung gesehen. Den Oberkörper nach utnen gebeugt war zunächst nur seien Kapuze zu erkennen. Aber nun, als sie ihn ansah, voller Misstrauen, hob er langsam sein Haupt, blickte unter der Krempe der Kapuze nach oben zu ihr. Milde lächelte er aus seinem Antlitz, das mehr einer Fratze ähnelte, denn einem menschlichen Gesicht.

"Bei den neun Höllen.. was bist du?", hatte sie gefaucht, nach ihrer Waffe gegriffen. Krezk grinste selig. Oh, wie wundervoll sie war. Würde sie ihn töten? Vielleicht.

"Wirst du mich töten? Ich bin unbewafnet, ja, unbewafnet ist er, jaja... tötest du einen unbewaffneten? Wirst du ihn abschlachten wie ein Schwein? Wie ein Vieh? Einen wehrlosen, erbärmlichen Sklaven?

Unsicherheit zeigte sich in ihrem Gesicht. Sie war verwirrt, wusste nicht, was er war. Was sollte sie von ihm halten? War er gefährlich? Ja... das war er. Gefährlicher als sie ahnte. Doch es war eine andere Gefahr, anders als jene, die sie kennengelernt hatte. Das Spiel um ihre Seele und ihren Verstand hatte begonnen!

Langsam umkreiste er das Mädchen, umfing sie mit seinen Worten. Worte, wie sie direkt ihre Seele trafen. Nur von ihrem Anblick, ihrem geruch, ihren Bewegungen, ihren reaktionen, hatte er alles erfahren, was er wissen musste. Ihre Antworten verrieten ihm nur noch mehr.

Seine Waffen waren nichts aus Metall, nichts aus Holz geschnitztes, das man seinem feind in die Rippen trieb. Worte waren mächtiger. Worte und Ideen. Und der Verstand der Menschen so zerbrechlich.

Krezk genoss es zu sehen, wie sie langsam abdriftete, die Wahrheiten, die sie glaubte zu kennen, sich langsam in seinem Mund pervertierten und ins Gegenteil verkehrten. Und er sah, wie sie langsam begriff.

Ihre Augen weiteten sich immer weiter. Der Griff um ihr Schwert wurde härter, verkrampfter. Ihr Körper hatte begonnen zu zittern. Und es gefiel Krezk. Langsam näherte er sich ihr. Langsam und vorsichtig. Er hatte alle Zeit der Welt. Und sie war starr vor Schrecken. Wohin sollte sie fliehen? Wohin sollte sie gehen?

Eine grausige Faszination ging von Krezk aus. Eine dunkle Aura, die man nur schwer beschreiben konnte. Neugierde und Faszination, geteilt mit Furcht und Grauen. Wie in den alten Geschichten, wenn die Kinder alleine in den Dachboden gehen, um sich dem Unbekannten zu stellen. Angst treibt sie weg, sie wollen umdrehen, aber etwas in ihnen treibt sie Vorwärts, immer weiter. Vielleicht sogar in den Tod.

Und sie, dieses Wunderschöne Wesen.. sie erlag ihm gerade. Wehrlos stand sie vor ihm, das Schwert nun kraftlos in ihrer Hand, ihr Blick starr und ins Leere gerichtet. Krezk hatte sie fast gebrochen. Sie würde sich nicht wehren, egal, was er mit ihr tun würde. Sie würde es mit sich geschehen lassen. Doch dies war es nicht, was er wollte. Sie musste es wollen. Aus eigenem Freien Willen. Dies war das letzte Opfer, die letzte Prüfung. Sie musste zu ihm kommen, musste es sich wünschen von ihm befreit zu werden, von ihm verwandelt zu werden in etwas anderes, etwas neues, in einen .... WUNDERSCHÖNEN SCHMETTERLING!

Langsm streckte Krezk seine Arme nach ihr aus, lockend rief er sie zu sich. "Komm... komm zu mir, meine Schöne. Meine freundin, allerbeste Freundin. Komm zu mir, und ich werde dir all deinen Schmerz verwandeln, ich werde dir wudnerbare Dinge zeigen, und du wirst Leben... Leben, wie du noch nie zuvor gelebt hast. Komm zu mir, ... komm... komm und beende deine Reise. Hab keine Angst. Ich werde für dich da sein"

Wie in Trance schritt sie langsam näher. Etwas in ihrem Inneren rief verzweifelt nach ihrem bewusstsein, wollte sich losreissen von ihm, weglaufen, so weit es ging, alles vergessen. Doch diese Stimme war nur noch ein Flüstern in tiefster Dunkelheit. Langsam kam sie näher, nur noch wenige Schritte trennten die beiden....

... Als hinter ihnen eine Stimme erklang: "Was denn hier los?" Ein Wanddersmann war des weges gekommen. Diese kurze Ablenkung genügte und sie kam wieder zu sinnen. Energisch schüttelte sie die Zweifel von sich ab. Krezk fauchte. Verloren! VERLOREN! Ein Dunkler Blick flog gen Wandersmann, dann kehrte er sich ab und lief kichernd davon.

Kchchchchchchchchchchchchchch,..... vielleicht mochte er heute verloren haben... aber niemals wird sie vergessen, was sie erlebt hat. Niemals wird sie vergessen, wie nahe sie am Abgrund stand, kurz davor zu springen. Niemals wird sie es vergessen! Niemals. Und von nun an wird ihr jeder Tag wie ein Geschenk sein. Das kostbarste aller Geschenke. Das Leben.
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« Antworten #13 am: 10. September 2009, 17:19:56 »

Kapitel 3

Reise

Glühendes Eis unter seinen Füßen. Beißende Kälte, unerträgliche Hitze. Krezk Augen waren geschlossen, als er sich auf dem Boden krümmte. Seine Hände umklammerten sich selbst, kein Laut kam ihm über die Lippe. Nicht jetzt. Nicht hier. Nicht im Antlitz es einzig Wahren, seines Schöpfers.

Krez genoss die Aura seines Herrn. Hier war er daheim, hier in seinen Träumen. Wenn er die Augen schloss. Hier konnte ihm nichts geschehen, hier würde man auf ihn achten und ihn lieben. So wie er sie liebte. Seine Heimat.

Doch schon bald würde es enden. Seine Augen sich öffnen und den Blick ebenen auf jene kalte und brutale Welt, die er bewohnte. Auf das widerwärtige Menschenreich. Seldaria nannten die Wesen es. Es war so eckelhaft, so widerwärtig. Diese Perversion aller Wunder. Nichts war hier perfekt, alles schien nur unvollständig. Die Gefühle, man nahm sie wahr wie durch einen Schleier. Kalt und Matt. Nur ab und an, für Bruchteile von Sekunden, da konnte man so etwas wie wahre Schönheit erblicken.

Kein Wort hatte er vernommen, keine Geste hatte er gesehen. Und doch brannte der Befehl in seinem Inneren. Er wusste, was zu tun war. Alles ergab einen Sinn. Seine Reise war erst der Anfang gewesen. All die Zeit hier in diesem fremden Land nur die erste Prüfung.

Er hatte seine Visionen hinausgetragen, er hatte sie den Wesen gezeigt. Nun war es Zeit an andere Orte zu gehen, zu anderen Welten. Noch so viel zu erledigen, noch so viel zu tun.

Es fiel ihm schwer seine Augen zu öffnen und den Traum zu beenden. Erschöpft richtete er sich auf. Jedesmal fiel es ihm schwerer sich davon zu trennen. Doch er musste es. Er musste der Bestimmung folgen. Einer neuen Bestimmung. Er würde Seldaria verlassen. Und hinausziehen in andere Welten ... zu anderen Wesen. Dort würde er auch ihnen den Weg lehren. Diesen Weg in die Herrlichkeit des Schöpfers.

Kichernd schritt Krezk zu dem flammenden Portal. Er hatte keine Angst, keine Erwartung. Der Schöpfer würde ihn begleiten, wohin er auch ging. Niemals würde er ihn verlassen. So schritt er nach vorne, ins grelle Licht. Ein Blitz ... Dann ward er verschwunden.
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« Antworten #14 am: 13. Februar 2010, 11:26:57 »

Krankheit

Seine Haut zuckte noch immer. Krezk schloss die Augen. Seine Haare hatten sich aufgestellt und kleine Schauer rieselten über seinen Rücken. Er war durch das Portal geschritten. Die Zukunft hatte begonnen. Seine Zukunft.

Langsam sog er die Luft dieser neuen Welt in sich ein. Zug für Zug genoss er die fremden Gerüche. Gras und Wiesen dufteten herrlich im Tau des Morgens. Die Sonne war gerade aufgegangen und begann alles zu trocknen. Er spürte den Klee unter seinen nackten Füssen, wohlig feucht und weich. In der Ferne die Berge ragten hoch in den Himmel, umzingelt von kleinen weißen Wolken. Wie schön es hier doch war.

Ein Kichern stahl sich auf sein Gesicht. Kchchchchch... Den Menschen würde es sicher gefallen. Dieser Frieden. Es war perfekt. Fast. Nicht ganz. Bilder zuckten vor seinem Innersten. Schreie in der Dunkelheit, Feuer, das lichterloh brannte. Menschen, die sich gegenseitig das Fleisch von ihren Leibern schnitten. Das Kichern wurde leiser, bedrohlicher, wolllüstiger. Blut, dass sich statt des Taues über diese Welt ergiesen würde. Er sah sie, wie sie sich ihre Zehen abschniten und ihm Wahnsinn kochten. Nägel durch ihre Körper trieben und ihm huldigten: Dem Schöpfer.

Er war entsandt. Dies war seine Mission. Den Glauben in ihre Herzen zu tragen. Diese Welt noch schöner zu machen als sie war. Die perfekte Welt zu erschaffen!

Die Sekunden der Ruhe. Er genoss den Frieden. Die Einsamkeit nach der Reise. Die Eindrücke. Doch nicht zu lange warten. Dafür war er nicht gekommen. So ging er weiter. Seine Kleidung hing in Fetzen von seiner blauen Haut. Sie würden sich fürchten vor ihm. So viel war klar. Er kniete sich kurz hin. Ein kleiner Hase sprang vergnügt durch das Gras. Noch nie war ihm jemand wie Krezk begegnet. Dieser Geruch, erw ar anders als bei den Menschen. Keine Gefahr? Der Hase war sich nicht sicher. Sollte er laufen?

Vorsichtig näherte sich Krezk, streckte seine Hand zu dem Fellknäuel. "Schnuppere nur, kleiner Freund. Bester Freund", sagte er ihm. Dann rupfte er einw enig Klee heraus und hielt es dem kleinen vor die Nase. Und dieser näherte sich. Noch immer misstrauisch, seine Läufe angespannt, bereit jeden Moment davon zu hoppeln. Doch konnte er dem Klee nicht wiederstehen. Er kam näher, schnupperte. Aß. Und SAH!

Nur kurz hatte er die Hand berührt, doch es hatte genügt. Er hatte es GESEHEN! Der Hase war von Sinnen, wusste nichts mit all den Dingen anzufangen. Es war zu viel. Wie schon unzählige Hasen vor ihm war auch dieser den Bildern nicht gewachsen. Verstört zuckte er am ganzen Leib, biss sich in seine Löffel! All der Wahnsinn! Nur für Sekunden waren ihre Gedanken eins. Sekunden. Und doch hatte diese Wucht gereicht den kleinen zu brechen, zu verstümmeln.

Wie schön der Hase jetzt nicht war, dachte sich Krezk, als er ihn hochhob und sie beide in der Unsichtbarkeit verschwanden. In der Ferne war ein Haus. Und in dem Haus lebten Wesen. Krezk wusste es. Und so ging er hoch zu ihnen. Wie lieb der Hase in seinen Armen lag. Er strampelte, zitterte, versuchte Krezk ins Fleisch zu beissen. Wunderbarer Schmerz.

Es war eine Holzhütte, sie stand wohl schon einige Zeit hier oben. Neben der Hütte eingezäunt ein kleines Gehege. Ein Hasenstall. Wie treffend? hier würde der Kleine sich sicherlich wohl fühlen, dachte sich Krezk und ließ ihn vorsichtig hinein. Zärtlich streichelte er dem verstörten Knäuel das Fell. "Kchchchch....Wunderschöner Hase. Mein kleines Häschen du! Ich werde dich nie vergessen. Kchchchchch...Immer werde ich dich lieben. Immer", dachte Krezk, als er zusah, wie der Hase über einen anderen Hasen herfiel. Mit der Kraft des Verrückten bohrte er seine Zähne in dessen Fleisch. Dieser versuchte sich zu wehren und die anderen kamen ihm zu Hilfe. Sie knurrten, fauchten und fiepten!

Stürmisch kam ein junges Mädchen aus dem Haus gerannt. Schreck stand ihr ins Gesicht geschrieben. Tollwut? Es hatte bereits einmal so einen Fall gegeben! Sie musste schnell handeln. Hilfe holen. Zurück ins Haus und dann....

... Doch so weit kam es nicht. Als sie gerade wieder hineinlaufen wollte, hörte sie es kichern. Und dann stand er auch schon vor ihr.

"Kchchchchchchchchchch... du bist so wunderschön, mein Kind. Wie schön du doch bist. Wenn du dich nur sehen könntest. So wie ich dich sehe.... Kchchchchchch..."

Entsetzen! Was bei allen guten Geistern! Was! Dieses! Das Kind war nicht mehr in der Lage klar zu denken! Das musste der Teufel selbst sein. der Teufel, der gekommen war sie zu holen! Guter Gott, lieber Gott, so hilf mir doch! Diese blaue Haut! Die Nieten und Nägel ins einem Leib! Mein Gott! Das war der TEUFEL! Erschrocken taumelte das Kind zurück. Und stolperte über den Zaun des Geheges.

So lag sie nun zwischen den Hasen. Ihre Augen schreckgeweitet. Sie spürte es nicht einmal, als sie der Hase biss. Erst als sich die Welt vor ihren Augen veränderte, merkte sie es. Diese seltsame Wärme in ihrem Körper, die sie durchflutete. Diese wunderschönen Gefühle von Zweisamkeit. Sie spürte ihn, den Schöpfer. Es war diese tiefe Liebe in ihrem Innersten. Sie sah den schwarzen Himmel und die rote Sonne, hörte das genussvolle Schreien der unzähligen. Wie schön war es hier. Hier in dieser neuen Welt.

Wie durch ein Wunder hatte es sich vermehrt, einer Krankheit gleich. Erst KRezk, dann der Hase, dann... Ein Biss hatte genügt. Und sie hatte sich infiziert. Jetzt war sie krank. Krank vor Sehnsucht. Sehnsucht nach diesem Fremden Ort, Sehnsucht nach dieser seltsamen Zukunft. Sie versuchte sich zu wehren. Doch sie war so schwach. Der Geschmack des Blutes in ihrem Mund zu süß.

Aus der Hütte drang eine Stimme: "Was ist los da draussen?" Das Mädchen zögerte nicht lange. Sie stand auf und ging zum Holzblock neben dem Gehege. Sie griff die Axt und ging hinein. "Großvater, du wirst nie glauben, was passiert ist. Und ich habe ein Geschenk für dich"

Krezk kicherte, als er den Alten schreien hörte: "NEIN! HEIDI NEIN!"

Zärtlich streichelte er ihre Wange, als Heidi die Axt aus dem Leib des Almöhis zog. In aller Ruhe wusch sie ihr Kleid und gemeinsam setzten sich in die Sonne vor dem Haus. Wie angenehm die Sonne strahlte. So schön warm. Und so wundervoll nass der Klee. Sie legte ihren Kopf an seine Brust. Nicht mehr lange und er würde kommen. Der Ziegenpeter. Sie kicherten, als sie daran dachten.

Doch dies war ihre Geschichte, nicht mehr seine. Seine Aufgabe lag an einem andreren Ort und war noch lange nicht erfüllt. In der Ferne erschien Peters Silhouette. Es war Zeit zu gehen. Das Tor öffnete sich und Krezk war wieder weg. Eine weile blickte Heidi ihm noch traurig nach. Doch nicht für lange.

Der Ziegen-Peter war nun da! War er nicht wunderschön? Und bald... bald.. wird er noch viel schöner sein. Kchchchchchchchchchchchch....
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